2004

Von Salome Sander

 Der 2003 geschaffene Skulpturenzyklus “die Zauberflte” steht in der Kunstgeschichte ohne Vergleich: noch nie hat ein

bildender Knstler Mozarts Sujet komplett in Skulpturen umgesetzt. Es handelt sich um relativ kleine, aber sehr genau hergestellte Plastiken aus Terrakotta oder Ton, teilweise farbig, manche auch ganz in der Tonfarbe belassen. Eichner ist ein Meister der Miniatur, was er schon in seinen vielen Bronzen bewiesen hat. Mit seinen Plastiken aus Ton betrat er eine neue Ausdrucksform in seiner Kunst. Entstehung  Der Eichner beschftigte sich seit Mitte 2002 intensiv mit Mozarts Zauberflte. Den Anla dafr bot seine zweijhrige kleine Tochter Anastasia, die ein auergewhnliches Interesse an der Oper und an einem Bilderbuch hatte ber die Zauberflte zeigte. Fast tglich abends musste Eichner das Buch vorlesen, und tglich liefen ber Monate CDs von der Zauberflte. Im Herbst 2002 besuchte Eichner die Bonner Oper mit der Inszenierung der Mozartoper von Jrgen Rose- gemeinsam  mit seiner kleinen Tochter. 2001 sah er sich die Schwetzinger Inszenierung an. Thematische Schwerpunkte Chronologisch begann der Eichner mit der Skulptur  Papageno. Papageno ist der genufreudige Vogelfnger und nimmt im Zyklus rein quantitativ eine besondere Stellung ein. Sein Initiationsweg ist ebenso kurz wie sein Gemt einfach und klar strukturiert ist: als obere  halbe Kopfhlfte mit symbolisch langer Nase dargestellt beschftigt er sich mit Vgeln und seinem Traum von Papagena, die zunchst in all ihrer Hlichkeit, dann auf seinem Kopf thronend inmitten eines Vogelnestes prsentiert wird.In der Mozartoper trgt Papageno ein Schlo vor dem Mund und wird geprft, ob er auch eine hliche Papagena notfalls akzeptieren wrde.Der Eichner stellt Papagena als viergesichtige Vogelfrau dar – sie ist Papageno zweifellos berlegen, beherrscht seine Gedanken, (thront auf seinem Kopf), und verfgt ber die Reize der Versuchung und Fruchtbarkeit, symbolisiert durch die Schlange und die bergroen Brste.Mozart hat brigens das Allerheiligste der Zauberflte -, nmlich das Papageno/Papagena- Duett - viele Monate vor der brigen Partitur komponiert, weil es ihm vor allem anderen wichtig war, die Eintracht der Menschen zu besingen“ (Joachim Kaiser) Die besondere Beziehung zwischen Monostatos und Pamina stellt der Eichner in einer einzigen Skulptur dar, mit der er Rainer Riehns Interpretation sehr nahe kommt: Pamina hat ein Unterbewutsein, das sich nach des Monostatos "Umarmung sehnt.“( J. Kaiser) Pamina ist in den Armen des Monostatos die ganz Hingegebene, die ganz und gern der Lust Ausgelieferte. Das Thema Eros und Lebenslust wird von Eichner als ein ganz wesentliches Thema herausgearbeitet- so z. B. auch bei Tamino mit den 2 Damen der Knigin der Nacht. Die 2 Damen streicheln den bewutlosen Tamino, whrend die 3. Dame den Kampf mit dem Drachen( bei Mozart die Schlange) aufgenommen hat- der Eichner stellt sie ohne  Arme dar. Das Thema Opfer wird hier angedeutet. Eichner lsst hier die Handlungsebene der Oper: Die 3. Dame bringt ein Opfer fr die Liebe und begibt sich damit in besondere Nhe zu Tamino, der in der“ Wasserprfung“ enorme charakterliche Kraft symbolisch offenbart. Das zentrale Thema die Liebe“ ist es, was an Mozarts Oper ber Jahrhunderte hinweg fasziniert. Der Stoff liefert immer neue Fragen, die der Eichner przisiert. Die Liebe in allen Facetten und emotionalen Qualitten wird hier beleuchtet. Die Liebe zwischen Papageno und Papagena ist etwas ganz anderes als die zwischen Tamino und Pamina. Tamino und Papageno allerdings sind die Geprften, die Agierenden, vor allem agieren beide auf eine bloe Vorstellung hin: Tamino bekommt das Bildnis der Pamina in die Hand, bei Papageno entsteht das Bild seiner Papagena im Kopf. Beiden reicht die Vorstellung von der Geliebten, den Prfungsweg anzutreten. Pamina hingegen ist ganz Gefhl. Sie zeigt ihre echten, unmittelbaren Gefhle. In der Oper ist sie es auch, die bei der Begegnung mit Tamino zuerst ihre Gefhle offenbart: Eichner stellt diese Unmittelbarkeit und Unverflschtheit einmal in ihrer kindlichen Nacktheit als Symbol ihrer charakterlichen Unberhrtheit dar( mit Sarastro und Knigin. Andererseits mit Monostatos Geilheit. Die Beziehung zwischen Sarastro und der Knigin der Nacht ist das wichtigste Thema bei Eichner. Er stellt den Sarastro diametral entgegengesetzt  zu Mozarts Sarastro dar, greift einige Aspekte auf, die er aber vllig anders entwickelt: in Eichners Sarastro laufen alle® Fden zusammen, Sarastro ist ein androgyner Priester, der ber die Macht des Phallus und der Schlange verfgt. Er findet sich aber auch als alter Mann im Kleid des Vogelfngers im Tempel der Knigin der Nacht. Hier werden Prinzipien vertauscht. Der oberste Priester der Eingeweihten findet sich unten im Tempel der Knigin der Nacht. Die Psychologie C. G. Jungs von Anima und Animus wird hier knstlerisch aufgegriffen. Sarastro hat als junger Priester durchaus weibliche Anteile. Er reprsentiert die Liebe in erlster Form, whrend die Knigin der Nacht ganz von Rachegedanken beherrscht wird. Das Bindeglied, die gemeinsame Tochter Pamina, wird mit den Eltern in einem Kreis dargestellt, in dem okkult Neues entsteht. Erwhnenswert ist auch die Rolle Mann/ Frau, ein Thema, das Eichner bereits oft auf unterschiedlichste Weise bearbeitet hat. Der Mann ist der Agierende, am Ende Eingeweihte. Die Frau ist Anla zum handeln, ganz ihren (Lust) Gefhlen Ausgelieferte. Das trifft letztlich auch auf die drei Damen zu. Die Frau kann weder bei Mozart noch bei Eichner eingeweiht werden. Am deutlichsten zeigt sich dies in der Wasserprfung, wo Pamina Tamino umklammert hlt, ihn fast zurckhlt von seinem Weg.Diese Geste, die Eichner hier zeigt, hat besondere Bedeutung, - bereits 1997 entstand die Bronze“ Familienname“. Auch dort hlt die Frau den Mann von seinem Weg zurck. Der Skulpturenzyklus schliet sich bei Eichner nicht wie ein Kreis- manche Aspekte werden gar nicht aufgenommen, andere herausragen bearbeitet. Viel Fragen bleiben offen und das Wichtigste: viel neue Fragen werden gestellt. Die Polaritt zwischen Sarastro als dem erlsten Archetyp und der Knigin der Nacht als dem unerlsten Archetyp(C.G. Jung) bestimmt Anfang und Ende der Prsentation, bildet die Klammer, die alle Formen der Liebe umfat. Alle Aspekte, von der Begierde bis zur ideellen Liebe flieen bei Sarastro zusammen. Der aber hat bei Eichner androgyne Zge, er hat alles und hat alles gemeistert: deshalb ist er der Eingeweihte. Frage: Wo sind die Musikinstrumente in seiner Kunst? Antwort: Eichner lie die Zauberflte und das Glockenspiel einfach weg, weil es ihm nicht auf uere Zeichen, sondern auf innere Werte der Figuren ankam. Er findet, da diese Musikinstrumente als Plastik uninteressant sind und lsst sie ganz einfach auen vor.  Der Eichner hat fr seinen Zyklus eine Materie gewhlt, die es ihm gestatte, mit einem Material die unterschiedlichsten Aspekte herauszustellen. Fast alle Skulpturen sind in Terrakotta/ Ton gearbeitet, teils bemalt, teils unbemalt, einige aus Bronze. Die einzige Ausnahme bilden die 3 Damen, die mglicherweise in Bronze die 3 Prinzipien der Liebe verkrpern sollen. Frage? : Wie ist die Stellung des Zyklus innerhalb des Oeuvres des Eichner“  Antwort: Eichner setzt in dem Zyklus kontinuierlich seine Arbeit fort. Er bleibt der realistischen Darstellung mit seinen unendlichen Darstellungs-und Ausdrucksmglichkeit treu“. Eichner hat das Thema Mann /Frau zunchst in vielen lgemlden umgesetzt. Seit 1963 beschftigt er sich mit dem Thema.

