Kritiken 1981-1990:

1981 NRZ

Groe Dsseldorfer Kunstausstellung

Zur Gruppe der Realisten gehren Lothar Skodowski mit meisterlichen Bleistiftzeichnungen und Hellmuth Eichner , der zwei Handwerker beim Hausbau malte , wie sie die Wnde vor dem Anstrich mit wsten Zeichen Vollpinseln , " Zwischendurch " , steht darunter , "sind sie Knstler !"

1981

Mosaik W D R II am 6 . 10 . 1981

Interview mit Eichner in der Galerie Wasserwerk , Galerie Lange , Siegburg

1981

" Der Eichner - Zwischenbilanz "

Text von Wolf Weipert ,

Katalog

Als der 19 - jhrige Maler Hellmuth Eichner 1966 mit der ersten Ausstellung an die ffentlichkeit trat , schien ihm der Erfolg zuzufallen :

Drei Ausstellungen im ersten Jahre wurden gekrnt von der groen Prsentation " Traum und Wirklichkeit " , in der Galerie Gmurzynska in Kln . Im Katalog dieser Ausstellung finden wir den Namen des jungen Malers neben Knstlern wie Hans Bellmer , Dali , Max Ernst , Rene Magritte und Franz Radziwill . Seitdem sind 15 Jahre vergangen . Hellmuth Eichner - als " Der Eichner " bekannt geworden , gehrt heute zu den exponiertesten Vertretern der Realismus - Szene in der B R D . Zentraler Punkt in seinem Oeuvre , das die Bereiche Malerei , Grafik , Objektkunst und Kunst am Bau umfasst , sind seine 150 groen Gemlde , von denen sich kaum noch eins in seinem eigenem eigenen Besitz befindet . Seine Werke finden wir heute nicht nur in zahlreichen privaten Sammlungen des In - und Auslandes , sondern zu einem groen Teil auch in ffentlicher Hand : Neben Bundesministerien , dem Deutschen Bundestag und der Landesversicherungsanstalt in Dsseldorf gab es Ankufe der Stdte Gttingen , St. Augustin und Rsselsheim . Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung wie eine " Bilderbuchkarriere " , doch blickt man hinter die Kulissen , dann wird schnell deutlich , dass Eichners knstlerischer Werdegang ein permanenter Kampf mit etablierten Gruppen war , die Knstler selbst als " Kunstmaffia " bezeichnet . Dazu fhrte nicht nur der Nonkonformismus des jungen Malers , sondern vor allem seine neofigurative Stilentwicklung .Kaum eine Stilrichtung der Nachkriegskunst hatte sich mit derartig massiver Kritik auseinanderzusetzen wie die der neuen Realisten . Eichner , der 1967 - ein Jahr nach seinen ersten Erfolgen - bei den Professoren Kadow , Marx und Will an der Fachhochschule Kln ein Studium aufnahm , erfuhr diese Kritik bald hautnah : Seine Versuche , eine Formensprache zu entwickeln , die sich ber optische Sensationen hinaus zur Durchdringung und Visualisierung gesellschaftlicher Probleme eignet , wurden von Kommilitonen und Lehrern gleichermaen angegriffen.

Eichner hatte das Pech , seiner Zeit um einige Jahre voraus zu sein. Die Mitte der sechziger Jahre war noch stark gekennzeichnet von der " signifiance de l’informell " ( Tapie’)- der Fixierung auf eine gegenstandslose Kunst , die durch frei erfundene Zeichen und Strukturrhythmisierung von Dada und der aufkommenden Pop Art der Neorealismus an Bedeutung gewann , wirkte sich die Verabsolutierung der abstrakten Malerei in der B R D in einem fatalen innovationszwang aus . Das fhrte bei dem jungen Knstler jedoch nicht zu Resignation und Anpassung , sondern dank der Untersttzung durch Sammler und Freunde , sowie einiger bekannter Kunstkritiker wie Dr. Horst Richter oder Dr. Hassel zu prziseren und weniger missverstndlichen Aussagen . Fr Eichner war es in dieser Zeit z. B. eine groe Hilfe , dass eine namhafte Kunstzeitschrift wie die " WELTKUNST " sich auf seine Seit schlug , die Aktionen seiner Gegner " kleinkarierten Protest " nannte und ihm Mut machte :" Eichner wehrt das Triviale ab , indem er es Dekuvriert . Man wird noch von ihm hren " . Als der Knstler der Klner Fachhochschule enttuscht den Rcken kehrte , schrieb Dr. Horst Richter :" Der Auszug aus dem Klner Lehrinstitut , dass sich nchstens " Akademie der bildenden Knste " nennen zu hofft , geschah freilich vorzeitig und keineswegs freiwillig . Denn Eichner , als Sohn der neofigurativen Phase in der Malerei dinglichen Motiven zugeneigt , hat nicht nur Menschen seiner Zeit festgehalten , sie malerisch umschrieben , portrtiert und in neuen psychologischen Kontext gebracht , sondern er rief auch berliefertes herbei, Formen und Formationen , vor allem Themen aus dem neuen Testament . Und da wiederum lie er es nicht mit der kanonischen Ordnung der Figuren und Vorgnge bewenden . Vielmehr " schlug " er einen nackten , weiblichen Krper ans Kreuz : Eine Gestalt unserer Gegenwart , eng verbunden dem physischen Empfinden wie den geschlechtlichen Erregungen der Zeit , aber doch weit hinausgehoben ber die fleischlichen Platitden der Sexmodelle , wie wir sie von Filmplakaten und Illustrierten her kennen . Eichner - das leuchtet rasch ein - zielte mit seiner emanzipatorischen Geste nicht auf Blasphemie , sondern auf Versinnbildlichung mit Hilfe des vorgeprgten Symbolgehalts , auf eine verallgemeinernde Bedeutsamkeit angesichts des sich skularisierenden Christentums " .Blieb in den frhen Eichnerbildern die Aussage oft noch diffus und interpretierbar , so stellen wir in seiner stilistischen und inhaltlichen Entwicklung um 1969 eine deutliche Vernderung , wenn nicht sogar einen grundstzlichen Wandel fest .Seine " Handschrift " wird pointierter , sein Stil klarer . Akzentuierte Formen verdrngen mehr und mehr verfremdete und verzerrte Gebilde . Was Eichner 1967 mit dem Gemlde " der weinende Ministrant " ahnen lie , wird sptestens in seiner groen Arbeit " Wir wissen genau , dass da hinten ein Unfall passiert ist " , 1969 klar : Der Knstler malt keine visionren Fantasien mehr , die aus einer hypnotraumatischen Scheinwelt kommen , sondern schildert Wirklichkeit , erfasst gesellschaftliche Realitt und verarbeitet sie . " Betreten verboten " , " Unsere Nachbarn " , " Habmich lieb " , " Unser Sonntag " und " Unser Junge soll Schlosser werden " , sind Bilder , die Eichner in einer Periode intensiven Schaffens malt .Das Unbehagen der jungen Generationen , das sich in den Studentenunruhen der spten sechziger Jahre aktiv entldt , wird von Eichner in einer Serie subtiler , aussagestarker Bilder zum Ausdruck gebracht . Er malt keine grandiosen Szenarien , sondern setzt Alltagssituationen so um , dass die gesellschaftliche Situation der dargestellten Personen schlagartig klar wird . Die hintergrndige Traurigkeit seiner Figuren , der desillusionierte Blick seiner jugendlichen Greise sagen mehr ber die Ursachen der Jugendrevolte als lange literarische Traktate , die zur gleichen Zeit verffentlicht wurden . Mit knappen stilistischen Mitteln stellt Eichner die Kehrseite der Wohlstandsgesellschaft dar " Liebe , Liebe " , eines der beeindruckendsten Bilder aus dieser Phase zeigt ein speisendes , wohlgepflegtes Ehepaar , dem die einfltige Konsumorientierung ins Gesicht geschrieben ist . Erstaunlich ist vor allem , dass Eichner auf penetrante , allegorische Details verzichten kann , um die " Verdinglichung der menschlichen Beziehungen " ( B Brecht ) auszudrcken .Wo andere figurativen Maler in plattem Naturalismus verharren , durchdringt der Realismus Hellmuth Eichners die Wirklichkeit .Schon diese frhen Bilder erfllen die Kriterien , mit denen Peter Sager den Realismus gegen die bloe Abbildung von Realitt abgrenzt : Realismus als " Konstruktion , als Analyse und Entwurf gesellschaftlicher Verhltnisse " . Die gesellschaftliche Substanz seiner Bilder hat dazu gefhrt , dass Eichner in vielen Presseverffentlichungen seit 1970 als " Maler des Kritischen Realismus " bezeichnet wurde .Der Knstler hat sich oft gegen diese Etikettierung gewehrt . Gerade an den frheren Bildern werden seine Grnde klar : Eichner schliet sich in seine Bilder mit ein . Seine Kritik manifestiert sich nicht demaskierend , indem sie Probleme enthllt , Missstnde aufdeckt , sie bleibt aber solidarische Kritik eines Mitbetroffenen .Wenn Dr. Horst Richter den jungen Eichner damals einen Seismografen seiner Zeit nannte, erfasste er genau die Intentionen des Knstlers :Eichner spiegelte damals wie heute in seinen Bildern die Erschtterungen seiner Zeit im Kleinen und Groen wieder . Dabei ist er jedoch weit entfernt von einer Agit - Prop - Kunst , die versucht, einen politisch - ideologischen Entwurf knstlerisch umzusetzen Eichners Kunst basiert nicht auf Vorentwrfen , sondern entsteht unmittelbar . Denn Eichner ist kein Intellektueller . Sein Realismus entspringt tiefster Emotionalitt . Wenn Eichner Wirklichkeit widerspiegelt , dann hat vorher keine rationale Filterung , keine analytische Betrachtung oder ideologische Sondierung stattgefunden. Die um 1970 entstandenen Bilder verdeutlichen diese These : " Wir sind deine frhliche Jugend , Europa " und vor allem der " Schlachter " , in vielen Besprechungen als Machtpolitiker oder hybrider Wissenschaftler gedeutet - von anderen als kritische Allegorie des allmchtigen Technokraten verstanden , versinnbildlichen das Unbehagen der so genannten " Sechziger " .Die Frustration der Antiautoritren , der mrtyreske Masochismus der studentischen Aktionisten , die berbetonung der " sexuellen Revolution " , bervater Freud , Reich , Adler - verbale Begriffe, die Eichner schon als junger Mann einzufangen wusste in die Atmosphre eines realistischen Bildes . Diese Assoziationen sind auf der Leinwand entstanden , Gefhle , die Bilder wurden , bevor sie rationale Gedanken waren .Damit setzte Eichner von der Penetranz nach vordergrndiger Politkunst ab , die verbale Konstruktion lediglich bersetzt und damit die bildnerischen Mittel zu einem Sprachsurrogat macht . Eichner transferiert nicht literarische Entwrfe in Bilder , sondern spricht durch seine Malerei unmittelbar . Gleichwohl ist seine Kunst nicht irrational oder intellektfeindlich . Seine Inhalte sind rational fass - und deutbar .Der Betrachter hat diesen Prozess zu leisten wie der Tektoniker die aufgezeichneten Schwingungen des Seismografen in Beziehung zueinander bringt und interpretiert . Eichners Bilder geben den Dingen wie Jan Leering formuliert - " eine neue Bedeutung , die nur malknstlerisch realisierbar ist " .Sie sind damit nach seiner Unterscheidung realistisch statt naturalistisch , weil sie nicht nur abbilden wie die naturalistische Malerei , sondern " verwirklichen " ( Leering ) .Eichner setzte 1971 sein unterbrochenes Studium fort . An der Kunstakademie in Dsseldorf studierte er bei Prof. Beuys und wurde Meisterschler von Prof. Sackenheim . Man braucht die Schwierigkeiten des 25 jhrigen nicht nher zu beschreiben , wenn man bedenkt , dass Eichner in der Hoch - Zeit der " Ready - Mades " , der " Body - Art " , und " Process - Art " stie . Joseph Beuys , dem das Fegen des Greifenberger Waldes ein wesentlicherer Kunstbeitrag als jegliche Materialisierung von Kunst war , konnte auf der Suche nach einer" Wirklichkeit jenseits der Trennung von Kunst und Leben " ( P . Sager ) dem jungen Knstler keine Anregungen vermitteln . Die reine , nicht vergegenstndlichte Idee , fand in der Concept - Art ihren radikalsten Ausdruck . Fr Eichner waren die verschiedensten Ausprgungen dieser Richtung Epigonalismus auf der Basis von Marcel Duchamps Schaffen . Trotzdem ist in den damals entstandenen Bildern der Einfluss seiner neuen Bezugsfelder erkennbar geworden. Seine Landschaften , " Schamgegenden " tituliert, lassen eine tiefe knstlerische Identittskrise ahnen und gehren zu den schwchsten Werken , die Eichner bisher produzierte .Doch schon 1972 trat Eichner mit neuen Bildern an die ffentlichkeit : " Das Spessart Bild ", die " Herbstzeitlose " , der " Treppensturz " , oder " Bauvorhaben St. Augustin machten klar , dass Eichner den eingeschlagenen Weg weiterentwickelt hat . Seine Bildsprache ist deutlicher geworden , sein Stil reifer . Eichner bezieht in seinen neuen Bildern die soziale Umgebung der Menschen mit ein . Seine Figuren stehen auf Hinterhfen , Baustellen , sitzen an Kaffeetafeln oder lagern an sdlichen Strnden wie die Darsteller der Szene " Gehen Sie auch auf Nummer Neckermann " (1972 )Die Verdinglichung menschlicher Beziehungen , die Eichner schon fnf Jahre zuvor zum Sujet vieler Bilder machte , steht jetzt noch strker im Vordergrund . Die Einsamkeit des Einzelnen , die bisher vor allem in der berproportional groen Darstellung der Kpfe und der beralterten Physiognomie zum Ausdruck kam , wird zunehmend differenzierter ausgedrckt . " Die Kaffeetanten , " Bckerei Krupp " oder " Anstreicher mit Kreuz " greifen banale Strukturen auf , dekuvrieren gesellschaftliche Realitt ohne symbolischen Pomp .Zwischendurch entstehen Bilder , die an frhe Phasen erinnern : " Sonnenschein " , " Bananenfresser " und Thats Live " - vielleicht Konzessionen an ein Publikum , das sich inzwischen an den Eichner gewhnt hat .Zwischen 1972 und 1974 - noch whrend seines Studiums - gelang Eichner der endgltige Durchbruch . Schon in den Jahren zuvor hatte der Knstler nicht nur auf vielen Ausstellungen des Inlandes sein Werk prsentiert , sondern bereits als 23 jhriger im Rahmen des Rhein Tiber Preises in Rom ausgestellt . Doch nun folgte eine Ausstellung der anderen .Zu den Meilensteinen zhlt eine Ausstellung in der bekannten Londoner Galerie Nicholais Treadwell . Mit der Bronze - Medaille beim Europa - Preis in Oostende errang Eichner seine erste groe internationale Anerkennung . Obwohl Eichner nie Bilder malte , die sich als Konsumobjekte anbieten , als reprsentabler Wandschmuck vermarkten lassen , kam mit zunehmendem Bekanntheitsgrad auch der wirtschaftliche Erfolg . Pltzlich hatte Eichner , der auf Grund seiner kritischen Bildinhalte und des sozialen Engagements seiner Themen angegriffen war , mit dem Vorwurf zu kmpfen , " etabliert zu sein . Wie andere Realisten , die ihren Stil nur mhsam gegen herrschende Kunstmoden vertreten hatten , warf man ihm zynischerweise nun seinen Erfolg vor . Peter Sager beschrieb in seinem Werk" Neue Formen des Realismus " diesen absurden Prozess :" Diesem Stil hat man paradoxerweise gerade das bel vermerkt , was sonst gemeinhin positiv zhlt : den Markterfolg und das Publikumsinteresse" ." Es handelt sich um obszne Kunst " , wetterte Werner Spies , " weil dieser ausgespreizter Naturalismus so kriecherisch - heimtckisch den Begriff von Knnen ins Spiel zu bringen versteht " . In der Tat entspricht die handwerkliche Knnerschaft dieser Knstler dem brgerlichen Leistungsbegriff " heimtckisch " genau Auf die Legitimitt einer Rckkehr zum Realismus , auf seine sthetischen uns gesellschaftlichen Mglichkeiten wiesen nur wenige Kritiker hin . " Auf diese Kritik hat Eichner auf seine Weise reagiert . Aus der Verbindung verschiedener Arbeiten entstand das Werk " Der blinde Maler H . Schlimm geht ber den Weg des Informell zu Bonns dnnster Kunstkritikerin " . Hinter diesem aufwendigen Titel verbirgt sich die Konfrontation mit einer Bonner Kunstkritikerin , die schon seit Jahren keine Gelegenheit auslsst , den Knstler wegen seines harten , rcksichtslosen Stils anzugreifen . Unter Vermeidung jeder inhaltlichen Auseinandersetzung rgt sie die brutale realistische Optik Eichners , die sich freilich emphatisch feuilletonistischen Interpretationsversuchen entzieht . Im " blinden Maler " 1977 entstanden , deutet sich bereits eine Weiterentwicklung Eichners an , die Seine neueren Bilder bestimmt . Seine Sujets sind nicht mehr spotartige Ausschnitte von Rumen und Episoden , sondern verdichten sich mehr und mehr zu Kompositionen , die bildnerische und inhaltliche Erfahrungen des Knstlers zusammenfassen . Eichner beginnt , an Themen zu arbeiten , die er manchmal monatelang ruhen lsst und dann erneut aufgreift . Es entstehen Einzelbilder , die der Knstler spter oft vernichtet und in groe Gemlde integriert ." Der Zappelphilipp " zum Beispiel - erst 1980 auf der Winterausstellung prsentiert - geht auf eine Vielzahl von Versuchen zurck, die in Form und Aktionen , Fotoreproduktionen und Malstudien bereits 1978 beginnen . Hier knnte man am ehesten zu der Auffassung kommen , dass Eichner beim Malen eine Art literarischen Entwurf im Kopf hat , eine Idee , die er bildnerisch umsetzt . Eichner hat sich anlsslich eines Fernsehinterviews in einem Gesprch mit Crmers , dem Organisationsleiter der Groen Dsseldorfer Kunstausstellung und Dr. Peters , dem Direktor des Stdtischen Kunstmuseums in Dsseldorf mit dieser Frage auseinandergesetzt :Sein Malanlass sind wie in frheren Jahren meist Assoziationen , gespeicherte Bilder , manchmal ngste , emotionale Empfindungen . Erst whrend des Schaffensprozesses konkretisiert sich die Idee und nimmt bildnerische Formen an. Bei Bildern , die auf eine Vielzahl von Einzelversuchen zurckgehen , stellt sich die Idee kompakter und fassbarer dar als bei anderen , die in ihrer ersten Fassung vollendet werden . Auch stilistisch setzen sich solche Bilder gegeneinander ab .Von 1978 bis 1979 entstand z . B . ein Zyklus von Einzelgemlden , die bei den Versuchen , Eichners Oeuvre zu klassifizieren , hufig als weie Periode bezeichnet werden . Diese Werke sind in den wichtigsten Einzelheiten , zu denen Eichner vor allem Gesichter und Hnde zhlt , durchgemalt und ausdetailliert , whrend andere Bildteile nur mit sparsamen Strichen skizziert werden . Auch die Farben sind auf ein kleines Spektrum reduziert . Bei einigen Bildern geht die Reduktion so weit , dass neben der weien Leinwand nur rote und schwarze Flchen stehen . Eichner erlebt , dass diese manchmal fast studienartigen Bilder mit stark grafischem Charakter ihm von Sammlern aus der Hand gerissen wurden . Auch einige Landschaften - besonders seine Winterlandschaften - , mit sparsamsten Mitteln perfekt realisiert , aber im Gesamtoeuvre des Malers bedeutungslos , hatten hnlichen Erfolg . Zum Glck hat sich Eichner von solchen Erfolgen nicht korrumpieren lassen . Es ist zynisch , einem Maler vorzuwerfen , sich auch an den Verkaufschancen seiner Bilder zu orientieren , weil gerade dieser Erfolg in unserer Gesellschaft das Kunstkarussel in Gang hlt : Galeristen und Hndlerinitiativen bestimmen letztlich , wer protegiert und gefrdert wird . Doch gerade Eichner fllt dadurch auf , dass seine Kunst in der Gesamtlinie kompromisslos ist. Whrend die Bilder der weien Phase entstanden , malte Eichner nicht nur gleichzeitig an groen Werken wie dem " Mephisto " oder dem " Zappelphilipp " , sondern entwickelte vielfltige Aktivitten auf anderen knstlerischen Gebieten ; Neben 15 Objekten , von denen die " Fernsehlandschaften " die bekanntesten sind , schuf Eichner groformatige Artefakte aus abgerissenen Fachwerkhusern , die er als " Mahnmale " in modernste Betonarchitektur integrierte . Am bemerkenswertesten aus dieser Zeit ist sein Versuch , bildende Kunst und Literatur zu verbinden . Zusammen mit der Autorin Gabriele M . Gbel brachte er ein Buch " Der Morgen verdrngt die Nacht " ( 1976 ) heraus . Die darin enthaltene Grafik " Kleine Kreuzigung , die zwei Anstreicher beim Bemalen einer Wand zeigt , sollte fr seine zuknftige Arbeit noch Bedeutung erlangen . Gabriele Gbel schrieb dazu folgenden Text :