Im Reich des Sonnenkreises

Der Eichner: Die Zauberflte" in Ton, Terrakotta und Bronze im Glasmuseum Rheinbach

Wolfgang Amadeus Mozart schrieb 1791 seine berhmte Oper Die Zauberflte", deren Melodien weltbekannt sind. Das Thema, die Beziehung zwischen Mann und Frau und ihre Liebe zueinander, sowie die Musik, Arien wie die des Papageno "Der Vogelfnger bin ich ja" oder des Tamino Dies Bildnis ist bezaubernd schn" inspirierten den Maler und Bildhauer Der Eichner" (eigentlich Hellmuth Eichner) zu seinem Skulpturenzyklus. Seine figurative Malerei der letzten Jahrzehnte findet ihre Fortsetzung in den Skulpturen von menschlichen Krpern und Fabelwesen. Die Dreidimensionalitt der Malerei wird umgesetzt in lebendige plastische Objekte aus Ton, Terrakotta und Bronze. In der Malerei mu die dritte Dimension ermalt werden, von der Malerei hin zur Skulptur ist ein einfacher Prozess", so Eichner ber die Entstehung seiner jngsten Werke, die ab 30.04. - 30.05.2004 in einer Ausstellung des Glasmuseums Rheinbach/Rheinbacher Glaspavillon Hans-Schmitz-Haus" erstmals der ffentlichkeit vorgestellt werden. Noch befinden sich die Skulpturen auf Sockeln thronend in den hellen Ausstellungsrumen im Hause Eichner in Swisttal-Buschhoven.

 

 

 

 

darstellt macht er sie zum Opfer, so wie die Erfllung in der Liebe gleichsam Opfer fordert. Die kmpfende Frau ohne Arme erinnert an das 1993-1994 gemalte lbild "Der Mensch ohne Beine" wo der Mensch als Opfer der Gesellschaft dargestellt ist. In der Terrakotta-Skulptur Zwei der drei Damen mit Tamino" thematisiert EICHNER das weibliche Interesse an der makellosen mnnlichen Gestalt Taminos. Gekrmmt liegt die von den drei Damen gettete Schlange, vor der Tamino flchtete und derentwegen er ohnmchtig wurde, am Boden Klassisch-griechische Gesichtszge seiner Frauenportrts finden sich wieder bei den beiden Bsten Tamino" (Terrakotta, Zement) und Pamina" (Terrakotta, Zement). Die stehende in Bronzefigur Eine der drei Damen" ist hnlich wie seine Kriegerin aus Pompeji" (1994) in Ausdruck und Krperhaltung. Ein luftig-transparentes Gewand umhllt die hervortretenden Krperformen. Mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkrper wirkt die weibliche Gestalt erotisch-grazis. Die Skulptur Monostatos mit Pamina" (Terrakotta und Zement) verkrpert zugleich Begierde und lustvolle Hingabe in der Liebe. Anders als im Handlungsgeschehen der Oper scheint Pamina dem Drngen von Monostatos, dem Wchter in Sarastros Reich, willig nachzugeben.Im Gegensatz zur Mozartoper steht auch die Eichner-Darstellung in Ton Tamino verhindert Paminas Selbstmord". Nicht die drei Knaben, sondern Tamino rettet Pamina, indem er ihr im letzten Moment das Schwert aus dem geffneten Mund entreit. Die Macht der Zauberflte hilft ihm dabei. Sarastro, der Beherrscher des Sonnenkreises ist bei Eichner kein bser Dmon, in dessen Reich Pamina entfhrt wurde. Dargestellt als Herrscher ber den Geheimbund der Eingeweihten, Selbstversunken lchelnd mit gtig ausgebreiteten Armen hlt er ein Phallus-Symbol in der Hand. (Sarastro", Ton auf Zement. Er trgt sowohl weibliche als auch mnnliche Zge, denn in der patriarchalischen Kultur bedeutet die Frau auch zugleich das mnnliche Andere. In der Rolle des Vogelmenschen erscheint er schemenhaft im Palast der Knigin der Nacht" (Terrakotta und Zement), ein turmhnliches Gebilde, das strukturell an das Bild Objekt Straenecke" von 1975 erinnert. Die Knigin der Nacht" und Mutter Paminas wird von Rachegefhlen beherrscht, da ihre Tochter sich ihrem Einflu entzieht. EICHNER stellt sie mit prallen roten Brsten dar.

 

 

darstellt macht er sie zum Opfer, so wie die Erfllung in der Liebe gleichsam Opfer fordert. Die kmpfende Frau ohne Arme erinnert an das 1993-1994 gemalte lbild "Der Mensch ohne Beine" wo der Mensch als Opfer der Gesellschaft dargestellt ist. In der Terrakotta-Skulptur Zwei der drei Damen mit Tamino" thematisiert EICHNER das weibliche Interesse an der makellosen mnnlichen Gestalt Taminos. Gekrmmt liegt die von den drei Damen gettete Schlange, vor der Tamino flchtete und derentwegen er ohnmchtig wurde, am BodenKlassisch-griechische Gesichtszge seiner Frauenportrts finden sich wieder bei den beiden Bsten Tamino" (Terrakotta, Zement) und Pamina" (Terrakotta, Zement. Die stehende in Bronzefigur Eine der drei Damen" ist hnlich wie seine Kriegerin aus Pompeji" (1994) in Ausdruck und Krperhaltung. Ein luftig-transparentes Gewand umhllt die hervortretenden Krperformen. Mit leicht nach vorne gebeugtem Oberkrper wirkt die weibliche Gestalt erotisch-grazis.Die Skulptur Monostatos mit Pamina" (Terrakotta und Zement) verkrpert zugleich Begierde und lustvolle Hingabe in der Liebe. Anders als im Handlungsgeschehen der Oper scheint Pamina dem Drngen von Monostatos, dem Wchter in Sarastros Reich, willig nachzugeben.Im Gegensatz zur Mozartoper steht auch die Eichner-Darstellung in Ton Tamina verhindert Paminas Selbstmord". Nicht die drei Knaben, sondern Tamino rettet Pamina, indem er ihr im letzten Moment das Schwert aus dem geffneten Mund entreit. Die Macht der Zauberflte hilft ihm dabei. Sarastro, der Beherrscher des Sonnenkreises ist bei Eichner kein bser Dmon, in dessen Reich Pamina entfhrt wurde. Dargestellt als Herrscher ber den Geheimbund der Eingeweihten, Selbstversunken lchelnd mit gtig ausgebreiteten Armen hlt er ein Phallus-Symbol in der Hand. (Sarastro", Ton auf Zement. Er trgt sowohl weibliche als auch mnnliche Zge, denn in der patriarchalischen Kultur bedeutet die Frau auch zugleich das mnnliche Andere. In der Rolle des Vogelmenschen erscheint er schemenhaft im Palast der Knigin der Nacht" (Terrakotta und Zement), ein turmhnliches Gebilde, das strukturell an das Bild Objekt Straenecke" von 1975 erinnert. Die Knigin der Nacht" und Mutter Paminas wird von Rachegefhlen beherrscht, da ihre Tochter sich ihrem Einflu entzieht. EICHNER stellt sie mit prallen roten Brsten dar.

 

 

 

Darstellung des netten" und je nach Drehen des lose aufgesetzten Kopfes mit verschiedenen Gesichtern ausgestatteten, Nachbarn Als Pendant dazu gilt auch der multinationale "Nachbar" Kopf in Ton, dessen Nationalitt durch Drehen des Kopfes variiert werden kann. Auch in der Oper Porgy and Bess" von Gershwin wird die Liebe in ihrem Facettenreichtum thematisiert. Eroberung, Enttuschung, Begierde, am Ende eine unerfllte Liebe durchziehen die Handlung dieser neben der Zauberflte wohl eine der bekanntesten Opern der Welt. (Porgy and Bess", Bronze bemalt).

 

 

 

 

 

Die Zauberflte"

Werkzyklus in Ton, Terrakotta u Terrakotta und Bronze

Ausstellung im Glaspavillon Hans-Schmitz-Haus" Rheinbach

 

Die Zauberflte", Ausstellung im Glaspavillon Rheinbach.

Rheinbach. Hellmuth Eichners (genannt Der Eichner") Werkzyklus entstand im letzen Jahr. Die Beschftigung des Knstlers mit dem Sujet reicht allerdings ins Jahr 2002 zurck, als seine damals zweijhrige Tochter ein ungewhnliches Interesse an der Oper von W. A. Mozart zeigte. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit der Musik sowie mit mehreren aktuellen Inszenierungen entstand eine umfangreiche Serie von Skulpturen, fr die Der Eichner" so unterschiedliche Materialien wie Ton, Terrakotta, Zement und Bronze einsetzte. Dabei interessierte ihn vor allem das

zentrale Thema der Oper, die Liebe in all ihren Facetten und emotionalen Qualitten, ihren Gefhrdungen und Bewhrungen. Die erste Figur, mit der sich Der Eichner" beschftigte, war Papageno, der genufreudige Vogel

Mensch, dessen Gedanken von Papagena beherrscht werden: Sie thront buchstblich auf seinem Kopf. Papagena, bei Eichner eine viergesichtige Vogelfrau, verfgt ber die Reize der Versuchung und Fruchtbarkeit. Das Thema Eros und Lebenslust wird bei Eichner als ein wesentliches herausgearbeitet. Von anderer Art ist die Liebe zwischen Tamino und Pamina, den beiden Liebesleidgeprften. Pamina ist die ganz Hingegebene, Tamino zeigt bei der symbolischen Wasserprobe" besondere Charakterstrke. Die wichtigste Figurenkonstellation bei Eichner ist die zwischen Paginas Eltern, der Knigin der Nacht und Sarastro. Letzteren stellt er als androgynen Priester dar, ausgestattet mit der Macht des Phallus und der Schlange. Anders als in der Mozartoper reprsentiert Eichners Sarastro die Liebe in ihrer erlsten Form.