Kleine Kreuzigung

Zwischendurch sind sie Knstler,

malen mit schwarzer Farbe Zeichen des Zufalls ,

etwa ein Kreuz ....

schon mehr als nur Zufall ,

denn kreuzigen knnten sie den ,

der die Arbeit erfunden

farblose Flchen streichend zu frben .

Monotonie in Pastell.....

Spter haben sie Zeit genug ,

ihren Protest Ton in Ton zuzudecken ,

Acht Stunden sind lang und bringen nicht viel .

Erst berstunden machen den Kohl etwas fetter und lassen sie selbst gekreuzigt sich fhlen

vor dunkel tropfender Mdigkeit .

Und zwischendurch sind sie Knstler .

Eichner hat das Thema " der arbeitende Mensch " in der Folgezeit immer wieder behandelt : Vor allem Szenen vom Bau haben ihn fasziniert . Doch auch hier bleibt Eichner seiner Auffassung treu . Ihn interessiert vor allem der einzelne Mensch . Heroisieren Monumentales - wie wir es von Werner Tbke aus der DDR kennen , ist ihm fremd . hnlich fremd aber ist ihm auch der inhaltslose Fotorealismus , der die Gegenstnde ihrer Aussage beraubt , die Inhalte entkleidet und das Kleid prsentiert . In den Themen seiner Bilder bringt er immer seine eigenen Erfahrungen aus der Umwelt , die ihn umgibt , ein . Whrend jedoch in seinem Frhwerk diese Erfahrungen spontan einflieen , gleichsam wie Diapositive auf der Leinwand entstehen , arbeitet Eichner heute systematischer . Er versucht , die Flut der visuellen Eindrcke zu organisieren , Assoziationen zu kanalisieren und zu ordnen . Ein Beispiel ist seine Fotodokumentation von M. Maslankowsky und ihrer 8 jhrigen Tochter: Ein Jahr lang fotografierte er tglich die gleiche Frau . .365 mal Realitt - auf einen Sekundenbruchteil reduziert und damit zur Scheinrealtt geworden .Eichner vollzieht in solchen Aktionen nach , was uns tglich umgibt . Die Fiktion von Wirklichkeit auf den Fernsehschirmen , die irgendwann selbst zur erlebten Realitt wird . Oder die Scheinrealitt der Werbung , die durch ihre Intensitt und Allgegenwrtigem einerseits Wirklichkeit suggeriert , andererseits Wirklichkeit ist , die unser Verhalten beeinflusst und formt . Eichner ist wie gesagt kein Intellektueller , der solche Probleme theoretisch aufarbeitet , er muss sie im ursprnglichen Wortsinn " begreifen " , im Experiment visuell erfassen . Er ist Knstler , weil es ihm gelingt , diese Erfahrungen dem Betrachter zu vermitteln . Seine Mittlerfunktion ist fr Eichner immer wichtig gewesen . Er blickt inzwischen nicht nur auf ca. 60 Einzel und Kollektivausstellungen zurck , sondern hat stndig versucht , Kontakt mit seinem Publikum zu halten . Neben so wichtigen Veranstaltungen wie die " Groe Dsseldorfer Kunstausstellung " , an der Eichner seit 1977 ohne Unterbrechung teilnimmt , oder internationalen Ausstellungen wie " 100 Deutsche Knstler aus Deutschland in Krakau "1978 , sind es vor allem Veranstaltungen mit unmittelbarem Publikumskontakt , die Eichner am Herzen liegen . Hier erfhrt er das ntige Feed - back , ohne das seine Arbeit undenkbar wre . Seine neuen Bilder haben diese Rckkopplung zwischen Betrachter und Knstler fast provokativ gefordert . " Chauvis letzte Fahrt " und " die Saubermnner " , beide 1981 haben eine Diskussion ausgelst , wie Eichner sie bisher nicht erlebt hat . Schon die Titel signalisieren politische Aktualitt . Die Inhalte sind allerdings nicht vordergrndig auf ein Tagesgeschehen bezogen , sondern versuchen , Aussagen zu verallgemeinern . Auch hier knnte - wie bei allen greren Arbeiten Eichners - der Eindruck aufkommen , der Knstler habe eine Idee bildnerisch transportiert . Kennt man Eichner und seine Arbeitsweise , erweist sich die Vermutung schnell als Trugschluss . " Die Saubermnner " entstanden als unmittelbaren persnlichen Erfahrungen des Knstlers , sinnliche Erlebnisse wurden materialisiert . Der erste Entwurf des Bildes ," die Saubermnner " , das eine Gruppe nackter Mnner in scheinbar heftiger Diskussion zeigt, entstand nach einem Erlebnis , dass der Knstler als Beobachter einer Jagdgesellschaft hatte , die sich nach erfolgreichem Halali in eine Sauna begab . Eichner hat zwar die Rume verndert , Details verdichtet - hat sozusagen eine zweite Ebene von Realitt geschaffen . Er hat aber im Prinzip nicht Visionen entstehen lassen , sondern seine durch visuelle Erfahrung gewonnene Bildkombination realisiert . Kalte , dunkle Gewehre , die in einem fast bengstigenden Kontrast zu den rosa Menschenhuten stehen , blitzsaubere Kacheln neben Reinigungsutensilien wie Putzeimer , Schrubber , Seifenstckchen : Der Versuch , einer Katharsis nach erfolgtem Sndenfall ? Fast scheint es so . Doch weitere , unaufflligere Details machen klar , dass Eichner anders intendiert : Zigarettenkippen liegen auf den glatten Kacheln , fhren den vergeblichen Reinigungsprozess ad absurdum . Die " Saubermnner " knnen nicht aus ihrer Haut , die Rckkehr zu den Gewehren ist programmiert . Als Eichner dieses Bild 1980 in der Godesberger Redoute zeigte , hat ihn ein Journalist euphorisch den " Hyronimus Bosch des 20 . Jahrhunderts " genannt . Ein eitles Kompliment , doch analytisch weit gefehlt . Freilich gibt es Parallelen : Eichner verdeutlicht in seinem Bild unanschauliche Begriffe , sein blinder Diskutant oder die drohenden Gewehre gehen ber die Sinnflligkeit von Symbolen hinaus und werden zur Allegorie . Aber im Gegensatz zu den allegorischen Triptychen des Hyronimus Bosch entspringen die Eichnerischen Figuren nicht der visionren Fantasie des Knstlers , sondern gehen auf konkrete Erlebnisse zurck . Was bei Bosch rtselhaft , absonderlich bleibt , ist bei Eichner klar und przise . Mit Bosch hat Eichner allenfalls gemeinsam , dass er die ngste und Emotionen wie der groe Meister der Allegorie die psychischen Bedrngnisse des ausgehenden Mittelalters vergegenstndlichte . " Chauvis letzte Fahrt " , entstand unmittelbar nach den " Saubermnnern " . In diesem Bild wird die allegorische Tendenz der neuen Werke noch deutlicher ." Chauvi " - eine fast schon transparent gemalte Gestalt mit Mnnerkrper und Wolfskopf bewegt sich auf einem Gefhrt , das in frivolem Kontrast zu seinem wrdevollen Habitus steht ,. in einem bewsserten Raum . Drei weitere Mnnerfiguren mhen sich mit vereinten Krften , das ohnehin sprliche Wasser zu beseitigen . Die Szene ist kaum falsch interpretierbar : Eichner schildert das Ende des Machismus . Die Komposition des Bildes folgt dem Ablauf des Prozesses , den es darstellt . Whrend die Vorderfigur noch in draller Gegenstndlichkeit mit vitalem Farbauftrag gemalt ist , reduziert sich mit zunehmender Bildtiefe die Farbigkeit und die Prgnanz der Form . Wer hier agit - prop - artige Wertung des dargestellten Prozesses sucht , hat Eichner falsch verstanden .Eichner registriert die Erschtterungen unserer Zeit , zeichnet sie in sensiblen Allegorien auf und bezieht sich in seine sozialkritischen Darstellungen mit ein . Nicht zufllig lassen die Konterfeis des Chauvi - Szenariums selbstportraithafte Zge erkennen . In den Werken , die 1981 entstanden , taucht das Thema " Emanzipation " wieder auf . In einem Spiegelobjekt , in das Eichner drei Frauenbildnisse montiert , erkennt der Betrachter sich selbst und die unendlich wiedergegebenen Frauengestalten . Die Figuren , die sich in gebckter Haltung mhen , einen Stein zu heben , sieht Eichner als Allegorie der Frau unseres Jahrzehnts . In mehreren Bildern verfolgt der Knstler das Thema weiter . Frauen verschiedenster Rassen werden als " Steinaufheberinnen" dargestellt . In diesen Bildern arbeitet Eichner die Ergebnisse seiner Versuche mit unterschiedlichen Realittsebenen wieder auf . Seine visuellen Erfahrungen z.B. aus der Maslankowski - Aktion konkretisieren sich in einem neuen Bildaufbau , Eichner versucht , durch Bilder im Bild die verschiedenen Dimensionen von Wirklichkeit sichtbar zu machen