 

Der Eichner

Eigentlich Hellmuth Eichner, geb. 1946 in Schnenberg, 1967 bis 1970 Studium an den Klner Werkschulen bei Professor Karl Marx und Professor Kadow, anschlieend an der Kunstakademie in Dsseldorf bei Josef Beuys; 1976 Meisterschler bei Professor Sackenheim. Seit 1966 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen, Kunstpreise und Verffentlichungen. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Stadt Rheinbach - Der Brgermeister

 Rede von Werner Gtzinger, Vorsitzender der Knstlergruppe Bonn

Liebe Gste, auch von mir als langjhriger, ehemaliger Rheinbacher Mitbrger ein herzliches Willkommen - In diesen heiligen Hallen" ist man versucht zu sagen bei soviel Prsenz von Mozart und seiner Zauberflte. anche Texte, die wir hren, verbinden sich gleich mit Musik. Die Worte Dies Bildnis ist bezaubernd schn" wecken unmittelbar die Vorstellung vom Prinzen Tamino, der in dieser Arie das Bildnis seiner Pamina besingt. Es gengt das Zitat Der Vogelfnger bin ich ja" und wir sehen den lustigen, etwas einfltigen Papageno vor uns, der sich singend Ein Mdchen oder Weibchen" wnscht. Solche Zitate setzen anregend die Phantasie frei.Das Personal und dessen Schicksale aus Mozarts Oper Die Zauberflte" regten auch Hellmuth Eichners knstlerische Phantasie an. Neben dem Prinzen Tamino und dem Vogelfnger Papageno finden wir die weiblichen Pendants Pamina und Papagena, die Knigin der Nacht, die drei Damen, den Hohepriester der Humanitt Sarastro, den Mohr Monostatos. Der Knstler setzte sie um in Skulpturen aus hellem, weien Ton, aus der erdfarbenen Terrakotta - eine bei den Etruskern beliebte Keramik - und der metallischen Bronze. Der Zyklus entstand im vorigen Jahr 2003. Solche plastischen Arbeiten gehren also zum jngeren Arbeitsbereich von Hellmuth Eichner, den man seit vielen Jahren mit groformatigen Bildern und Zeichnungen kennt. Hellmuth Eichner - oder wie sein Markensignum lautet der Eichner“: Schon frh berichteten Zeitungen und Zeitschriften in facettenreichen Berichten ber seine Arbeiten und Ausstellungen. Bald fhrten ihn renommierte Galerien. Es folgten die ffentlichen und privaten Kufer und Sammler, darunter bekannte Namen aus Politik und Wirtschaft. Whrend seiner Studienzeit hatte er die Akademie wechseln mssen wegen sogenannter Anstigkeiten", ein Begriff, der noch vor zwei Jahren dazu fhrte, da drei seiner Bilder aus einer Ausstellung entfernt wurden. Wer nirgendwo anstt, gibt allerdings auch keine Anste. Zur selben Zeit im Jahre 2002 zeigte aber auch das Bonner Haus der Geschichte ein vor 30 Jahren gemaltes Bild Wir sind Deine frhliche Jugend Europa". Sein Werkverzeichnis und die Liste seiner Ausstellungen sind lang. Wer ihn Zuhause im nachbarschaftlichen Swisttal-Buschhoven besucht, merkt: hier arbeitet jemand besessen, voller kreativer Schaffenskraft. Unfabar fr ihn, nicht zu wissen, was man tun soll. Er entwickelte selber seine Fertigkeiten im Umgang mit Ton, Terrakotta und Bronze durch Experiment und Versuch. Das entspricht seiner kontinuierlichen Lebensarbeit: Alles in Flu halten. Was noch nicht endgltig ist, bleibt korrigierbar, offen fr knftige Formungen. Das Endgltige wrde fr ihn auch das Ende bedeuten. Lieber ein miglckter Versuch als Routine! Nun also Skulpturen zur Zauberflte". Sie gilt als beliebteste Oper der Deutschen. Die Arien aus dem zweihundert Jahre alten Musical" - so ein Rezensent krzlich in der Zeit" - wie das schon erwhnte Bezaubernd schne Bildnis" oder Bei Mnnern welche Liebe fhlen", O Isis und Osiris" gehren zum Allgemeingut. Jede Generation setzt sich neu mit der Zauberflte auseinander. Regisseuren dient sie als Spielflche fr Experimentierfreude. In viele unterschiedliche Richtungen interpretiert man Text und Musik. Auch Eichner weicht hufig vom Libretto ab, gibt Personen und Geschehen seine eigene Deutung. Chronologisch entstanden zunchst die Terrakottaskulpturen des Monostatos und des schlafenden Papageno, das braune Material bleibt noch vllig unbemalt. Es folgte die einzelne der drei Damen mit dem Drachen, hier sehen wir bereits Teile farbig angelegt, wie denn das Bemalen mit fortschreitendem Arbeitsprozess zunimmt. Der Vogelfnger Papageno schlft bekanntlich nicht nur - in einer weiterem Plastik zeigt Eichner von ihm nur die obere Kopfhlfte, bildlich fr ein einfach strukturiertes Gemt mit symbolisch langer Nase, trumend von Papagena, die er auf seinem Kopf thronend in einem Vogelnest prsentiert, also seine Gedanken beherrschend, durch ihre Reize verfhrenden der Oper retten 3 Damen den bewutlosen Prinzen Tamino vor der gefhrlichen Schlange. Eichner zeigt eine der 3 Damen sich aufopfernd im Kampf mit der Schlange - bei Eichner ist es ein Drachen, whrend die beiden anderen sich um den bewutlosen Tamino kmmern, Eros und Lebenslust verkrpernd.Im Szenenbuch der Oper beaufsichtigt der hliche Monostatos die gefangene Pamina und stellt ihr nach. Eichner zeigt Pamina in den Armen des Monostatos, sie sehnt sich - Zitat - im Unterbewutsein nach des Monostatos Umarmung". Eichner stellt Pamina als ganz Hingegebene, der Lust Ausgelieferte dar. Tamino mu Prfungen bestehen, um in die Gemeinschaft des Sarastro und seiner Priester aufgenommen zu werden, z.B. die Schweigeprfung oder die Feuer- und Wasserprobe. Eichner zeigt Tamino bei der Wasserprfung, er durchstt das Hindernis, umklammert von der ihn begleitenden Pamina, die wir in einer anderen Skulptur whrend der Feuerprobe dargestellt wiederfinden. Pamina denkt im Verlaufe der schweren Prfungen an Selbstmord. In der Oper hindern sie 3 Knaben an der Ausfhrung, bei Eichner ist es Tamino, der sie rettet, indem er ihr das tdliche Schwert nimmt. Sarastro - lchelnder Hohepriester der milden Menschenfreundlichkeit, dominante Persnlichkeit, Eichner stellt ihn auch als Knigsportrt dar, januskpfig, androgyn, ist er der wahre Gerechte? Hoheitsvoll seine Geste mit ausgebreiteten Armen, in einer anderen Arbeit sehen wir ihn im Kreis gemeinsam mit der Knigin der Nacht und Pamina sowie dem zu lsenden Rtsel, dem Geheimnis, das sie zusammen tragen und das sie verbindet. Die Knigin der Nacht - in der Oper die Figur mit den schwierigen Koloraturen, Mutter von Pamina, rachschtig, machtgierig, weil Sarastro ihre Macht gebrochen hat. Bei Eichner thront sie oben auf der Zinne ihres Palastes, von Wchtern umgeben, schn und alle berragend. Sarastro findet sich, ihre Nhe suchend, als Vogelfnger verkleidet in den unteren Etagen ihres Turmes. Einige andere Skulpturen, nur aufgezhlt: Portrts von Tamino und Pamina, die drei Damen vereint zu einer Person, die Lockvgel des Vogelfngers, das wundersame Glckchenspiel. Daneben auch einige freie Arbeiten, nicht zum Zyklus gehrend, wie den Nachbarn, international", oder Porgy and Bess". Sowohl die Kunstformen Oper als auch diese Umsetzung in der bildenden Kunst bedeuten Diskurs, Aufforderung zur Reflektion. In seinem Zauberfltenzyklus beweist Hellmuth Eichner Sinn frs Burleske, fr die Farce, ja Karikaturenhaftes ist sprbar. Manche Themen und Aspekte der Opernvorlage greift er gar nicht auf, andere hebt er hervor. Ihm geht es in dem Zyklus wie auch in Mozarts Oper um das zentrale, seit Jahrhunderten faszinierende Thema Liebe in all ihren verschlungenen Facetten, um das Rollenspiel Mann / Frau, Animus und Anima, um das mnnlich-agierende und den weiblich-anlassgebenden Impuls zum Handeln, um Zueinanderfinden und Trennung. Und wir lernen: Die Liebe will alles, und jeder erfllte Wunsch ist ein Vorwurf wegen des Teiles, der fehlt. Aber das ist unser Menschenschicksal. Werner Gtzinger

 

FOKUS (Wir Swisttaler)

Ein Skulpturenzyklus von Papageno bis zum Palast der Knigin

Im Mittelpunkt der Skulpturen aus Ton, Terrakotta und Bronze steht Papageno, der genufreudige Vogelfnger. Sein Initiationsweg ist ebenso kurz wie sein Gemt einfach und klar strukturiert ist: als obere Kopfhlfte mit symbolisch langer Nase dargestellt, beschftigt sich dieser mit dem .Vogelfang und seinem Traum von Papagena, die zunchst in all ihrer Hlichkeit, dann auf seinem Kopf thronend inmitten eines Vogelnestes, prsentiert wird. Der Eichner hat seine Figuren zu Mozarts wohl bekanntester Oper nicht an der Schnheit der Musik ausgerichtet, auch nicht an den den Opernfreunden bekannten historischen" Bhnenbildern, sondern er hat sich die Charaktere von Mozarts Figuren verinnerlicht und dann mit seinen Mitteln Wesenszge, Sehnschte und Hoffnungen, aber auch ihre Brche und Verwerfungen, herausgearbeitet. Wobei die Aussage mit seinen Mitteln" sich -nur auf die Sichtweise Eichners beziehen kann, ;denn mit den Materialien Ton, Terrakotta und Bronze hat der Knstler Neuland betreten." Nach den ersten Versuchen fand ich nur Staub im Brennofen, ich musste mich mhsam dem Material und seiner Verarbeitung nhern", so Eichner.Als Maler hat sich der in Buschhoven lebende Knstler Hellmuth Eichner, schon von seinen Mitschlem Der Eichner" genannt, seitdem sein Knstlername und "Markenzeichen", seit Jahrzehnten einen Namen geschaffen. Dabei hat er immer wieder auch mal gegen  den . Zeitgeist angemalt, hat provoziert er nicht um des Eklats willen, sondern auf der Suche nach der Wirklichkeit, so die Kritiker. Dies fing schon mit eines seiner wohl frhesten Werke an, ein Bild mit: der Aufschrift INRY, am Kreuz eine Frau mit aufgequollenen Formen". Als dieses Bild gar in einer Schlerzeitung verffentlicht wurde, sah sich 1967 ein Oberstudienrat zu einer anonymen; wenn auch erfolglosen, Anzeige gedrngt.

Seine Bilder zeigen oft Trume von Menschen, dargestellt in figurativen Konstellationen, die menschliches Verhalten widerspiegeln, die Verfhrung, Verleugnung, Ignoranz, auch Leid erkennen lassen. Ich setzte in meinen Bildern um, was ich zuvor wie ein Dia gesehen habe", so Eichner. Von dieser Betrachtungsweise der Welt, der Natur und deren Verfremdungen ausgehend, ist es fr den Knstler Eichner, zudem mit einer ausgebildeten Opernsngerin - und Zahnrztin - verheiratet, ein nachvollziehbarer Schritt, Mozarts Opernfiguren knstlerisch, und zwar greifbar, begreifbar im eigentlichen Sinne des Wortes, darzustellen.Der Ansto dazu kam allerdings nicht von der Ehefrau, sondern von der zweijhrigen Tochter Anastasia, die ein auergewhnliches Interesse an dieser Oper und einem Bilderbuch dazu zeigte. 30 Skulpturen umfat der Zyklus, neben Papageno die vielgesichtige Vogelfrau Papagena, die Papageno zweifellos berlegen ist, seine Gedanken beherrscht - deshalb hat sie Eichner auf den Kopf von Papageno plaziert -, die ber die

 Reize der Versuchung und ber die Fruchtbarkeit verfgt, symbolisiert durch die Schlange und die bergroem Brste.

Eindrucksvoll auch der Knigskopf in Ton, verzerrt, leidend, Hilfe erwartend. Zentral behandelt Eichner dann die Beziehung Sarastro zur Knigin der Nacht. Er ist Priester und Mann, die Knigin wird von Rachegedanken wegen ihrer entfhrten Tochter beherrscht.Der Skulpturenzyklus stellt den Betrachter mehr Fragen als er beantwortet. Alle Aspekte des menschlichen Lebens, von der sexuellen Begierde bis zur ideellen Liebe, sogar der von Tamino verhinderte Selbstmord Paminas, sind in den Skulpturen thematisiert. Aber wie heit es ber Eichner in der Kunstwelt: Der Eichner stellt die Frage nach der Wirklichkeit. Der Zyklus wird vom 30. April bis zum 31. Mai 2004 als Ausstellung im Glaspavillon des Glasmuseum Rheinbach vorgestellt und wandert dann am besten natrlich dorthin, wo gerade W.A. Mozarts Zauberflte" auf dem Spielplan steht.      WTR

 DIENSTAG, 4. MAI 2004       General Anzeiger

Papageno trgt Papagena auf dem Kopf

AUSSTELLUNG Hellmuth Eichner zeigt im Hans-Schmitz-Haus

Skulpturen zur Zauberflte".

Die Serie entsteht durch die Mozart-Leidenschaft seiner zweijhrigen Tochter

 Von Birgit  Romller

 Eigenwillig: Hellmuth Eichner mit einigen seiner Skulpturen zu Mozarts Zauberflte". FOTO: VOLKER LANNERT

 RHEINBACH: - Im     Hans-Schmitz-Haus wird die tiefe Einsicht des Sophokles, Vielfltig aber gelangt die Wahrheit ins offene Anwesende des Erscheinens", zur zeit augenscheinlich: Der Knstler Hellmuth Eichner zeigt dort` - auf Einladung von Glasmuseums-Chefin Ruth Fabritius - seine Skulpturen zur Mozartoper, Die Zauberflte". Aus dem Kampf Papagenos und Taminos um einen Traum macht Eichner die Auseinandersetzung mit einem der wichtigsten Themen der Menschheit, der Liebe. Dass_ dieses Philosophieren in Ton, Terrakotta und Bronze nicht abgedroschen wirkt, ist die Strke Eichners, der - laut Text im Begleitbuch der Ausstellung - der erste seiner Zunft ist; der, den Opernstoff , in Plastiken umsetzt. Besonderer Aspekt: Die Begeisterung seiner Zweijhrigen Tochter Anastasia  steckt dahinter; da der anerkannte Knstler sich an dieses Thema so hineinkniete: Seine Tochter Anastasia bearbeitete den Vater mit der Geschichte der "Zauberflte". Er musste sie, so berichtet er, nicht nur tglich vorlesen, sondern auch auf CD anhren. Die Kleine hielt, bis zur. Pause, sogar den Besuch einer Auffhrung in der Bonner Oper durch. Unter dem Eindruck dieses "Dauerfeuers" begann der Knstler seine bildliche Interpretation der Zauberflte". Eichners Papageno ist ein genufreudiger Vogelfnger mit langer Nase, der seine Papagena auf dem Kopf trgt - sinnbildlich fr Versuchung und Fruchtbarkeit, die seine Gedanken beherrschen. Die Beziehung zwischen Monostatos und Pamina ist eine Hommage an den Eros. Sie zerfliet frmlich in seinen Hnden. Bis Monostatos weise geworden ist und wie ein androgyner Buddha seine Hnde ber die Liebe hlt, hlt sich Eichner mit seiner Skulpturengeschichte nur lose an die Vorlage. Die endet in einem Palast der Mondknigin, in der sich Sarastro, als alter Mann verkleidet, versteckt. Die Figur aus Terrakotta und Zement ist laut Eichner eine Hommage an seine Ehefrau Sabine, einer Zahnrztin und Sngerin: Sarastro trgt auf dessen Bitten die Goldplombe eines ihrer Patienten am Hals. Terrakotta ist ein empfindliches Material, berichtet der 57Jhrige Knstler: Die ersten Arbeiten zerfielen im Ofen in Staub." Das Werk sei nach viel Versuch und Irrtum entstanden, sagte denn auch Werner Gtzinger, Vorsitzender des Knstlergruppe Bonn, mehrdeutig in seiner Rede bei der gut bestfichten Vernissage, zu der die Fltistinnen Barbara Medick und Franziska Krumpen von der Musikschule Mozarts Dies Bildnis ist besonders schn" spielten. Das Hans-Schmitz-Haus mit seinem glsernen Raum lsst den eigenwilligen und ausdrucksstarken Figuren Eichners viel Platz zum Wirken, und da die Transparenz der Wnde fr einen wechselnden Hintergrund sorgt, strt- den Knstler nicht. Wirkliche Kunst, davon ist er berzeugt, behlt ihren Wert sogar auf einer Toilette. Die Oper der Skulpturen ist noch bis 'zum 31. Mai im Hans-Schmitz-Haus“, Zu den Fichten 19, zu sehen. Der Knstler sucht noch Hilfe bei der Aufsicht whrend der ffnungszeiten. Interessierte wenden sich an  0 22 26/80 9640. 