In seiner" blauen Steinaufheberin" z. B. dominiert ein gewaltiger Monolith - neben seiner proportionalen Dimensionierung - auch durch die Zentrierung auf den Bildmittelpunkt betont , scheint auf eine zweite Leinwand gemalt , die mit Klebestreifen auf dem ersten Bildhintergrund befestigt ist. Die Amerikaner Lalcolm Morley und vor allem Howard Kanovitz benutzen hnliche Verfahren , um die Pseudorealitt fotografischer Abbildungen deutlich zu machen .Was indes bei den Fotorealisten bloes " Trompe loil " bleibt und in seiner Bedeutungsleere eher naturalistisch als realistisch wird, dient bei Eichner als formales Transportmittel fr Inhalte : Durch die Herauslsung eines Gegenstandes aus dem Kontext des Bildes werden zwei verschiedene Realittsebenen geschaffen . Hier konkret : Der scheinbar einmontierte Monolith befindet sich in einer anderen Zeit als die Steinaufheberin . Betont durch die Komposition , die den Frauenkrper fast aus dem Bild heraustreten lsst, wird deutlich , dass Eichner in seinem Werk gegenwrtige und zuknftige Wirklichkeit in Beziehung zueinander setzt . Auch technisch arbeitet Eichner in seinen neuen Bildern frhere Erfahrungen wieder auf . hnlich den Bildern seiner weien Phase reduziert er wieder . Die kompakte Farbigkeit und die ausgemalten Flchen fehlen . Wo immer mglich , deutet Eichner an anstatt vollends auszufhren . Vergleichen wir die Steinaufheberin z . B . mit der " Viola " von 1978 , dann fllt auf , dass die neuen Bilder weniger grafischen Charakter haben , weniger in Gefahr geraten dekorativ zu wirken . Wurden die Bildinhalte in der weien Phase von der perfekten Komposition und Gestaltungstechnik manchmal in den Hintergrund gedrngt , stehen sie in den Bildern von 1981 gleichberechtigt daneben .Eichner hat in seinem Streben , die Dialektik von Form und Inhalt in den Griff zu bekommen , eine neue Qualittsebene erreicht

1981

Hier und Heute W D R

Film von Rolf Wisselmann ber " den Eichner " in der Galerie Lange in Siegburg

1981

BONNER GENERAL ANZEIGER

Erstklassiges aus Bonner Ateliers

von Monika Jhlen .

Zu den Hhepunkten des Kunstmarktes gehrten die neuen groformatigen Werke vom Eichner . . . .

1981 " Akt "

Kunst hinterm Berg

" Hier und Heute " W D R III

gezeigt wurden " Die Saubermnner " und " Langer Samstag "

1981

Aachener Volkszeitung

Ausstellung in der Sammlung Ludwig im Atrium

von Ernst Herkens

....stehen zwei groformatige lbilder von Hellmuth Eichner , der sich bereits international einen Namen gemacht hat . Eichners neuestes Bild trgt den Titel " Die Saubermnner " Die Arbeit wirkt im ersten Augenblick plakativ , dann aber drngt sich der Persiflage Charakter auf . Welch ein Kontrast zwischen den nackten Mnnern in der Sauna und den Gewehren an der Wand. Das Bild "Chancengleichheit? "( l auf Leinwand , 150 x 150 cm ) , mit drei Frauen im Hinterhof , hat ebenfalls einen kritischen Inhalt und zeigt eine poppig gekleidete junge Frau mit ihren Freundinnen , die sich als Rockerinnen gebrden ." Um in ihrer Gesellschaftsschicht leben zu knnen , mssen Junge Leute auch die Riten und Gesten ihrer Gruppe aufnehmen , da sie sonst nicht akzeptieren werden " , meint der Knstler Eichner zu diesem Bild .

1981

AACHNER NACHRICHTEN

Ausstellung Sammlung Ludwig 3.4.81 - 20.4 81

Am augenflligsten und interessantesten sind zwei groformatige lgemlde des Bonner Malers Hellmuth Eichner , die beide das Thema Gewalt vorfhren : eine Gruppe nackter Mnner in der Sauna , an der Kachelwand lehnenden akkurat ausgerichtet eine Reihe Gewehre . Die Idee zu dem 28o x 18o cm groen Bild kam Eichner, als er als " Edeltreiber" bei einer Bonner Jagdgesellschaft eingeladen wurde .

1981

gab es einen so genannten Kunstkrach , mit vielen Berichten in Zeitungen , auf die ich nicht nher eingehen will .

Die Kunstszene im Rhein Sieg Kreis wurde um einen besonderen Gag bereichert : die Knstler Hellmuth Eichner und Peter Gabrian bezeichnen sich als " Avantgarde Knstler " , die mit verbundenen Augen Kunst genieen. Zu diesem Zweck gehen sie auf Ausstellungen nur noch mit verbundenen Augen , " da der grte Teil der Avantgarde nur durch bcherfllende Ausfhrungen lebt , kann man diese Art von Kunst auch mit geschlossenen Augen genieen oder besser gleich ungestrt von der Kunst den Ausfhrungen der Kunstkritiker lauschen - sehen knne man selten etwas " , haben sie mitgeteilt . Ihre Art der Avantgardekunstbetrachtung zeigen sie dem Betrachter im Bild . Anmerkung ihrer Pressemitteilung : Neues Hppekastenspiel : Wie werde ich Leiter der Kunstabteilung an der Rhein Sieg Volkshochschule ? Durch Beziehungen ? Durch Ausbildung ? Nein , danke .

1982

BONNER GENERAL ANZEIGER

von Annelie Pohlen

" Konstruktion und freies Linienspiel " Zeichnungen der Knstlergruppe Bonn .

Katalog

Welchen Nutzen die Beschrnkungen auf das leise Medium haben kann, dafr steht Hellmuth Eichners" bervater" eine Bleistiftzeichnung auf zwei Transparenten Papierfetzen , die auf den Bildtrger lose aufgeklebt sind . Hier kommt von Eichners latentischen , ber die Strungen der menschlichen Individuen und ihrer Beziehungen untereinander zu berichten weit mehr ber , als von seinen Gemlden gesagt werden kann

1982

Katalog des BBK mit dem Titel " Polaritten "

im Haus an der Redoute

Abbildung im Katalog " Dynamitfischer " 200 x 200 cm Teil I

1982

BONNER GENERAL ANZEIGER

5.5.82 Seite 11 groformatige Abbildung des ersten Teils der " Dynamitfischer "

" Dynamitfischer" lautet der Titel dieses imposanten Gemldes von Hellmuth Eichner , dessen monumentale , kritisch engagierte Bilder in letzter Zeit groe Beachtung gefunden haben. Drei seiner neuen Werke sind momentan im Rahmen der Ausstellung " Bonner Knstler aktuell " im Stdtischen Kunstmuseum zu sehen .

1982

BONNER GENERAL ANZEIGER

28.4. 82 Ein Pldoyer fr die Bonner Avantgarde "

von Monika Jhlen

Es ist gewiss mig , angesichts dieser ausgewogenen , fundierten Auswahl Versumnissen nachzuspren . Vielmehr scheint es geboten , zumindest einige der Hhepunkte der Ausstellung herauszufiltern . An erster Stelle seien die brigens sehr geschickt in einem separaten Raum prsentierten und an sich gar nicht mehr so Up Tod Datei Realisten erwhnt . Hellmuth Eichner brilliert mit seinen schon beim Kunstmarkt Aufsehen erregenden gesellschaftskritischen Tableaus Dynamitfischer und groe Freiheit .