Tochter diente als Muse

Rheinbacher Glaspavillon stellt den Zyklus; “Die Zauberflte" von Hellmuth Eichner aus

RHEINBACH/

SWISTTAL.

 

Tamino verhindert den Selbstmord von Tamina" heit dieses Werk des Knstlers Hellmuth Eichner.

(Foto: Matthias Kehrein)

 

Schon jetzt hat ein kleines Mdchen einen Platz als Muse in der Kunst: die kleine Anastasia aus Buschhoven.Die Oper Die Zauberflte" von Wolfgang Amadeus Mozart hatte es der damals zweijhrigen Tochter der Sngerin und Zahnrztin Sabine Eichner und des Knstlers Hellmuth Eichner so angetan, da Vater Hellmuth fast tglich aus einem Buch vorlesen und die Musik von CDs abspielen musste. Im Herbst 2002 besuchte er sogar eine Inszenierung in der Bonner Oper gemeinsam mit seiner kleinen Tochter. 2003 dann war die knstlerische Auseinandersetzung des 57Jhrigen mit dem Opernthema die logische Konsequenz. Zu sehen ist das Ergebnis im auergewhnlichen Werkzyklus Die Zauberflte" in einer Ausstellung im Glaspavillon in Rheinbach, zu der Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius den seit 1967 als "Der Eichner" arbeitenden Knstler einlud. Skulpturen in den unterschiedlichen Materialien Ton, Terrakotta und Bronze hat Eichner geschaffen, in denen das zentrale Thema der Oper, die Liebe in allen Facetten, im Mittelpunkt steht. Aus Ton etwa schuf "Der Eichner" seinen Papageno als genufreudigen Vogelfnger mit langer Nase, der seine viergesichtige

Vogelfrau Papagena im wrtlichen Sinne "im Kopf hat" - er trgt sie auf dem Kopf. (sax)

 Der Eichner und die Zauberflte

 Gegenwrtige Ausstellung im Glaspavillon Hans-Schmitz-Haus"

 Hellmuth Eichner wurde bei der Erffnung der Ausstellung von seiner Ehefrau Sabine begleitet.                 

Rheinbach.Eine bunte Mischung aus Figuren, Kpfen, Gruppierungen und Szenen bevlkert derzeit den Glaspavillon

Hans-Schmitz-Haus". Die Exponate dokumentieren den Versuch des hauptschlich durch seine Grafiken und Bilder bekannten Swisttaler Knstlers Hellmuth Eichner - genannt Der Eichner sich auf eigene Art mit Mozarts Oper Die Zauberflte" auseinander zusetzen. Entsprechend der Honorabilitt des Knstlers war die Zusammensetzung der Gste anllich der Ausstellungserffnung. Brgermeister Stefan Raetz begrte dazu neben dem Eichner selbst und dessen Ehefrau Sabine die Landtagsabgeordnete und Mitinitiatorin der Ausstellung, Ilka Keller, Mitglieder des Rates der Stadt Rheinbach sowie Vertreter aus Nachbargemeinden der Glasstadt sowie Jrgen Land und Ludwig Kadermacher von der Kreissparkasse Kln, die die Ausstellung frdert; dazu Werner Gtzinger, den Vorsitzenden der Knstlergruppe Bonn sowie Mitarbeiter der Verwaltung. Die Stadt sei froh, so der Brgermeister, fr den Glaspavillon mit dem Eichnereinen vielseitigen Knstler gewonnen zu haben, der mit einem breiten Schaffen von weit ber 900 Werken in die ffentlichkeit getreten sei. Die Leiterin des Glasmuseums, Dr. Ruth Fabritius, richtete in ihrem Gruwort einen Blick auf den Werdegang der Mozartschen Zauberflte", die trotz ihrer inhaltlichen Zugaben von Liebe und Erotik bei ihrer Urauffhrung im Jahre 1791 ein Flop gewesen sei, nichts desto weniger heute zu den bedeutendsten Werken Mozarts gerechnet werde. Dabei lassen sich die Anfangsschwierigkeiten bei der. Aufnahme durch das Publikum durchaus verstehen, sind doch am Inhalt nicht weniger als drei Personen mehr oder minder direkt beteiligt: Wieland mit einem

romantischen Kunstmrchen, das Giesecke dramatisierte, und aus dem Schikaneder letztlich nach mehreren Umarbeitungen das Libretto zur Zauberflte" strickte. Erst Mozart gelang es in genialer Weise, die in der Handlung verwobenen unterschiedlichen Welten und die diversen Bearbeitungen musikalisch unter einen Hut" zu bringen. Werner Gtzinger gelang eine verstndnisvolle und verstndliche- Einfhrung in den Zyklus des 1946 in Schnenberg geborenen Eichners, der neben Prof. Karl Marx und Prof. Kadow von den Klner Werkschulen auch Josef Beuys und Rolf Sackenheim als seine Lehrer bezeichnen kann. Fr die sehr passende weil zauberfltige - musikalische Umrahmung sorgten Barbara Medick, Lehrerin, und Franziska Krumpen, Schlerin der hiesigen Musikschule. Das Duo spielte hbsche Arrangements bekannter Zauberfltenmelodien fr zwei Querflten. Es ist sinnvoll, ein wenig Kenntnis der Zauberflte" mit zum Glaspavillon zu bringen, um das Werk des Eichners entsprechend wrdigen zu knnen. Zumindest die Namen der Personen und ihre Funktion innerhalb des Geschehens sollte gedanklich griffbereit sein, um die Interpretationsanstze deuten zu knnen, die den Exponaten aus Ton, Terrakotta, Zement und Bronze innewohnen. Auch eine Bercksichtigung der knstlerisch-gedanklichen Herkunft des Eichners ist sinnvoll, weil sie den Weg der Interpretationen entscheidend mit prgt. Denn die Vorbilder" seiner Umsetzung findet der Eichner in aktuellen Inszenierungen der Oper, die freilich alle noch nach dem seit rund dreieinhalb Jahrzehnten favorisierten Prinzip des Regietheaters erstellt worden sein drften. Herauszufinden in wie weit damit die eigenen Vorstellungen harmonisieren, bleibt freilich jedem Betrachter

selbst berlassen. Vielleicht ist es auch nicht ganz uninteressant zu wissen, da der gedankliche Ursprung des im vorigen Jahr entstandenen Zyklus zurckreicht in das Jahr 2002, in welchem dem Knstler das ungewhnliche Interesse seiner damals zweijhrigen Tochter Anastasia an der Zauberflte" auffiel. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Mai zu sehen und lohnt auch einen mehrmaligen Weg zum Glaspavillon, nicht zuletzt der differenzierten natrlichen und knstlichen Lichtverhltnisse halber, die den Exponaten zustzliche Vielfltigkeit verleihen.        -THB-

 (Wir Swisttaler vom 12.5.04)

 Text von Sabine Sander

Der Eichner und die Zauberflte

Ein Figurenzyklus des Swisttaler Knstlers ist im Glaspavillon in Rheinbach zu sehen

Rheinbach/5wisttal. Es ist ein amsanter Gedanke sich vorstellen, der Herr Mozart kme am Glaspavillon in Rheinbach vorbei und she dort die Figuren seiner Zauberflte in Ton, Terrakotta und Bronze, dazu ein wenig Zement und auch Plexiglas. Wrden ihm die Figuren und Darstellungen gefallen, wre er emprt? Die Frage mu natrlich offen bleiben, der heutige Betrachter, insbesondere wenn er die Oper kennt und mit den Figuren etwas anfangen" kann, ist sicher freier in seiner Betrachtungsweise. Er wird aber mit Sicherheit erstaunt sein, in welch vielfltiger Art der Knstler sich die Figuren und deren Charaktere vorstellt und welche Figuren Konstellationen er sieht.Der Eichner mit Palast der Knigin"    Papagena thront auf dem Kopf von Papageno Das zentrale Thema der Oper, die Liebe in all ihren Facetten und emotionalen Ausrichtungen, den Gefhrdungen und Bewhrungen, werden von den Figuren versinnbildlicht und widergespiegelt. Da ist Papageno, der genufreudige Vogelmensch, dessen Gedanken von Papagena beherrscht werden, und diese Verkettung" wird geradezu verblffend einfach dargestellt, indem Papagena buchstblich auf dem