1982

" WELTKUNST ", Aktuelle Zeitschrift fr Kunst und Antiquitten

von Dr. Horst Richter , Kln

Ausstellung Stdtisches Kunstmuseum " Bonner Knstler aktuell " im Juni 1982

Nicht weit davon befand sich frher Hellmuth Eichner . Er ist inzwischen allerdings von seinen drallen Personendarstellungen abgekommen und hat sich auf der Ebene einer Sparsamkeit placiert , die seiner Malerei sehr zum Vorteil gereicht . Das Sympathische dabei, Eichner verzichtet nicht auf jenen Schuss Clownerie , den er selbst mit seiner Kunst von Anfang an so redlich geteilt hat

1982

Karl Garbe

Die Verleugnung des groen Plem Plem

Elisabeth Edinger titelte im Express : Museumschef entdeckte die Bonner Kunstszene und brachte den Tatbestand damit auf den Nenner. Die lokale Presse goutierte die berfllige Kurskorrektur . Ja , Dr. Dirk Stemmler erntete Lob .Zwar hatten sich der Leiter des Stdtischen Kunstmuseums jahrelang damit schwer getan , auch den Bonner Knstlern ein Pltzchen in der munizipalen Galerie einzurumen , doch als er schlielich einen diesbezglichen Beschluss des Rates seine Reverenz zu erweisen hatte , tat er das weder zhneknirschend noch nasermpfend . Denn auch Stemmler ist nur ein Flattermann in jenem Wind , der sich als zeitgenssische Strmung kreiert . Ein Wind , der viele Papiermhlen in Gang hlt und seine Richtung so oft wechselt , wie es ihm gerade beliebt . Von Mastben oder Qualittsansprchen in einer Kunstszene zu sprechen , die etwa Xanten einen Schult-Komplex einzureden versucht , nur weil diese Stadt sich gegen den Mll sperrt , den die Kutscher des groen Plem Plem ber sie karren wollen , ist ohnehin eine Zumutung . Wenn der groe Plem Plem , Kaiser der Ausdeuterei , neue Kleider bentigt , ist das Feuilleton willfhrig zur Stelle , sie ihm anzudichten : Seht nur Leute , seht ! Wie er auf dem fettigen Thron sitzt ! Wie er den Konzertflgel meistert ! Wie er alles unter einen Hut bringt , was auf keine Kuhhaut passt ! In diesem Bezugsfeld ist auch Stemmler gezwungen , sich gleichermaen zu artikulieren , mitzustammeln wenn alles stammelt und dies zum Dernier Cri zeitgemer Eloquenz avanciert . Der gleichwohl kenntnisreiche und engagierte Museumsmann schtzt , dass in Bonn und Umgebung ber 200 Knstler ansssig sind - er hatte also zu selektieren und tat dies in dem Bewusstsein , dass ein Museum nicht zuletzt als Referenz ausgewiesen sein wird ." Bonner Knstler aktuell " das Ergebnis dieser Bemhungen konnte sich durchaus sehen lassen , frderte es zudem Knstler zu Tage , die in Vorort und Suburbia ihr Licht unter den Scheffel zu stellen pflegen , gleichwohl aber einen dicken Scheinwerfer verdienen . So schrieb Monika Jhlen im General Anzeiger in ihrem sorgfltig resmierten Bericht : Auch fr Insider bringt die Ausstellung zahllose berraschungen . So stt man nicht nur auf viele bislang weitgehend unbekannte Namen , sondern begegnet auch so manch neuen Anstzen innerhalb kontinuierlich zu verfolgender Schaffensprozesse . Und gewiss leistet die Schau einen unbersehbar wichtigen Beitrag zu einem vernderten Selbstverstndnis der Bonner Knstlerschaft und ihrer Position in der ffentlichkeit . Wohl nie wurde in so anschaulicher Form deutlich , welche kreativen Krfte bislang zum Teil vllig unbeachtet in der Bundeshauptstadt am Werke sind ".Sicherlich war auch hier bei manchen das Bemhen deutlich , einen Pfau zu satteln oder einen Berg der Interpretation kreien zu lassen , dass er ein graues Muschen gebre . Monika Jhlen hob mit sicherem Instinkt einige Namen hervor , die auch wir fr bemerkenswert halten : Hellmuth Eichner , Ise Schwartz , Margarethe Loviscach und Udo Claasen - das diese hier " Gegenstndliche " sind, soll nicht wider einen Ismus zeugen . Es erhellt lediglich , wie schwer man sich tut , im Irrgarten subjektiver Gefhlsuerungen ein Zipfelchen von jener Einsicht zu erhaschen , die allein legitimiert , von Qualitt - von gut oder schlecht - zu reden . MdB wird sich mit einigen der dort vertretenen Knstler noch nher beschftigen . Diesmal gilt unser Interesse jenem Maler , der einem sozusagen aus dem Rahmen entgegenfllt .Hellmuth Eichner . Frau Jhlen wagte im GA den Satz " Hellmuth Eichner brilliert mit seinen schon beim Kunstmarkt Aufsehen erregenden gesellschaftskritischen Tableaux ..." Stemmlers Katalog verzeichnet zu Eichner eine so lange Reihe von Ausstellungen ( von 1966-1982 ), als handele es sich um Bernhard Buffet oder Hundertwasser . Da sind klangvolle Adressen dabei : z. B. Gmurzynska in Kln , Hennemann in Bonn , Lange in Siegburg - mehr als 80 Ausstellungen absolvierte der 1946 in Schnenberg bei Ruppichteroth geborene Knstler , einer aus dem Bergischen also , wo die Sekten und Spiritisierer aller Art von jeher ihr Wesen trieben . " Der Eichner " - so nennt er sich , seit er auf den Akademien von Professoren und Kommilitonen in der dritten Person Singular stndig zur Rede stand . Natrlich ist Kunst auch Kommunikation , doch wer sich derart zu entuern vermag , dem folgen Missgunst und Verdchtigungen auf dem Fue . Aber auch der Clan . Er ist immer dort zu finden , wo Erfolg sich abzeichnet . Er zimmert permanent am Postamente , macht sich unentbehrlich fr dies und das und ruft HEIL DIR ! Ein Katalog ber Eichner setzt in Erstaunen . Denn er ist dick und teuer . Er suggeriert ein Lebenswerk nach 90 Jahren unermdlichen Schaffens . Er hat Kronzeugen parat : Berthold Brecht , Peter Sager , Horst Richter , Jan Leering. Und die Erinnerung an Sternstunden - z. B. Galerie Gmurzynska : Im Katalog dieser Ausstellung finden wir den Namen des jungen Malers neben Knstlern wie Hans Bellmer , Salvadore Dali , Max Ernst , Rene Magritte und Franz Radziwill . " Das Paradoxe ist , dass ein Eichner von der Reife des Jahres 1982 durchaus in diese Reihe passt , wenn man die erste Schrecksekunde berwunden hat . Was jedoch nicht passt , ist die Bezugnahme darauf in einem eigens fr Eichner produzierten Oeuvre-Katalog . Das klingt selbstgefllig und htte von Wolf Weipert wohlweislich etwas delikater ins Spiel gebracht werden knnen : Denn um sich eigenhndig Bonbons ans Hemd zukleben , dafr ist der Eichner schon einige Nummern zu gro . Doch folgen wir der Chronik , wo sie besonders interessant ist . O-Ton " Zwischen 1972 und 1974 - noch whrend seines Studiums - gelang Eichner der endgltige Durchbruch. Schon in den Jahren zuvor hatte der Knstler nicht nur auf vielen Ausstellungen des Inlandes sein Werk prsentiert , sondern bereits als 23-jhriger im Rahmen des Rhein Tiber Preises in Rom ausgestellt . Doch nun folgte eine Einladung der anderen . Zu den Meilensteinen zhlt die Ausstellung in der Galerie Nicholais Treadwell in London 1973 . Mit der Bronze- Medaille in Oostende errang Eichner seine erste groe internationale Auszeichnung . Obwohl Eichner nie Bilder malte , die sich als Konsumobjekte anbieten , als reprsentativer Wandschmuck vermarkten lassen , kam mit zunehmendem Bekanntheitsgrad auch der wirtschaftlichen Erfolg . Pltzlich hatte Eichner , der auf Grund seiner kritischen Bildinhalte und des sozialen Engagements seiner Themen angegriffen worden war , mit dem Vorwurf zu kmpfen , etabliert zu sein . Wie andere Realisten , die ihren Stil nur Mhsam gegen herrschende Kunstmoden vertreten hatten , warf man ihm zynischerweise nun seinen Erfolg vor . Peter Sager beschreibt in seinem Werk " Neue Formen des Realismus diesen absurden Prozess: " Diesem Stil hat man paradoxerweise gerade das bel genommen , was sonst gemeinhin positiv zhlt : den Markterfolg und das Publikumsinteresse . Es handelt sich um " obszne Kunst " , wetterte Werner Spies , weil dieser ausgespreitzte Naturalismus so kriecherisch heimtckisch den Begriff von Knnen ins Spiel zu bringen versteht . " In der Tat entspricht die handwerkliche Knnerschaft dieser Knstler dem brgerlichen Leistungsbegriff heimtckisch genau . Auf die Legitimitt einer Rckkehr zum Realismus , auf seine sthetischen und gesellschaftskritischen Mglichkeiten wiesen nur wenige Kritiker hin ."Auf diese Kritik hat Eichner auf seine Weise reagiert . Aus der Verbindung verschiedener Arbeiten entstand das Werk " Der blinde Maler H. Schlimm geht auf dem Weg zum Informell zu Bonns dnnster Kunstkritikerin ". Hinter diesem aufwndigen Titel verbirgt sich die Konfrontation mit einer Kunstkritikerin , die schon sein Jahren keine Gelegenheit auslsst , den Knstler wegen seines harten , rcksichtslosen Stils anzugreifen . Unter Vermeidung jeder inhaltlichen Auseinandersetzung rgt sie die brutale , realistische Optik Eichners , die sich freilich emphatisch-feuilletonistischer Interpretationsversuchen entzieht . Im blinden Maler 1977 entstanden , deutet sich bereits eine Weiterentwicklung an , die Seine neueren Bilder bestimmt . Seine Sujets sind nicht mehr spotartige Ausschnitte von Rumen und Episoden , sondern verdichten sich mehr und mehr zu Kompositionen , die bildnerische Erfahrungen des Knstlers zusammenfassen .Eichner beginnt , an Themen zu arbeiten, die er manchmal monatelang ruhen lsst und dann erneut aufgreift . Es entstehen Einzelbilder , die der Knstler spter oft vernichtet und in groe Gemlde integriert . " Der Zappelphillip " zum Beispiel , erst 1980 auf der groen Dsseldorfer Kunstausstellung prsentiert - geht auf eine Vielzahl von Versuchen zurck , die in Form von Aktionen , Fotoreproduktionen und Malstudien bereits 1978 beginnen . Hier knnte man am ehesten zu der Auffassung gelangen , dass Eichner beim Malen eine Art literarischen Entwurf im Kopf hat, eine Idee , die er bildnerisch umsetzt . Eichner hat sich anlsslich eines Fernsehinterviews in einem Gesprch mit Crmers , dem Leiter der Dsseldorfer Ausstellung und Dr. Peters vom Stdtischen Kunstmuseum Dsseldorf mit dieser Frage auseinander gesetzt . Sein Malanlass sind wie in frheren Jahren meist Assoziationen , gespeicherte Bilder , manchmal ngste , emotionale Empfindungen . Erst whrend des Schaffensprozesses konkretisiert sich die Idee und nimmt bildnerische Formen an . Bei Bildern , die auf eine Vielzahl von Einzelversuchen zurckgehen , stellt sich die Idee kompakter und fassbarer dar als bei anderen , die in ihrer ersten Fassung vollendet werden . " Mit der oben als dnnste Kunstkritikerin bezeichnete Person ist offensichtlich Dr. Annelie Pohlen gemeint . Diese hat zwar ebenso Schelte verdient wie alle , die dem Groen Plem Plem allzu willfhrig Hand und Spanndienste leisten , andererseits ist Eichners diesbezglicher Verfolgungswahn lediglich ein clanspezifisches Phnomen . Eichner hatte das Pech , seiner Zeit um einige Jahre voraus zu sein , Seine Versuche wurden von Kommilitonen und Lehrern gleichermaen angegriffen , War es nicht schwierig , Eichners Versuche , die Dialektik von Form und Inhalt knstlerisch zu bewltigen , als reaktionre Traditionalismus zu diffamieren . Wenn da was schmort , dann im eigenen Saft . Wer als Knstler sich so weit hinauslehnt wird natrlich befehdet . Aber all diese wortreichen Pseudokonflikte sind meilenweit entfernt vom Maler Eichner . Den halten zwar seine Pappkameraden fr gesellschaftskritisch , aber das bezieht sich wohl mehr auf thematische Aspekte . Denn eigentlich ist dieser Maler von der Art , die jenseits aller modischen Artverwandschaften steht . Knnte man etwa Hundertwassers Regentag Serie einer Ideologie zubuttern ? Einem der sozialen Beziehungsfelder , fr die der Knstler doch so prononciert in Erscheinung tritt ? Wohl kaum . Doch wie Hundertwasser ist die Eichner Malerei aufregend . Sein " Zappelphillip " , seine " Saubermnner " , seine "Groe Freiheit " und sein " Dynamitfischer " Bild sind auf unnachahmliche Weise aufregend und merkwrdig originell . Selbst ein so sprliches Motiv wie Singvgel mit Signalschnre von Fangnetzen , wird von Eichner so verwandelt , dass es von gewissem Etwas geradezu strotzt . In Eichners Vita fallen an offiziellen Ehrungen auf : Teilnahme am Rhein Tiber Preis in Rom , Prix " Europe de Peintre ", Oostende . Dieser Preis wurde von einer belgischen Stimme kommentiert , die eigentlich unter den vielen Presseberichten , die ber Eichner vorliegen , am einleuchtensten ausdrckt, was eigentlich an dieser Malerei so signifikant ist . Es heit dort : Anhnger der Richtung Neue Figuration , drckt dieser Knstler , der vor kurzem in Oostende eine Bronze Medaille gewann , seine Vision der Welt aus , in einer sehr persnlichen Art , die sehr humoristisch ist . Frwahr : Er malt den Mann bei seiner Arbeit, die Menschen im Privatleben, Ehepaare und Familienbilder . Frwahr : Er sieht alle Details und setzt sie in Bilder um, auf krftige und solide Art . Aber was fr ein jugendlicher Geist und Elan ! Eine Malerei, die voller Wahrheit und Lcheln ist . Hellmuth Eichner, mit der Seele lchelnd, verbirgt dahinter eine groe Sensibilitt .In der Tat, es verwundert, dass keinem anderen diese frhliche Natur aufgefallen ist . Ungestmer Geist und Elan, genau das sind die richtigen Vokabel fr eine Bilderwelt, die sich als originre Schpfung immer mehr ausweist . Es heit gelegentlich, Eichner ist kein Intellektueller, nun wohl, sonst wre er ja dann auch seinem Lehrer Professor Joseph Beuys zum Fegen des Greifenberger Waldes als ein Fegetreuer gefolgt und htte dort dem groen Plem Plem huldigen knnen . In der Weltkunst hie es : Eichner wehrt das Triviale ab, indem er es dekuvriert . Man wird noch von ihm hren . Das glaube ich allerdings auch . Ich habe jetzt schon die Vision eines Denkmals in Ruppichteroth . Ich hre das Gelchter der Musen und freue mich, dass die Mutation sich wieder mal einen exquisiten Sprung erlaubt hat .

1982

Schaufenster

ber den Kunstmarkt im Frauenmuseum

Nicht zu bersehen auch Hellmuth Eichner als einer der herausragendsten Talente, die ber den Bonner Raum hinaus bekannt sind .

1982

BONNER RUNDSCHAU

von Christian Talawi

Das aufflligste Gemlde schuf Hellmuth Eichner mit seinem Dynamitfischer Bild . Eichner interpretiert hierin durch Mittel des Realismus abstrakte innere Prozesse in allegorischer Form . Die Figur des Urlaubers gert durch ihre Unverzerrtheit und die farbliche, als Schattenflche erscheinende Absetzung in eine spannungsvoll getrennte Beziehung zur Figur des griechischen Fischers, der im Begriff ist, die Dynamitstange zu znden . Eichner ironisiert die Szene noch einmal durch die in der Art des " trompe l`oeil " ber das eigentliche Bild hinausgefhrte Takelage .

1982

Magazin der Hauptstadt

von Karl Garbe

" Die Verleugnung des groen Plem "

mehrere Abbildungen in Farbe . Garbe setzt sich kritisch mit der Bonner Kulturszene auseinander .

1982

Dynamitfischer

von Wolf Weipert .

Das 2 x 2 m groe Gemlde" Dynamitfischer" zeigt einen weibuchigen Urlauber neben einem griechischen Fischer, der eine Dynamitpatrone zndet . Die Urlauberfigur - unschwer als der Knstler selbst zu definieren - dokumentiert die Beziehungslosigkeit des erwartungsbefrachteten Touristen zu

brutalen Realitt: Whrend der Fischer eine vitale Kommunikationsbereitschaft zeigt, bleibt die Touristenfigur isoliert . Wie in seinen anderen neuen Bildern versteht es Eichner auch hier meisterhaft, abstrakte Prozesse allegorisch zu realisieren .

1982

Mail - Art

Bundespostministerium

" Kunst auf Postkarten " 1 farbige Abbildung u

Katalog

1982

Ein weiter Weg nach Nordrhein Westfalen

von Monika Jhlen

Katalog

Hellmuth Eichners Schaffen ist im kritischen Realismus verwurzelt, seine Dynamitfischer, Teil 3 der gleichnamigen Bildfolge signalisiert wiederum eine Steigerung im Schaffen dieses Knstlers, dessen Entwicklung der letzten Jahre intensive Beachtung und Wertschtzung verdient .

1982

Malerei gegen den Zeitgeist

von Monika Jhlen

Das Zeitgeist Barometer steht auf wild . Und wild, das bedeutet zugleich Rckzug in eine private, innere Welt, Absage an jedes gesellschaftlich politische Engagement, kurz, Kunst um ihrer selbst willen, lart pour lart . Die Kunst besinnt sich wieder auf ihre Eigengesetzlichkeit und entzieht sich gleichzeitig jeder sozialen Verantwortung . Verweigerung als Symptom eines resignativen Zeitgeistes ?

Gewiss, die Jahre des provokanten Agit-prop sind vorber, der so genannte kritische Realismus ist weitgehend in Platitden versandet . Aber dennoch darf sich die Kunst einer derartig brisanten Zeit wie der gegenwrtigen nicht in rosaroten Farborgien und weltfremden Tagtrumen erschpfen ; vielmehr verlangt gerade die momentane Situation nach wachen Geistern, die bereit sind, sich aktiv mit den Gegenwartsproblemen auseinanderzusetzen .

Gedanken zur Funktion der Kunst in der Gesellschaft werden wach angesichts der neuen Werke des Bonner Malers Hellmuth Eichner, der zurzeit bei Schller zu sehen ist .Eichner erregte in den letzten Jahren mit seinen monumentalen inhaltlich wie formal gleichermaen pointiert formulierten Gemlden bei zahllosen Gruppenausstellungen die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums . Die Schau bei Schller prsentiert nun seit langem wieder einmal einen weit gefcherten berblick ber das Schaffen dieses engagierten Knstlers, der neben seinen komplexen Gemlden erstmals eine Auswahl seiner nicht minder Virtuosen Zeichnungen zeigt .Es sind Bilder, die auf merkwrdige Weise anrhren, die betroffen stimmen, Bilder die man nicht mehr vergisst . Eichners Schaffen ist im weitesten Sinne dem kritischen Realismus zuzuordnen doch im Grunde genommen vermag diese vage Charakterisierung nur wenig ber das Wesen seines Werkes auszusagen . So geht Eichner einen entscheidenden Schritt ber das bloe Abbilden, Kommentieren und Persiflieren hinaus . Indem er nmlich seine przisen, bisweilen sarkastischen, bisweilen fast tragikomische Beobachtungen des Alltglichen aus dem herkmmlichen Zusammenhang lst und in ein groteskes Szenario einbettet, transportiert er sie gleichzeitig auf eine symbolhaft berhhte Ebene des Allgemeingltigen, berzeitlichen . Seine Gestalten sind Prototypen der Nachkriegsgeneration, Zeitzeugen auf der Bhne eines absurden Welttheaters, auf der hufig Eichner selbst als Hauptakteur agiert .Um Eichners Schaffen angemessen wrdigen zu knnen, muss man seine neuen Werke vor dem Hintergrund seines Gesamteuvres betrachten .Von jeher beschftigte ihn das Menschenbild als Ausdruck des Zeitspezifischen, das zum Klischee erstarrte Individuum, das in seiner Isolation, in der Sinnlosigkeit und Absurditt der eigenen Existenz gefangen zu sein scheint .Seine frhen Werke zeigen statuarisch posierende, seltsam verloren wirkende Gestalten mit Filigranen Krpern und riesengroen Kpfen . Dann eine Phase des Rckzugs Flucht in endlos sterile Landschaften, Menschenleer, nur von Zunen durchzogen.Eichner, brigens einer der wirklich freischaffenden Knstler in Bonn, ist seinen schweren Weg ganz alleine gegangen, ohne Kompromisse, ohne Konzessionen Heute hat er seinen Stil gefunden, seine unverwechselbare Handschrift, die nicht nur technische Bravur verrt, sondern- und dies zeichnet ihn aus, Form und Inhalt vollendet zur Deckung bringt . Przision und Spontaneitt akribischer Realismus und assoziative, visionre Bildfindung seiner Sprache lebt aus spannungsvollen, antiethischen Dialog des Gegenstzlichen, aus dem zugleich die Zwiespltigkeit der Wirklichkeit, wie der Knstler sie begreift, mit fast bezwingender Intensitt deutlich wird . " .

1985

" Farbe " Katalog des BBK Bonn, Ausstellung im Haus an der Redoute .

Abbildung : Weltum " 200 x 200 cm

1983

BONNER RUNDSCHAU

von Barbara Gomm

Freude am Detail und direkte Sinnlichkeit

" Nach 36 Stunden Bereitschaftsdienst geht der Chefarzt einer Kurklinik mit zwei Mitarbeiterinnen am Strand von Sylt spazieren und wird zufllig

enthauptet ",

so oder hnlich legendenreich untermauert, prsentieren sich die Bildgeschichten des Hellmuth Eichner. Hellmuth Eichner, der zuletzt mit dem bei Schller gezeigten Bild" Die Zuflligkeit des Todes", dem die oben genannte Legende beigegeben ist, auf der groen Dsseldorfer Kunstausstellung von sich reden gemacht hat, zeigt hier neben Erzhlbildern vor allem studienhafte, fast intime Zeichnungen .

Im Gegensatz zu den Farb- und detailschwelgerischen Groformaten bestechen diese Portraits und Akte im knapp gehaltenen Duktus und mit sprlichen Farbakzenten durch die Unmittelbarkeit ihrer Darstellung, die denn auch keine Wortlegenden oder gar flimmernd applizierte Lichtlmpchen ntig haben . Eigenzitate, malerische Fabulierkunst und die schon fast penetrante Selbstdarstellung des Knstlers in der Maske seiner jeweiligen Bildcharaktere treten hier zurck zu Gunsten von scharfugigen Beobachtungen fr wesentliche Charakteristika der Dargestellten .

In dieser Tradition zeichnerischer Darstellung, steht Eichner in der Nhe eines Horst Janssen oder Egon Schiele . Wie sie widmet sich Eichner, gerade auch in seinen weiblichen Aktzeichnungen nicht dem Festhalten uerer Schnheit, immer auch schwingt ein morbider Moment der Auflsung mit, Sinnlichkeit ist nicht therisch, sondern fleischlich direkt dargestellt . Sozialkritik, die in diesen Werken durchaus sprbar ist, ist nicht in den Bereich esoterischer Theorie verbannt, sondern wird ganz handfest dargestellt .

So wie Der Eichner sich in seinen Bildern darstellt, stmmig, krftig, manchmal lstern, jedenfalls von einer direkten Sinnlichkeit und bodenstndig, so ist auch seine Malerei, deren Darstellungen dennoch eine manchmal sogar zrtliche Hingabe an das Sujet nicht vermissen lassen .

1983

Ausstellung in der amerikanischen Botschaft in Bonn

Besuch des damaligen Botschafters George Bush

1983

GENERAL ANZEIGER

Querschnitte einer lebendigen Szene

Haus an der Redoute

von Monika Jhlen

Katalog

einem vllig anderen Geist entspringt das bedeutsame Gemlde von Hellmuth Eichner " Chauvis letzte Fahrt "Er ist seinem hintergrndigem Realismus treu geblieben .

1983

Katalog Bonner Knstlergruppe " Landschaften "

im Haus an der Redoute v. 4 - 24 Sept.

Abb." Sichtbeton einfach " Acryl auf Transparentpapier 155 x 155 cm

1983

BONNER RUNDSCHAU

von Birgit Schnteich

Der Geruch frischer lfarbe zog noch durch die Rume, als die Ausstellung der Werke Eichners erffnet wurde . Just in der Nacht war die jngste Komposition " Gewerkschaftsbasis " fertig geworden . Dr. Hans Schmidt, der Leiter der neuen Abteilung des Rheinischen Landesmuseums Bonn, hielt eine Einfhrung, die er durch eine offene Diskussion mit Eichner ergnzte .Der Knstler, der nach eigenen Worten aus einem inneren Mechanismus aus malt, zeigt in dieser Bilderschau Arbeiten, die grtenteils aus den Jahren 81 bis heute stammen . Viele werden seine groformatigen Bildszenerien, die wie Lehrtafeln ( so ein Ausspruch von Beuys), eindeutig knstlerische Stellungnahmen zu bestimmten Themen aufzeigen, bekannt sein .So sprechen auch einige Werke Themen wie Emanzipation der Frau, Auslnderfeindlichkeit oder der arbeitende Mensch an . In Form von sensiblen Allegorien gestaltet der Knstler seine Leinwnde. So beispielsweise das Bild einer schwarzen weiblichen Figur, die einen Stein aufheben will. Diese Frau sieht Eichner stellvertretend als Bild fr die Frau des 2o. Jahrhunderts an . Flankiert wird diese Darstellung von einem berdimensional anmutendem Abbild eines Steinquaders, das scheinbar mit Klebestreifen befestigt auf dem Bildhintergrund geklebt ist . Die Hinzufgung von gemalten Klebestreifen, die als uere Begrenzung seiner Bildszenerien fungieren, findet sich neuerdings in vielen Arbeiten Eichners .Auch die Einbeziehung textlicher Unterlegung gehrt gerade bei den lbildern zu seinen charakteristischen Merkmalen . Neben lbildern groen Formats sind in dieser Prsentation zahlreiche Mischtechniken auf transparentem Papier zu sehen .In diesen skizzenhaft anmutenden Zeichnungen deutet der Knstler durch akzentuierten Farbeinsatz Schwerpunkte der Bildgestaltung an und erzeugt durch das Bemalen auf zwei Seiten des Papiers eine vllig neue Transparenz der Farbgebung . Man kann gespannt auf groformatige Arbeiten in dieser Technik sein.

1984

Katalog des BBK Bonn 1974 - 1984

eine Dokumentation

Abbildung : " Die Saubermnner " 260 x 18o cm l a. L.

1984

Kunstwerke zusammengepfercht

von Dieter Gerber

Mit einer berraschung wartet " Der Eichner " auf, der sich auf die Spuren von H.A.Schult gemacht hat und in Ksten ausschnitthaft ein Stck Natur mit Strandgut zeigt. Bastelarbeiten, die nicht ohne Reiz sind.....