Kopf von Papageno thront". Papagena ist die Versuchung schlechthin, die groen Brste symbolisieren frmlich Eros und Fruchtbarkeit. Oder die Liebe zwischen Tamino und Pamina, den Liebesleid geprften. Die wichtigste Figurenkonstellation bei Eichner ist die zwischen Paminas Eltern, der Knigin der Nacht und Sarastro. Letzteren stellt er als androgynen Priester dar, ausgestattet mit der Macht des Phallus und der Schlange. Beeindruckend ist auch der Palast der Knigin, der fast tempelartig sich erhebt. Da die Figuren auch passend bemalt sind ist eine Selbstverstndlichkeit, ist doch Der Eichner" in erster Linie ein Maler. Hellmuth Eichner, geboren 1946 in Schnenberg, wurde schon von seinen Mitschlern auf dem Gymnasium Der Eichner" genannt, seitdem ist dieser Knstlername sein Markenzeichen. Von 1967 bis 1970 studierte er an den Klner Werkkunstschulen bei Prof. Karl Marx und Prof. Kadow, anschlieend an der Kunstakademie in Dsseldorf bei Josef Beuys. 1976 war er Meisterschler bei Prof. Rolf Sackenheim. Seine Bilder zeigen oft Trume von Menschen, dargestellt in figurativen Konstellationen, die menschliches Verhalten widerspiegeln. Insoweit ist Eichner sich durchaus treu geblieben, auch wenn er die Materialien gewechselt hat. Der Ansto zu diesem Figurenzyklus war aber nicht der innere Ruf des Knstlers, es war im Jahre 2002 seine damals zweijhrige Tochter Anastasia, die sich immer wieder Mozarts Musik anhrte. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Mai im Glaspavillon zwischen Glasfachschule und Stadthalle zu sehen.   WT

 Orakel“

General Anzeiger

 Haus an der Redoute. Auf dem Papier ist

Ludwig von Winterfeld Millionr. Das jedenfalls ist die Bilanz

von persnlich adressierten Postwurfsendungen, die der Knstler versammelt. Einen hnlich ironischen Kommentar zur aktuellen Thematik der Knstlergruppe Bonn hat Werner Gtzinger in petto. "Orakel-Lge" und "Analystin" sind Teile eines einprgsamen Kaleidoskops, das das Stichwort "Orakel" reflektiert. Frische Impulse berbieten themenfernere Gedankengnge (Hellmuth Eichner, Manfred Weil. Ilsetraut Glock zeigt unheilkndende "Vampireulen". Spannungstrchtig sind gleichermaen metaphorische Szenarien (Liesel Schubert, Geza Damosy) sowie unwirkliche Stimmungsbilder (Hildegard Pfennigsdorf. Eindringlich beschwrt Bildhauerin Mareile Schaumburg das Ambiente archaischer Kultsttten herauf: Aus diffus figurativen Erddnsten steigen zu Scheiterhaufen erstarrte Buchstaben empor. In ambivalenter Zeichensprache entfesselt das Tafelwerk von Elsbeth Tatarczyk-Welte hintergrndige Welten von Magie, Ritual, Spuk und Aberglaube. Auf der gleichen Linie bewegen sich die Menetekel von Eva Hneborn, fragmentarische Konturen von Karin Neusel und Georg Wittwers symbolische Ziffern. Architekturdarstellungen von Dirk Engelken und Ursula Pusch-Wennrich schlieen sich an. Unter den bersetzungen des antiken Sibyllenmythos fallen die Bltter eines Dirk Otto ins Auge. Ein poetisch angehauchtes Windspiel von Volker Pflaumann setzt auf die subjektiven Spielrume von Orakeln.

Haus an der Redoute, Kurfrstenallee 1a, bis 11. Juli. Dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

Kunstvolle Orakel-Befragung

Gruppenausstellung im Godesberger Haus an der Redoute

von HEIDRUN WIRTH

 Im Haus an der Redoute befragen die Mitglieder der Knstlergruppe Bonn das Orakel.

 Foto: Wirth

 BAD GODESBERG. Es orakelt. gewaltig im Haus an der Redoute. Unter dem geheimnisvollen Titel Orakel" haben 25

 Knstler und Knstlerinnen der Bonner Knstlergruppe ihre Stbe geworfen. Von Odins Raben (Lisel Schubert, Dirk Engelken) bis zu chinesischen Formeln (Sibylle Petersen) ber den glutvollen Augen der Wahrsagerin (Werner Gtzinger) und zur Kartenlegerin von Manfred Weil wurde in den verschiedensten Kulturen angeklopft. Und man sieht, global sind selbst die Orakel von gyptischen Reminiszenzen bei Doris Distelmeier- Haas bis zu den Baumrunen bei Mareile Schaumburg und Georg Wittwer oder erhabener Klassik in den Zeichnungen der Kassandra bei Dirk Otto. Kndet dem Knig, das schn gefgte Haus ist gefallen. Phoibos Apollon besetzt keine Zukunft mehr, der heilige Lorbeer verwelkt, seine Quellen schweigen fr immer", so wird um 362 n. Chr. der Untergang der antiken Orakelkultur besungen, eine neue (christliche) orakelfreie Zeit zieht herauf. Doch aus und vorbei ist es deshalb noch lange nicht, wie man mehr noch als an den poppig hlichen Zauberflte-Illustrationen aus Ton, Zement und Bronze vom Eichner und an einer groen Collage von Ludwig von Winterfeld sieht, der die so persnlich gehaltenen Lotterie-Mitteilungen suberlich gesammelt hat: verbindliche Gewinnzusage: Scheck ber 20 000 Euro" liest sich in bunter Reihe. Zu schn um wahr zu sein. Listiger ist da die Eule in der expressionistischen Landschaft von Ilsetraut Glock, geheimnisvoller das mobileartige Auspendeln in Licht und Schatten im schn eingerichteten kleinen Kabinett von Volker Pflaumann und berzeugender sind all jene, die uns wieder auf den Boden der Kunst zurckholen wie Wolfgang Ulbrich mit noblem Rot in den konstruktiven Rauten, Ursula Pusch-Wennrich, deren Bgen licht und sanft in einen unbestimmten Raum ausschwingen oder die vom Unbewuten inspirierte Godela Habel mit zwei eindrucksvollen neuen Blttern- Ein Orakel in sich ist der Surrealismus an sich, der dem Traum so nahe kommt, wie an einer weien Rose auf tiefblauem Wasser bei Hildegard Pfennigsdorf-Frettlh zu sehen. Und doch mag jeder Traum, auch der vom Menschen, prophetisch sein wie in den blau unterkhlten Akten bei Robert Leiste oder in dem Tagebuch, das Elsbeth Tatarczyk-Welte in einer kraftvollen Reihe kleiner Formate ihrem Vater gewidmet hat. Dunkel aber bleibt die Zukunft fr Geza Damosy, versperrt in den schwarzen Toren feinstrichiger Stadtveduten in Kroatien. So kann nun in dem Spektrum jede(r) persnlichen Prferenz an Stil und Einstellung zum Orakel folgen. Bis 11. Juli; am Freitag, 2.Juli, findet um 19.30 Uhr eine begleitende Lesung mit dem Bonner Sinologen Professor Wolfgang Kubin statt.