1984

" Die Wiederkehr des Schnen "

Richard W . Eichler

eine Abbildung auf Seite 257 " Das Jahrhundert des kleinen Mannes ", Seite 358 " Unsere Nachbarn " 1969

Buch

1984

WESTDEUTSCHE ZEITUNG

von Martina Nevis

" Mit Spa bei der Sache" Sehenswerte Ausstellung von Eichner in der Stadt Langenfeld

" Wir knnen unsere Wirklichkeit auf keinen Fall verlassen ",

dieses Zitat hat der Bonner Maler Der Eichner auf den unteren Rand seines Triptychons " Dynamitfischer " geschrieben, das eine ach so heile Urlaubswelt in der gis kritisch beleuchtet .

Aber gibt es nicht nur eine Wirklichkeit, jeder sieht natrlich die Wirklichkeit mit eigenen Augen . Der Eichner beweist, dass er ein feines Gespr fr die Vielschichtigkeit der Welt hat . Mit sinnlich interessantem Blickwinkel betrachtet er die Umwelt kritisch und setzt seine Ansicht dazu in kraftvolle, groformatige Bilder um . Die Aussagekraft reicht von lyrisch - zart gemalten Akten ber Schneelandschaften auf Transparentpapier, bis hin zu sozialkritischen Triptychons zur Arbeitswelt " Kunst und Arbeit, keine Gegenstze " oder " Dynamitfischer ", beide 600 x 200 cm . Alle Arbeiten sprhen Interpretationsmglichkeiten aus . Das Werk " Kleine Kreuzigung" beispielsweise : Eine Wand wird von zwei Anstreichern bemalt . Sie scheinen viel Zeit zu haben, denn sie malen aus Spa ein buntes Kreuz an die Wand, was sie ja schon kurze Zeit spter wieder bermalen mssen . Kreativitt am Arbeitsplatz oder Stiller Protest gegen den der die Arbeit erfunden hat, acht Stunden Wnde nur Wei zu streichen ? ber die Knstler, die von Museen gefrdert werden spttelt er im Bild " Chauvis letzte Fahrt":

" Du kannst tun und lassen in der Kunst, was du willst, so lange es nur keinen Spa macht " .

Wer Sinn fr fantastische Eindrcke hat, dem drfte diese Eichner Schau, ber die der Westdeutsche Rundfunk im Morgenmagazin ausfhrlich berichtete, viel Spa machen .

1984

Rundfunkbertragung am Mittwoch, dem 8 . 2 . 1984 im W D R III in der Sendung " Mosaik " und 8.05 Uhr

Ich sehe vor mir die Abbildung eines zwei mal zwei Meter groen Bildes " Dynamitfischer" Teil I, l auf Leinwand, realistisch gemalt. Im Zentrum dieses Bildes auf dem hinteren Deck eines Kutters steht ein Fischer. Mit breitem, dunklen Gesicht, wachen Augen, krftigen gelben Hosen und grnem, offenem Hemd hantiert er mit Zndschnren und flankiert wird er von zwei - trotz dieser Umgebung in ihren Badehosen auergewhnlich nackt erscheinenden Mnnern mit heller Haut , in scheinbar entspannter Urlauberposition ; der Blick des einen in die Weite gerichtet ; der andere mit verschrnkten Armen, rauchend, unverwandtem Blick . Alles das vor blassblauem Meer und Himmel , mit einer Kstenlandschaft in der Ferne . " Dynamitfischer " der Titel, von dem Maler und Zeichner " Der Eichner aus Bonn ", wie sich der Knstler selbst nennt ; dieses Bild entstand 1981 und ist mit anderen zu sehen zurzeit bis zum 29.2.1984 im Rathaus der Stadt Langenfeld, wobei lmalerei inzwischen nur einen Teil des gesamten Werkes Eichners ausmacht . Hren Sie ber die Ausstellung und ber den Knstler einen Bericht von Klaus Flemming :

Nach einer recht langen Phase mit konzeptueller Sprdigkeit und minimalistischer Strenge scheint der Nachholbedarf in Sachen Malerei immens . Das Stichwort " wilde Malerei " ist allgegenwrtig .

Daneben gibt es freilich eine nicht zu unterschtzende Zahl von Knstlern, die jenseits aller Avantgardestrmungen unbeirrt an Realismusvariationen festhalten, die zwischen fotografischer Genauigkeit und expressiver Vehemenz ein breites Bettigungsfeld finden . Zu dieser eher unaufflligen Gruppe gehrt Hellmuth Eichner, 37 Jahre alt . Eine Ausstellung in Langenfeld, stellt 15 groformatige lbilder, etliche groformatige Zeichnungen und zahlreiche Skizzen und Grafiken vor, und macht deutlich, dass neben den eingangs zitierten Extremen sehr wohl Spielraum fr gegenstndliche Ausdrucksformen existiert . Hellmuth Eichner hat eine lange, wandlungsreiche Entwicklung durchgemacht, bevor er zu einer eigenstndigen Sehweise gelangt ist . Die frhen Bilder weisen ihn als Knstler surrealistisch fantastischer Prgung aus, der versponnene, vieldeutige Szenerien fixiert . Die spten Sechziger Jahre sehen ihn als Maler grokpfiger, eigentmlich introvertierter Menschengestalten, die gelegentlich sozialkritische Tne anklingen lassen .Spter entstehen Motive, die Parallelen zu den Berliner Realisten aufweisen und z. B. " Rocker " thematisieren .Im Jahre 1981 fand Eichner schlielich zu einem Zeichengrund und damit zu einer Gestaltungsweise, die alle Vorformen zu Fingerbungen degradiert .Die Anregungen zu solchen groformatigen Zeichnungen, von denen in Langenfeld etliche zu sehen sind, bekam der Knstler, wie er selbst erlutert, als Vorstudien zu lbildern , Zitat Eichner :

" Der Ursprung dieser Zeichnungen geht auf lbilder zurck, in denen der Inhalt nicht ganz fertig gemalt war, die weie Leinwand stehen blieb und diese mich tagelang fasziniert hatte . Ich habe natrlich vor den lbildern auch Skizzen angefertigt, diese aber nicht allzu wichtig genommen. Mehr spielerisch habe ich dann diese Zeichnungen vergrert und mit Acryl und Wasserfarben bearbeitet .

Dieses arbeiten auf Transparentpapier hat meine Fantasie beflgelt und mich zu ganz neuen Ergebnissen gebracht, ich konnte, in dem ich von beiden Seiten malte, ganz neue Effekte, zwischen matten, starken, leicht durchschimmernden und brillanten Farben herstellen . Ich konnte, im Gegensatz zur reinen Leinwandmalerei, spontaner arbeiten ." Spontaneitt ist dann auch das augenflligste Kriterium, das aus diesen Zeichnungen spricht . Im Gegensatz zu den kompakten, von dichten lfarben zugemalten Gemlden, sind die Zeichnungen auf Transparentpapier leicht, zart, vieldeutig. Hier erlauben sich Leerflchen, Aussparungen, setzen wenige Schwerpunkte und lassen diese von Freiflchen umgeben sein . Der Transparenz des Zeichengrundes entspricht eine Transparenz des Farbauftrages . Die zarten Pastellfarben der Stifte, die feinen Aquarellverlufe, die an und abschwellenden Bleistiftkonturen und die deckend weien Partien treffen sich mit der vieles angedeuteten und wenig fixierenden Transparenz des Papiers . Das Weglassen und Erahnen hat Methode . Hinzu kommt, dass das Papier selbst auf die Bearbeitung des Drucks, Wasser und Kollagenelemente reagiert . Es wirft Beulen, wird verzerrt, bildet Reliefs und Knitterspuren . Aus der vormals glatten Flche wird ein schrundiger Corpus, fast ein Objekt, das sich nicht mehr so ohne weiteres hinter die Glasscheibe eines herkmmlichen Bilderrahmens zwingen lsst . Diese lappigen, auch an den Rndern unregelmigen Gebilde, wollen an die Wand gespickt werden, wenn sie nicht gar in flache Plexiglasscheiben vorgefhrt werden . " Hellmuth Eichners Zeichnungen sind immer noch realistisch . Sie sind realistisch in Darstellungsform wie Motivwahl, allerdings nicht eindeutig im Sinne schlichter Realittswiedergabe . Zu oft lassen Details Hintersinniges, ja Monstrses, Feindliches ahnen . Dennoch zeigen etliche Motive auerordentlich handfeste, in der Kunst unserer Zeit nicht eben hufig anzutreffende, Sujets, solche aus der Arbeitswelt nmlich . Zu dieser Verbindung von Kunst und einer sehr profunden Form des Lebens, der Arbeit, meint Eichner :

" Ich bin der berzeugung, dass Kunst und Arbeit keine groen Gegenstze sind ; der arbeitende Mensch hat etwas Faszinierende, etwas Knstlerisches . Ich gehe in Werksttten, atme den Geruch von Leim und len, beobachte Schreiner, Maurer und entdecke bei guten Handwerkern die gleiche Konzentriertheit wie bei mir whrend der Arbeit. Ein guter Handwerker ist dem Knstler verwandt, nur macht er eine zielgerichtete Arbeit, whrend die Arbeit des Knstlers mehr philosophisch ist ." Gerade diese Zeichnungen, die gelegentlich skizzenhaft, ja unfertig wirken, lassen auch den Arbeitsprozess des Knstlers deutlich werden . Was bei der lmalerei hinter der glatten Oberflche verborgen wird, die Handschrift, der Duktus von Stift und Pinsel, tritt in den Zeichnungen offen zu Tage .

Klaus Flemming ist heute Direktor der Kunsthalle in Kln .

1985

Eichner und die Frage nach der Wirklichkeit

Bei Wnsche Vorstellung eines Buches ber den Bonner Maler Eichner

Einer der Hhepunkte zum 25. ten Geburtstag der Galerie Wnsche ist zweifellos die Vorstellung des Buches am morgigen Sonntag . Es stammt aus der Feder von Dr. Hans Tuchel und ist dem Maler Eichner gewidmet .

Ungewhnlich ist das Buch aus zwei Grnden, einmal stellt es das Euvre Verzeichnis fr einen Knstler dar, der noch keine 4o Jahre alt ist, welchem Maler schon ist eine solche Ehre widerfahren ?

1985

Ausstellung in der Galerie Wnsche , Bredershof

Zum anderen reiht sich der Bonner Verlag Grundmann hiermit in die Reihe der Kunstbuchverleger ein . Man sprt, dass Eichner auch fr Tuchel ein knstlerischer Koloss bleibt, in den es schwer ist einzudringen . Doch er findet Zugang auch zu den innersten Antrieben des Knstlers, auch zu dem Moralisten in ihm :

Dieser im besten Sinne moralische Antrieb bestimmt Eichners Arbeiten von den ersten Anfngen mit ihren noch dem Amorphen zugeneigten Strukturen ber die aufgeblhten Hupter auf fragilen Leibern in der Grokopfphase bis in die gesellschaftskritisch deutbare Thematik der Siebziger Jahre und die mehr oder minder verschlsselten Allegorien der letzten Jahre, die immer strker sich um die Rck - oder Wiederkehr des Schnen bemhen

1985

Dr.Frank Zehnder

Wallraff Richartz Museum Kln

Hellmuth Eichner, bekannt geworden als der Eichner gilt nicht zuletzt als der groe Satiriker unter den bedeutenden Malern und Zeichnern der zeitgenssischen Kunstszene . Seine bereits internationale Ausstrahlung verdankt er einer exzellenten Maltechnik ., hintersinniger Ironie, gepaart mit einer gesunden Portion Sarkasmus und einer enormen Kraft des Ausdrucks, die das Wesentliche ins Auge fasst . Dem vielfltigen Charakter seiner Objekte und Gestalten entspricht die reich facettierte, auf verschiedenen Ebenen der Deutbarkeit angesiedelte Formensprache . Eine Malerei bar aller Mtzchen und ideologischen Scheuklappen zieht den Betrachter in ihren Bann, befreit seinen Blick fr die immer noch - oder bereits wieder - zentralen Qualitten knstlerischer Welt und Menschendeutung, die deutliche Kritik an den Ungereimtheiten des Lebens uert sich nie verletzend, bleibt vielmehr aufgehoben in verstehende Humanitt, kluge Gelassenheit . Damit fhrt diese Kunst ber jeden inzwischen zum Schlagwort degenerierten " Kritischen Realismus " hinaus . Entscheidend bleibt, dass dieser Knstler sich selbst in seine Werke mit einbezieht . Das Aufzeigen von Problemen oder Missstnden bleibt eingeschlossen in die Sympathie eines Mitbetroffenen . Hellmuth Eichner bildet nicht ab, er setzt allererst ins Werk. Dabei vergisst er nicht die reich gestufte Palette moderner Erotik, die zum Sex verkam und in ihren mitunter hchst sonderbaren Bizarrerien grotesk erheiternd wirken kann . sthetik wird Erkenntnis, wie sie es ursprnglich bei den Griechen auch war . Dennoch kommt auch der schnen Schein zu seinem legitimen Recht, gelangt des Lebens farbiger Abglanz zum Vorschein . Die auerordentliche Originalitt dieses Knstlers, einer starken Persnlichkeit, haben es vermocht, ihn von Zeittrends und Modestrmungen fernzuhalten und seinen Bildwahrheiten auch gegen zeitweilig hchst widrige Konstellationen zum Durchbruch zu verhelfen . Sein Publikum dankt es ihm seit 1966, der ersten groen Ausstellung des Neunzehnjhrigen in der Klner Galerie Gmurzynska unter dem Thema " Traum und Wirklichkeit ", wo er bereits neben berhmten Namen wie Hans Bellmer, Dali, Max Ernst, Rene’ Magritte und Franz Radziwill prsentiert wurde ..