Prof. Dr. Heijo Klein
35 Jahre "Turm-Galerie - Wegbegleitungen" 26.6.2004

MDH. Wenn heute im Gesprch oder in den Medien das Wort "Kunst" fllt, dann denkt man an spektakulre Dinge des Kunstbetriebs, an Auktionen bei Sotheby's in New York, wo fr x-Millionen Gemlde ersteigert werden, an Museumsbauten mit Eventcharakter oder an marktgngige Knstler mit sensationellen Produkten oder Skandalen. Gewi war die Fettecke ebenso wie die gemalten Kopfstnde brillante Marktideen (natrlich mit entsprechenden interpretativen Gebrauchsanweisungen der Zunft) und der Prsenz mglichst in allen renommierten Sammlungen. Aber das ist nur die eine Seite der Kunst, die des ffentlichen Kunstbetriebs. Die andere jedoch ist die private, sie betrifft das Leben mit Kunst. Nicht die gleichen Knstlernamen von Hamburg bis Wien und darber hinaus, sondern diejenige Kunst, zu der man ein ganz persnliches Verhltnis hat. Das Bild, das einen Platz hat in meiner Privatsphre, in meinem Wohnbereich, das Bild - oder Bildwerk - das ich tglich sehe, mal auch nur flchtig wahrnehme, dann aber mit ihm in einen stillen Dialog trete. Das Bild als Teil meiner privaten Umwelt - das ist "Leben mit Kunst", und dies ist die andere Seite oder Ebene gegenber der ffentlichen. Natrlich gibt es wie immer so auch hier Zwischenstufen - etwa die einer erweiterten Wahrnehmung, der Sammlung, die ber die unmittelbaren Wohnbereich hinaus geht, die Kunst am Arbeitsplatz usw. Nun sind wir heute hier, um mit Bodo Schroeder den 35. Geburtstag seiner Galerie zu feiern - das ist immerhin der Zeitraum einer Generation, und zu den vielfltigen Geschehnissen, den Personen, den Knstlern haben wir von meinen Vorrednern gehrt. Ich mchte dem noch einige Worte zu den hier ausgestellten Werken hinzufgen. Bodo Schroeder hat in der Einladung mit 35 Bildern die Stationen dieser Jahre bezeichnet, und er hat dies - wie Sie gesehen haben - in der Abfolge nach Jahren chronologisch angeordnet, jeweils bezogen auf die erste Ausstellung des Knstlers in der Galerie Der Turm. Dieses schne Dokument haben wir also in Hnden und schauen uns nun die dort abgebildeten Werke an. Auch die Prsentation hier in der Galerie entspricht diesem Konzept, allerdings um viele Arbeiten erweitert und bezogen auf die Rumlichkeiten der Turmgalerie. So beginnt unser Rundgang gleich an der Tr mit einem Aquarell des "Windmhlenturms in Villip", wo Bodo Schroeder mit seiner ungewhnlichen Galerie begann. Das weckt Erinnerungen an die ungezwungen-rustikale Atmosphre jener Jahre in der jungen Bundeshauptstadt. Herbert Bhler hat diese Atmosphre in traditionellen Formen angesprochen, daneben aber seine fast surreale Tuschzeichnung ("Schmuddelkinder") und seine witzige "Variation zu Gabrielle d'Estree im Bad". Aparte Farbradierungen von Willi Kismer ("Drei Seiden", "Rckansicht in drei Tchern") folgen mit delikater und geradezu haitischer Auffassung textiler Stofflichkeit. Jo Hackbarth setzt auf dem Treppenabsatz einen Haltepunkt mit seiner ebenso khlen wie poetischen Auffassung des Stillebens von Gewesenem: "Alte Flaschen" untertreibend bezeichnet. Und oben dann die beiden Bonnerinnen Anna Leutz-Hbbe mit ihrer raffinierten Kombinationstechnik der Siebdruck-Unikate, mit Motiven wie "Arles" und "Indischer Drachenbaum" - und die andere bekannte Bonnerin Helene Moch mit ihren lebhaften Tierbildern "Hahn" und: "Affe im Klner Zoo" (ein Schelm, wer Bses dabei denkt!).Setzen wir nun unseren Weg fort wieder vom Eingang her, so begegnen hier die kleinformatigen Arbeiten von Hagen Haltern, die als Digi-Print die mit Verfahren von Zeichnen, Scannen und Computerbearbeitung neue bildnerische Mglichkeiten einbeziehen und zugleich in ihrem Braunton an die Klassiker der Lichtbildnerei, wie Julia Cameron denken ("Mother and Child") oder die Marmoraderungen der "Pieta dura" variieren. Hellmuth Eichner ("Der Eichner") bildet dann die Nahtstelle zum Garten hin und zugleich den Blickpunkt des Ganges. Fr sein Kombinationsverfahren von seriellem Druck und unikater manueller malerisch-zeichnerischer Bearbeitung steht das Blatt "Agnes", fr seine groformatigen Gemlde das spannungsreiche Stilleben "Miazina" als prhistorische Projektion elektrischer Energie in eine nicht betretbare Vergangenheit. Eine Projektion des Musealen zeigt Angela Rderscheidt mit ihrer "Museumsinsel", die dies wrtlich nimmt: die Bilder dicht gelagert auf einem Pfahlbau ber dem Wasser, dazu kleine lbilder wie "Spiel des Lebens" oder ironisch. "Heile Welt". Im Kaminsaal wird der Kamin flankiert von den Bildern Makarenkos und Carmen Stahlschmidt. Ihre groformatigen Wachskreidezeichnungen der Politiker-Portrts ziehen hier gleich die Blicke auf sich und gewinnen durch ihre Titel amsante Akzente: "Fnf Kohlmeisen" - die massige Gestalt des Bundeskanzlers Helmut Kohl, und "Figur auf Frosch": der Landesvater des benachbarten Bundeslandes von der anderen Partei, Beck. Auf der anderen Seite des Kamins kommt der beliebte Volodymyr Makarenko mit seiner phantastischtrumerischen Welt zu Wort: "Justitia et St. George", wobei dieser ihr das Schwert reicht - in eigentmlicher Verschmelzung von Ikonographie und surrealer Auffassung, oder die zarte Weiblichkeit mit "Femme et Arc", der "Venezianerin" und der "Scne Galante".Ein Gegengewicht bilden die harten Realismen der lbilder von Heike Feddern auf der anderen Seite: das sich freizgig, wenn auch von ihrer Rckseite zeigende "Rotkppchen" als spttische Vulgarisierung des bekannten Velasquez-Bildes, oder gar der bekrnte "Mops". Doch auch die zartere Sprache wird vernommen mit den Farbradierungen von Jutta Votteler, so das breite Querformat ihres "Seerosenteichs", auch dies ein berhmtes Thema variierend oder der subtile "Mohnbesuch" und die "Trumenden Blten". Elke Wassmann erinnert an "Schtze der Kindheit", ein schemenhaftes Haus wie ber dem Wasser mit den Fundstcken der Muscheln. Die Plastik, die stets auch ein besonderes Anliegen der Turmgalerie war, wird hier nun eingeleitet mit Kleinplastiken von Fritz Lindenthal. Sein witziger "Flughund" ist wie die lebende Abart der Fledermaus
aufgehngt, "Hngeplastik" also in wrtlichem Sinn. Seine "Aufbrechende Form" bezeichnet den anderen, eher abstrakten Bereich des Lebendigen. Die groe "Liegende" von Tarasow, ein polierter Betonguss fasziniert durch seine torsohafte, parzellierende Gestaltung wie auch durch seine Prsentation am Boden. Die Skulptur wird hier im groen Saal vertreten durch Jrg Engelmann. Seine zusammengekauert "Hockende" bildet gewissermaen ein Gegenstck zu der eben genannten Liegenden von Tarsow: Engelmanns Skulptur besticht durch die groen weichen Formen der weiten bogigen Formen, ihrer der Krperlichkeit nahen Farbgebung und der haptischen Qualitten der Oberflche. Seine Kleinplastik "Geflster" in dunkelgrnem Diabas entspricht der verbundenen Zweiheit der Krper wie der abstrahierenden Form.
Einen bergang zum flchigen Bild stehen die kleinen Metallbilder von Gertrude Reum als Messing- und Aluminiumreliefs. Die Metallplatte wird geschliffen und graviert, Farbe partiell aufgesprht, damit Materialbilder ganz eigener Wirkung bis hinzu tiefenrumlichen Visionen erzeugt. Die Stirnwand dieses Raums aber wird wesentlich beherrscht von den farbleuchtenden Landschaften von Michel Rougi, der zu den jngsten Entdeckungen in der Turmgalerie gehrt. Seine Bilder stehen in dieser Jubilumsausstellung zugleich fr das groe Thema der Landschaft, und Rougie sieht sie in ihrer intensiven Farbigkeit, den wie in Schichten sich aufbauenden Blumenwiesen, den Feldern, Busch- und Waldzonen, die sich wie in "Premier Saison" oder in "Les Pins Parasol" in weiten Diagonalzgen in die Ferne erstrecken.
In Nahsicht wendet sich hingegen Dieter Framke der Natur zu: visionre Bilder von Pflanzen und Tieren, Bltter, die wie aus dem Nebel auftauchen und aus denen sich dann ein Vogel oder eine Muschel herausbildet, Zeit und Zeitloses ansprechend. Renee Lubarow lsst in ihren Farbradierungen Pflanzliches aus einem Zentrum aufbrechen und dazu die nicht mehr seiende Pflanze im Bild ihres Abdrucks erhlt oder auch als bizarre Lebewesen aus Ruinen auftauchen.
Leonardo Camatta fat das Vergngliche in seinen "Zyklus der Tuchbilder": Leinwandstcke, gerissen, ausgeschnitten,
wie Reste alter Wandmalerei sind mit prhistorischen Zeichen versehen, mit Grafitti von Namen und Daten, so "Das kleine Museum". Auf die nhere Vergangenheit bezieht Valentin Reimann seine hart realistischen lbilder: "Vergangene Zeit" - mit den nostalgischen Alltagsgerten von Kaffeemhle und Kerzenleuchte bezeichnet, aber auch mit den Mglichkeiten des Stillebens etwa "Drei pfel und Feuerzeug" oder "Apfelschale, Pokal", trotz nchterner Darstellung das Raffinement der verzerrten Spiegelung und damit ein weiterer Aspekt des Bildes der Dinge. Realismus, Nhe zur Fotografie und Dokumentation zeigt sich auch in den Arbeiten von Erhard Lblein, etwa im gegenber der Bilder der Afrikanerin und der Indoneserin mit dem jeweils auf Gesichtstyp und Haut abgestimmten Malweise. Die Nhe zur Plastik zeigt sich bei ihm auch in der konstruktiven Arbeit des durch ihre Arme und Hnde miteinander verklammerten Paares wie in dem lapislazulifarbenen Helm. Tritt man aus dem Raum, so geht der Blick in den Garten mit den hier prsentierten Skulpturen. Eine unmittelbare Verbindung zwischen drinnen und drauen bietet Michael Odenwaellers Arbeiten: dort seine drehbare Groplastik, hier seine gleichfalls drehbare Kleinplastik "Hahn" und "Re" beide aus Messingplatten, dagegen die Rundplastik "Sphera" ein liegender Akt stereometrisch aufgefat, aus Kugeln aufgebaut, das "Paar unter Schirm" hingegen aus Kegelschnitten und hexagonaler Schale.Die hier ausgestellten Farbradierungen von Degenhard und May thematisieren das Elementare: Gnter May sieht das Element "Erde" wie durch ein Portal den Blick auf Erdkrusten, die durch Beben und Blitz voneinander abgesprengt werden. In "Feuer" aber auch die Verbindung von Elementarem und der Gesetzmigkeit von Ma und Zahl, von Physik und Technik. Annemarie Degenhart sieht das Element des Wassers eher poetisch als "Weiher" mit dem Wachstum der Pflanzen, dem Schilf und der Ferne. Ihre "Sonnenblumen" jedoch wirken wie von Feuer, leuchtend ber den Abreibungen von Versteinertem. So bleiben die kleinen lbilder von Ognian Zekoff wie als archologische Sammlungen von Erinnerungen einzelner Motive, in einem Rahmenwerk festgehalten als "Chronik". Oder aber von Olaf Gropps Radierungen in humoristischer Kombination teils bekannter Bildmotive: "Klassisches Fragment", die "Eule aus Athen", "Lieber die Taube auf dem Dach", aber auch "Der Urschrei" mit dem rhrenden Hirsch - womit wir wieder zum Nachdenken auf die unbeantwortbare Frage kommen, wie denn Kunst beschaffen wre - mit diesem Spektrum der Mglichkeiten, wie sie in dieser so vielseitigen und anregenden Schau sich darbieten.Es bleibt aber auch die Frage nach den Knstlern, ber die ich hier nicht gesprochen habe, aber von denen mehrere hier unter uns sind und zum Gesprch bereit. Nicht mehr fragen knnen wir andere, so Reimund Bll oder Joe Hackbarth, dessen Ausstellung im Turm ich seinerzeit erffnen durfte. Hans Schrers erlebte die Turmgalerie nicht mehr. Der Nachlas dieses vorzglichen Dsseldorfer Expressionisten wird von der Turmgalerie verwaltet. Mit seinem "Liegenden Akt", den Landschaften, die in ihrer Tonigkeit langsam den Tiefenraum erschlieen, ist dieser Knstler prsent, aber auch im Selbstportrt auf der Staffelei, von wo aus uns der Knstler kritisch anschaut - und mit diesem unserem Gegenber des Knstlerbildes sind wir auch selbst angesprochen und gefragt.So bleibt mir, Ihnen, lieber Bodo Schroeder alles Gute fr das weitere Gedeihen Ihrer Galerie zu wnschen. Wir alle danken Ihnen fr diese schne Jubilumsausstellung, und Ihnen MDH danke ich frs Zuhren.