1985

Gegen die Kunstmafia durchgesetzt

von Horst Roland

Ein Ausstellung in der Galerie Getwinc gibt Einblick in das Schaffen eines deutschen Realisten.

Menschen, Landschaften und Strukturen in diesem knstlerischen Bereich sucht sich Hellmuth Eichner seine Themen . Liee man diese Bestandsaufnahme so stehen, mchte man Belanglosigkeit vermuten . Das dem keinesfalls so ist, machen am nachdrcklichsten jene Arbeiten deutlich, die gesellschaftliche Realitt zu erfassen versuchen . Das knnen Szenen am Bau sein, arbeitende Anstreicher etwa oder sozialkritische Arbeiten zum Thema Frau als Lustobjekt und Pornografie .

" Zwischendurch sind sie Knstler und malen mit schwarzer Farbe Zeichen des Zufalls, schon mehr als nur Zufall, denn kreuzigen knnten sie den, der die Arbeit erfunden hat, farblose Flchen streichend zu frben . Monotonie in Pastell....

Ringsherum vollgeschrieben mit Gedanken zur Kunst und der Situation des Knstlers in unserer Gesellschaft sind viele neuere Bilder . Ganz und gar unkonventionell ist das Papier, auf das Eichner mit Bleistift, Acryl oder Wasserfarben oder alles gleichzeitig, zeichnet oder malt : Transparentpapier wie wir es aus den Bros von Architekten her kennen . Es wirft, wenn es nass wird, zwar Wellen, aber die nimmt Eichner bewusst in Kauf und setzt diese Zuflligkeiten bewusst ein um Effekte zu erzielen, die er mit normaler Leinwand nicht erzielen kann. Schnheit ist etwas, zu dem sich Eichner rckhaltlos bekennt, vor allem seine Landschaften und in den erotischen Akten . Schnheit, meint er, in realistischer Darstellung .sthetischer Genuss ist nur die vordergrndige und dennoch zweite Ebene seiner Werke . Realitt ist fr Eichner nicht nur der Einsatz erkennbarer Formen fr ein Sujet, sondern vor allem der bildinterne, geistige und kritische Umgang mit dem Bildgegenstand, die Analyse des Abgebildeten im Zusammenhang mit dem Gedachten und darber hinaus, Quintessenz, sein persnlicher Beitrag zu einer Gesamtschau menschlichen Verhaltens und menschlicher Verhltnisse . Von einer Bilderbuchkarriere kann bei Eichner trotz vieler Erfolge in seiner Jugend nicht die Rede sein, dazu hat er sich bewusst mit zu vielen Kunstvermittlern auseinandergesetzt, die in seinen Augen vergessen " wer die Kunst eigentlich macht und wer sie nur vermarktet oder beurteilt " Konfrontation mit weltanschaulichen und moralischen Positionen erzkonservativer Prgung fhrten 1967 zu einer Anzeige wegen " Gotteslsterung " und Gerichtsverhandlung vor einem Klner Gericht und zu einem Wochenlangen Ausschluss aus der Klasse von Professor . Kadow an den Klner Werkschulen, wegen Blasphemie in seinem Bild Mutterschaft aus der Retorte .Solche Konflikte fhrten zwar nicht zur Resignation, jedoch zu einem Rckzug aus dem Kunstgeschft . Eichners Wirklichkeitsschilderung verzichtet auf politisch ideologische Analyse, sie entspringt tiefster Emotionalitt . Sensibel reagiert hier ein Knstler auf Erschtterungen unserer Zeit mit Allegorien, in die er sich selber durchaus mit hineinbezieht . Nicht zufllig lassen die Konterfeis der Chauvis selbstportrtierte Zge erkennen .Gerade um die Arbeiten ab 1981- und um solche handelt es sich in der Zwingenberger Ausstellung . arbeitet Eichner die Ergebnisse seiner Versuche mit unterschiedlichen Realittsebenen auf . Er versucht, durch Bilder im Bild die verschiedenen Dimensionen vom Wirklichen sichtbar zu machen . Auch technisch greift er auf frhere Erfahrungen zurck . hnlich seinen Bildern aus der weien Periode in den Jahren 79 bis 81 fehlt die kompakte Farbigkeit ausgemalter Flchen . Nur die wesentlichen Einzelheiten wie Gesichter und Hnde sind detailliert ausgearbeitet, whrend andere Bildteile nur mit sparsamen Strichen skizziert wurden . Farben sind auf ein kleines Spektrum reduziert .Wo immer mglich deutet Eichner nur an, statt vollends auszufhren .

1985

Das rollende Atelier in Bonn

von R . B . BONNER GENERAL ANZEIGER

Die auf transparentem Untergrund gezeichneten und gemalten Werke von Hellmuth Eichner lassen in ihrer realistischen, vielfach frappierenden Gegenstndlichkeit Bitterkeit und Zynismus verspren " Immenburgstrae No. 17 Bonn " beispielsweise ist eine beraus bse jedoch treffend provokante Allegorie des horizontalen Gewerbes am Schlachthof in Bonn .

1985

Dr. Hans Tuchel

" Hellmuth Eichner oder die Frage nach der Wirklichkeit "