General Anzeiger

 Tochter diente als Muse

Rheinbacher Glaspavillon stellt den Zyklus; “Die Zauberflte" von Hellmuth Eichner aus

RHEINBACH/SWISTTAL.

 Tamino verhindert den Selbstmord von Tamina" heit dieses Werk des Knstlers Hellmuth Eichner.

(Foto: Matthias Kehrein)

 Schon jetzt hat ein kleines Mdchen einen Platz als Muse in der Kunst: die kleine Anastasia aus Buschhoven.

 Die Oper Die Zauberflte" von Wolfgang Amadeus Mozart hatte es der damals zweijhrigen Tochter der Sngerin und Zahnrztin Sabine Eichner und des Knstlers Hellmuth Eichner so angetan, da Vater Hellmuth fast tglich aus einem Buch vorlesen und die Musik von CDs abspielen musste. Im Herbst 2002 besuchte er sogar eine Inszenierung in der Bonner Oper gemeinsam mit seiner kleinen Tochter. 2003 dann war die knstlerische Auseinandersetzung des 57Jhrigen mit dem Opernthema die logische Konsequenz. Zu sehen ist das Ergebnis im auergewhnlichen Werkzyklus "Die Zauberflte" in einer Ausstellung im Glaspavillon in Rheinbach, zu der Museumsleiterin Dr. Ruth Fabritius den seit 1967 als "Der Eichner "arbeitenden Knstler einlud. Skulpturen in den unterschiedlichen Materialien Ton, Terrakotta und Bronze hat Eichner geschaffen, in denen das zentrale Thema der Oper, die Liebe in allen Facetten, im Mittelpunkt steht. Aus Ton etwa schuf "Der Eichner " seinen Papageno als genufreudigen Vogelfnger mit langer Nase, der seine viergesichtige Vogelfrau Papagena im wrtlichen Sinne "im Kopf hat " - er trgt sie auf dem Kopf. (sax)

 Der Eichner und die Zauberflte

 Gegenwrtige Ausstellung im Glaspavillon Hans-Schmitz-Haus"

 Rheinbach. Eine bunte Mischung aus Figuren, Kpfen, Gruppierungen und Szenen bevlkert derzeit den Glaspavillon Hans-Schmitz-Haus". Die Exponate dokumentieren den Versuch des hauptschlich durch seine Grafiken und Bilder bekannten Swisttaler Knstlers Hellmuth Eichner - genannt "Der Eichner" sich auf eigene Art mit Mozarts Oper Die Zauberflte" auseinander zusetzen. Entsprechend der Honorabilitt des Knstlers war die Zusammensetzung der Gste anllich der Ausstellungserffnung. Brgermeister Stefan Raetz begrte dazu neben dem Eichner selbst und dessen Ehefrau Sabine die Landtagsabgeordnete und Mitinitiatorin der Ausstellung, Ilka Keller, Mitglieder des Rates der Stadt Rheinbach sowie Vertreter aus Nachbargemeinden der Glasstadt sowie Jrgen Land und Ludwig Kadermacher von der Kreissparkasse Kln, die die Ausstellung frdert; dazu Werner Gtzinger, den Vorsitzenden der Knstlergruppe Bonn sowie Mitarbeiter der Verwaltung. Die Stadt sei froh, so der Brgermeister, fr den Glaspavillon mit dem Eichner einen vielseitigen Knstler gewonnen zu haben, der mit einem breiten Schaffen von weit ber 900 Werken in die ffentlichkeit getreten sei. Die Leiterin des Glasmuseums, Dr. Ruth Fabritius, richtete in ihrem Gruwort einen Blick auf den Werdegang der Mozartschen Zauberflte", die trotz ihrer inhaltlichen Zugaben von Liebe und Erotik bei ihrer Urauffhrung im Jahre 1791 ein Flop gewesen sei, nichts desto weniger heute zu den bedeutendsten Werken Mozarts gerechnet werde. Dabei lassen sich die Anfangsschwierigkeiten bei der. Aufnahme durch das Publikum durchaus verstehen, sind doch am Inhalt nicht weniger als drei Personen mehr oder minder direkt beteiligt: Wieland mit einem romantischen Kunstmrchen, das Giesecke dramatisierte, und aus dem Schikaneder letztlich nach mehreren Umarbeitungen das Libretto zur Zauberflte" strickte. Erst Mozart gelang es in genialer Weise, die in der Handlung verwobenen unterschiedlichen Welten und die diversen Bearbeitungen musikalisch unter einen Hut" zu bringen. Werner Gtzinger gelang eine verstndnisvolle und verstndliche- Einfhrung in den Zyklus des 1946 in Schnenberg geborenen Eichners, der neben Prof. Karl Marx und Prof. Kadow von den Klner Werkschulen auch Josef Beuys und Rolf Sackenheim als seine Lehrer bezeichnen kann. Fr die sehr passende weil zauberfltige - musikalische Umrahmung sorgten Barbara Medick, Lehrerin, und Franziska Krumpen, Schlerin der hiesigen Musikschule. Das Duo spielte hbsche Arrangements bekannter Zauberfltenmelodien fr zwei Querflten. Es ist sinnvoll, ein wenig Kenntnis der Zauberflte" mit zum Glaspavillon zu bringen, um das Werk des Eichners entsprechend wrdigen zu knnen. Zumindest die Namen der Personen und ihre Funktion innerhalb des Geschehens sollte gedanklich griffbereit sein, um die Interpretationsanstze deuten zu knnen, die den Exponaten aus Ton, Terrakotta, Zement und Bronze innewohnen. Auch eine Bercksichtigung der knstlerisch-gedanklichen Herkunft des Eichners ist sinnvoll, weil sie den Weg der Interpretationen entscheidend mit prgt. Denn die Vorbilder" seiner Umsetzung findet der Eichner in aktuellen Inszenierungen der Oper, die freilich alle noch nach dem seit rund dreieinhalb Jahrzehnten favorisierten Prinzip des Regietheaters erstellt worden sein drften. Herauszufinden in wie weit damit die eigenen Vorstellungen harmonisieren, bleibt freilich jedem Betrachter selbst berlassen. Vielleicht ist es auch nicht ganz uninteressant zu wissen, da der gedankliche Ursprung des im vorigen Jahr entstandenen Zyklus zurckreicht in das Jahr 2002, in welchem dem Knstler das ungewhnliche Interesse seiner damals zweijhrigen Tochter Anastasia an der Zauberflte" auffiel. Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Mai zu sehen und lohnt auch einen mehrmaligen Weg zum Glaspavillon, nicht zuletzt der differenzierten natrlichen und knstlichen Lichtverhltnisse halber, die den Exponaten zustzliche Vielfltigkeit verleihen.        -THB-

 (Wir Swisttaler vom 12.5.04)