Das Schaffen des erst 40-jhrigen Eichner gilt nach Umfang und Qualitt den Kennern seiner seit rund zwei Jahrzehnten bereits die Szene belebenden Kunst schon geraume Zeit als Meilenstein in der Entwicklung des Neuen Deutschen Realismus . 1981 erschien eine Zwischenbilanz als Knstlerbiografie in Verbindung mit der Bilddokumentation aus drei vorausliegenden Jahren und schloss mit der bemerkenswerten Feststellung : " Eichner hat in seinem Bestreben, die Dialektik von Form und Inhalt in den Griff zu bekommen, eine neue Qualittsstufe erreicht ". Obwohl dieser Knstler heute zu den wichtigsten Reprsentanten der Realismus - Szene in der Bundesrepublik rechnet, in zahlreichen privaten und ffentlichen Sammlungen des In und Auslandes vertreten ist und ber Anerkennung und Erfolg keineswegs klagen kann, wie der Europapreis 1973 sowie die seit 1976 regelmige Teilnahme an der Groen Dsseldorfer Kunstausstellung beweisen, hat er doch zunchst bescheiden im Alter von erst 19 Jahren als Autodidakt begonnen, allerdings mit drei Ausstellungen in rascher Folge . Man fhlt sich erinnert an die knstlerische Entwicklung von Antoni Tapies, der als Jurist begann und erst anschlieend - gleichfalls autodidaktisch - zur Malerei fand . Schon in jungen Jahren entschied sich Hellmuth Eichner fr den Knstlernamen " Der Eichner " und pflegte spter seine Werke auch entsprechend zu signieren, blieb allerdings bis heute nicht durchweg bei diesem Verfahren . Die Schulkameraden hatten ihn bereits unter diesem Krzel rubrifiziert und hernach bernahmen jene Personenkreise, mit denen er in Kontakt geriet, die gleiche Formel . Das bequeme Etikett erleichterte die Kommunikation, auf die Eichner besonderen Wert legt, und schuf paradoxerweise zugleich Distanz, stieg auf zum Marken und Gtezeichen : a Star was born . hnlich sprach man auch in frheren Zeiten von der " Duse " oder vom " Duce ", wenngleich ohne jeden spielerischen Beiklang des Understatements. Spter lebte der Knstler zeitweilig in der alten Schule von Sankt Augustin Mlldorf im Bannkreis eines grozgig konzipierten Ateliers . Der dortige Gemeinderat war von der Qualitt der hier entstandenen Werke so stark berzeugt, dass man sie gerne mit der Pacht verrechnete . Seit einigen Jahren hat " Der Eichner " in Wachtberg bei Bonn in prominenter Lage ein ihm besonders zusagendes Refugium gefunden, seinen " locus amoenus ", mit weitlufigem Gelnde und zwei eigens angelegten Biotopen : Hinweis darauf, wie sorgsam und umsichtig dieser Knstler mit der uns anvertrauten Natur verfhrt. Deutliche Spuren dieser Haltung finden sich auch in seinen Werken, etwa im Bereich der " Schamgegenden " .Bereits seit 1966 erschienen ber Hellmuth Eichner zahlreiche Verffentlichungen in verschiedenen Zeitschriften und Zeitungen . Renommierte Galeristen wie Gmurzynska in Kln kauften seine Werke an . Es folgten die Sammler . Auszeichnungen und Medaillen lieen nicht auf sich warten . Eigene Handschrift wurde ihm bescheinigt und eine erfolgreiche knstlerische Laufbahn prophezeit . Die Voraussagen sind eingetreten . Inzwischen hat sich Eichners Knnen durchgesetzt und gilt als eigenstndige Stimme der deutschen Gegenwartskunst . Dies berrascht umso mehr, als sich der Eichner nie angepasst hat, eher " arebours " gegen den Strich gebrstet, arbeitete, gegen alle Anfeindungen, die ihm keineswegs erspart blieben, nonkonformistisch blieb und den ihm einmal als richtig erkannten Weg konsequent weiter beschritt . Mehrmals musste er die Akademie verlassen, nicht nur wegen der als unpassend empfundenen Sujets seiner Bilder, so genannter " Anstigkeiten ", wie sie ja auch schon einmal vor vielen Jahrzehnten dem jungen Max Ernst vom damaligen Oberbrgermeister Konrad Adenauer vorgeworfen wurden, der eine Madonnendarstellung des Brhler Malers und Klner Sezessionisten ganz offiziell aus der Ausstellung entfernen lie ( in Eichners Fall trat ein Oberstudienrat privatklgerisch in Erscheinung, wenngleich ohne Erfolg ), sondern vor allem mit Blick auf den damals schwerwiegenden Umstand, dass Eichner es wagte, strikt gegen den Zeitgeist und Tagesmoden neofigurativ zu malen, den Bereich dargestellter Gegenstndlichkeit schpferisch zu erweitern, kritisch zu durchleuchten, mit frischem Sinngehalt zu fllen, und das in einer Epoche der deutschen Nachkriegskunst, die von solchen Dingen partout nichts hielt und wissen wollte . Doch zurck zu den Anfngen .Bemerkenswert bei Eichner, der am 15. Mai 1946 in Schnenberg/Ruppichteroth ( Brhltal ) im Siegkreis geboren wurde, will die Tatsache erscheinen, dass bereits seine frhe Teilnahme an einer Gruppenausstellung unter dem Thema " Traum und Wirklichkeit " in der einflussreichen Klner Galerie Gmurzynska vom 18. 11. 1966 bis zum 15. 1. 1967 betrchtliches Aufsehen erregte . Vorauf gingen im gleichen Jahr zwei Einzel- Ausstellungen : eine in Hoffnungsthal, die andere bei der Galerie Mller in Bensberg . Der Klner Katalog gibt Aufschluss ber den angestrebten Zusammenhang . Im Vorwort erscheint bezeichnender- weise AndreBreton mit Auszgen aus seinem Buch " Le Surrealisme et la Peinture ", in der deutschen bersetzung entnommen aus Patrick Waldbergs " Der Surrealismus " in der Klner Ausgabe von 1965 . Bei Gmurzynska hingen Eichners Frhwerke zwischen Arbeiten so berhmter Knstler wie Hans Bellmer, Victor Brauner, Salvadore Dali, Paul Delvaux, Max Ernst, Rene Magritte, Joan Miro und Francis Picabia, alle , neben verschiedenen anderen unter dem Generalthema " Traum und Wirklichkeit " versammelt . Eindeutig gibt sich die vorgenommene sthetische Klassifizierung zu erkennen. Eichners Bilder aus jener Zeit werden noch weitgehend dem Umfeld des Surrealismus zugeordnet, mit Recht, wie der Augenschein lehrt . Arbeiten wie " Die Frau ber der Maske des Geliebten " 1965 "Inri "1967, die " Seele" 1966 und " Selbstportrait in der Glaskugel "1967 reden eine vorwiegend surrealistisch getnte Sprache . Aber auch eine gewisse grblerische, selbstanalytische , mit religiser Problematik verknpfte Haltung drckt sich in diesen Werken aus . " Ruinses Christentum " bricht auf und artikuliert sich mit einem gewissen Hang zum Mythisch - Mystischen . Der Weg zu bestimmten Konfigurationen des " magischen " Realismus scheint nicht fern . brigens lernte Eichner im Umkreis dieser frhen Klner Prsentation seiner Werke den Zeichner Hartmut Linke sowie den polnischen Knstler Jean Lebenstein kennen, die ihn beeinflussten und mit namhaften Sammlern bekanntmachten . In den folgenden Jahren manifestierte sich sein knstlerischer Werdegang als unablssiger Kampf mit etablierten Kreisen und Cliquen, die der Knstler selbst gern als Kunst Mafia bezeichnet . Der Grund fr diese unruhige Entwicklung lag, wie bereits angedeutet, nicht so sehr im nonkonformistischen Antrieb einer selbstbewussten Knstlernatur, eher in der prononcierten Hinwendung zum Neofigurativen, das den damals meinungsbildenden Medien und den darin sich artikulierenden Kunstfunktionren nicht opportun dnken wollte . hnliche Fragestellungen und Frontverlufe kennen wir auch aus anderen europischen Lndern . Die Nuova Figurazione Italiens oder die Nouvelle Figuration Frankreichs bis hin zu den Neuvelles Realites und dem Nouveau Relisme lagen allesamt in Fehde mit den zu ihrer Zeit tonangebenden Tendenzen des Informel, eines lyrischen Expressionismus, des Action Painting und Tachisme, oder wie immer man diese Strmungen zu nennen beliebt . Man hat hufig darauf hingewiesen, dass sich in der Nachkriegszeit kaum eine Stilrichtung mit massiverer Kritik auseinander setzen musste wie gerade die der figurativ orientierten Neorealisten, die sich immerhin auf die bedeutenden Kpfe der neuen Sachlichkeit aus den zwanziger Jahren berufen konnten, deren Bestrebungen ihrerseits bis in den " neutralen " Realismus des 19. Jahrhunderts etwa bei Leibl, zurckzuverfolgen waren . Als Hellmuth Eichner 1967, genau ein Jahr nach seinen Aufsehen erregenden Anfangserfolgen als Autodidakt, an der Fachhochschule Kln bei den Professoren Kadow, Marx und Will das Studium aufnahm, erlebte er die Konflikte als selbst Beteiligter und heftig Befehdeter . Kommilitonen und Lehrer standen der Entwicklung seiner spezifischen Formensprache, die sich nicht als bloe Mimensis, dargestellte Wirklichkeit, auffasste, vielmehr eine kritische Analyse des real Bestehenden anstrebte, verstndnislos bis feindselig gegenber . Eichner war seiner Zeit voraus . Die Mitte der sechziger Jahre wurde noch stark geprgt vom " art autre" der Nomenklatur und Praxis des vorzugsweise von Michel Tapie’ lautstark propagierten und durchgesetzten Informel , bei dem sich allerdings die ursprnglich revolutionren Errungenschaften des 1963 verstorbenen " perle de Informel ", Jean Fautrier, unter den Hnden der Epigonen, auch in Deutschland, lngst zu bloen Verfahrensmustern abgeschwcht hatten und von der ursprnglich dem informellen Ansatz inne gewohnten Sprengkraft nichts brig geblieben war . Die bedingungslose Festlegung auf das " Abstrakte ", jene Zeichensysteme und Rhythmen, die man als unmittelbaren Ausdruck mentaler Vorgnge ansah, fhrte allmhlich in eine, von vielen Knstlern durchaus als solche erkannte und artikulierte Sackgasse . hnlich fern hielt sich Eichner in jngerer Zeit von der rasch zu den Akten gelegten Tagesmode der " Neuen Wilden ", einer kuriosen Neuauflage " Preuischer Schnellmalerei ". Solche Eintagsfliegen des Kunstbetriebes sind immer wieder im Laufe der Geschichte Paradebeispiele dafr, wie das kommerzielle Interesse Trends in die Welt setzt und Kufer nebst Sammlern zu stimulieren versteht, wobei eine willfhrige "Kritik " krftig mitzieht . Der New Yorker Handel witterte den Niedergang der " Abstrakten " brigens seinerzeit als erster. Gleichzeitig ereignete sich in jenen Jahren des Umbruchs eine fr die folgende Entwicklung entscheidende Verlagerung des Weltzentrums moderner Kunst von Paris nach New York . Im amerikanischen Kunst Mekka begann man sich energisch mit Marcel Duchamp und Dada auseinanderzusetzen . Die " Pop Art " trat ihren Siegeszug um die Welt an . Selbstverstndlich wurde in diesem Zusammenhang auch die Frage nach dem " Realismus "in der Kunst neu gestellt. Man muss allerdings Carl Vogel beipflichten, wenn er meint, dass dieser eher kulturpolitisch eingesetzte Kampfbegriff fr die Beschreibung eines Kunstwerkes wenig geeignet erscheint ( so noch in seinem Beitrag zu " Andy Warhol - das grafische Werk "1962 - 1980, Bonn 1982 ). Gerade beim international abgesegneten Pop-Zaren Warhol fllt auf, dass er oft genug antirealistische bis abstrakte Elemente in seinen Werken aufscheinen lsst und ihnen damit einen unwirklich anmutenden Charakter leiht . In diesem Zusammenhang sei die Polemik nicht verschwiegen, die Richard W. Eichler in seinem Werk " Die Wiederkehr des Schnen "( Pldoyer fr eine Kunst mit Zukunft . Mit einem Vorwort von Hellmut Diwald, Tbingen, Grabert, 1984) , einem Buch, dass auch zwei Werke von Eichner aufgenommen hat, gegen das Phnomen der Pop - Art in Gang setzt unter dem Namen " Der alte Ober Dada kann nicht sterben " ( o. c. S. 157 ff ) und sie den Machenschaften des " Kunstnihilismus " zuschreibt . Dennoch bleibt berlegenswert, dass diese den Charakter der Weltkunst fundamental wandelnde Richtung entscheidend von einer Handvoll renommierter New Yorker Avantgarde - Galerien durchgesetzt wurde . Aber, so liee sich fragen, wer hat schlielich im vorigen Jahrhundert die Impressionisten durchgesetzt ? War das nicht etwa auch ein bedeutender Hndler ( Durand Ruel )? Handelt es sich hier gleichermaen um " Kunstnihilismus "? Betreibt der Impressionismus gar die Selbstauflsung der Kunst ? Es liegt bekanntlich im Wesen der Polemik, dass sie bertreibt, bei dem Bade ausschttet und fr differenziertere Betrachtungsweisen wenig geeignet scheint . Hellmuth Eichner hat sich im brigen stets gewehrt, auf Errungenschaften der New Yorker Pop-Szene bezogen zu werden . Allenfalls lsst er einen gewissen Einfluss von Tom Wesselmann("Great American Nude ") gelten, den indessen Eichler ( o. c. S. 294 ) dem " pseudomodernen Kitsch " zugeordnet . Man ist eher geneigt, bei Anregern oder Vorformen an Klapheck oder Lindner zu denken, wenngleich auch hier die Unterschiede deutlich ins Auge fallen . In einigen ganz frhen Werken Eichners lauert sicher auch noch die Falle des " manieristischen Expressionismus ", eine gewisse Anlehnung an den Requisitenfetischismus der Surrealisten . Der Knstler hat jedoch diese Gefahr relativ rasch erkannt und sinnvoller Wege eingeschlagen . hnlich zwiegesichtig wie Wahrhols Verhltnis zur Wirklichkeit bietet sich Eichner Einschtzung realistischer Darstellung . Die Prsentation des als real Empfundenen impliziert bei ihm immer schon dessen Analyse und Interpretation . Das Objektive ist vom Subjektiven nicht zu trennen, vielmehr auf es bezogen . Gerade Hellmuth Eichner schpft immer wieder aus persnlicher Erfahrung, individuellem Betroffensein, konkreter eigener Anschauung der Phnomene und Zustnde, die sein von der " formfordernden Gewalt des Nichts ", der Magie der" feuille blanche ". Allmhlich prgen sich in seinem Werk bestimmte Topoi, Versatzstcke, typische Aspekte aus, so etwa noch in den sechziger Jahren die fr die folgende Zeit kennzeichnenden bergroen Kopfformen . Deformierte Gestalten in der Art eines " puer senex " fllen das Bild . Wir erblicken grotesk bersteigerte Kindskpfe mit zugleich greisenhaften Zgen, wchsern wirkenden Physiognomien, uerst glatt, maskenhnlich, mit hoher Stirn, fast wie Wesen von einem anderen Stern, bislang noch nicht entdeckte Varianten, Mutationen der menschlichen Spezis . Ein gewisses " taedium vitae " , Melancholie, " acaedia " , Frustration, aber auch unglubiges, hilfloses Erstaunen bestimmen die Zge . Im Laufe seines akademischen Studiums wechselte Eichner von Kln an die Dsseldorfer Kunstakademie zu Beuys und Prof. Sackenheim . Aus Anlass des Gttinger Kunstmarktes 1974 schrieb Monika Zimmermann rckblickend in richtiger Einschtzung der Entwicklung des Knstlers seit 1966 : " Weiter anhaltend ist die Tendenz weg von der abstrakten zur gegenstndlichen Malerei. Der so genannte " Neue Realismus " ist auf diesem Kunstmarkt mit Werken vertreten, die sicher zu den bemerkenswertesten der ganzen Ausstellung gehren . Dies gilt in besonderem Mae fr die Bilder des " Eichner " aus St. Augustin bei Bonn . Dem Eichner ist es gelungen, im Stil des von Amerika nach Europa gekommenen " Neuen Realismus " zu malen, ohne auch gleich die amerikanischen Bildinhalte zu bernehmen, sondern vom Thema her speziellen deutschen neuen Realismus zu prgen . Nicht Konsumkritik wie meistens, sondern sozialkritische Betrachtung zum Beispiel des Lebens auf einem Bauernhof wie in dem Bild "Groknigsdorf- Impression " bestimmen die Inhalte seiner Bilder . " ( zitiert im Katalog " Der Eichner - Malerei und Grafik 1964 - 1974 " ) mit der Entwicklung vom noch surrealistisch beeinflussten Autodidakten zum Realisten mit kritischer Perspektive ging ein sprbarer Gewinn an technischer Sicherheit, gedanklicher Klarheit und prziser gefasster Themenstellung einher . Die vielversprechenden Anfangserfolge steigern sich zu solider malerischer Meisterschaft. Kunst bleibt bei ihm auf Knnen und Knden bezogen . Eichner gelang es hierbei von Anfang an, eine Sonderstellung gegenber dem allgemeinen Trend der Neuen Figuration zu erringen und zu behaupten . Die Mehrsinnigkeit von Beziehungen zwischen den einzelnen Elementen der Wirklichkeit, die zunchst durchaus destruktive und deformierende, selbst " chaogene " Komponenten enthielt, verlor ihren unsteten, schweifenden Charakter und erreichte formale Balance, tektonische Harmonie . Der analytische Blick des sensibilisierten Knstlers bndigte die zunchst oft genug bestrzenden und erschreckenden Themen zu berzeugender Gestalt, schuf ihnen die formale Synthese . Es scheint, als leite ein Vers aus Goethes Xeniennachlass Eichners Schaffen : " Was ist das Schwerste von Allem ? Was dir das Leichteste dnket . Mit den Augen zu schaun, was vor den Augen dir liegt " . Die erkennende Anschauung oder anschauende Erkenntnis Eichners richtet sich auf scheinbar Alltgliches, das in seiner Fragwrdigkeit optisch bewusst gemacht wird . Hier liegt einer der wichtigen Unterschiede zur amerikanischen Pop Art . Das Sichtbare offenbart zugleich seinen geheimen Hintersinn . Ab einem gewissen Zeitpunkt in seiner Entwicklung fasziniert Eichner bezeichnenderweise der Stumpfsinn der " loci communes " , der immer schon fraglos bernommenen Gemeinpltze und rethorischen Schemata . Metaphern und Allegorien stellen sich ein, gar eine bestimmte Neigung zu Emblematischen und fast barock anmutenden Sinnsprchen, die in ihrer Trivialitt entlarvt werden . Umschreibungen der mit dem Terminus Intersubjektivitt bezeichneten Problematik werden sichtbar, die Grundfragen zwischenmenschlichen Fhlens und Denkens gestellt . Das ureigene persnliche Erleben liefert stets den Ansporn fr die bildnerische Ttigkeit . Auch hier wird - wie bei Flaubert - das Leben, die Wirklichkeit, durch ein Temperament, ein Bewusstsein, gefiltert, gebrochen, reflektiert, gestaltet . Der ganz und gar immanente Charakter des Dargestellten lsst Abgrnde ahnen, die ber es selbst hinausweisen . Eichners Zivilisationskritik richtet sich wie Voltaires Leibniz - Polemik gegen die bequeme Vermutung einer prstabilisierten Weltharmonie . Klfte, Verwerfungen, Widersprche drngen sich auf . Bisweilen finden sich noch Erinnerungen an frhere Versuche mit dem Surrealen und seinen Fetischobjekten, so etwa Violinen, denen die Gestalt menschlicher Krper zuwchst, hnlich wie in dem vielsinnigen " Violon d Ingres " von Man Rey . Dadaistische Relikte beleben die im brigen de, recht trostlos erscheinende Bildebene, die in einem Unendlichkeitshorizont zu mnden scheint : vereinzelte Blumen, Puppen, drres Astwerk, Schreib und Tischgert . Allerdings hat Eichner selbst immer energisch bestritten, trotz des Werkcharakters der frhen Jahre mit dem echten Surrealismus vergleichbar zu sein . Eine solche Perspektive hlt er im Blick auf sein eigenes Schaffen nicht fr angemessen . In der Tat kennt er keine automatische Schrift, kein Diktat des Unterbewusstseins, wie es Andre Breton als Chefideologe dieser zunchst rein literarischen Richtung ab 1921 proklamierte . Eichner schpft auch nicht aus Archetypen oder onirisch traumatischen Tiefen des Es ; vielmehr richtet sein zweifelndes Ich bewusst den Blick auf die Welt der Erscheinungen, der Dinge oder Worte, die ihn erregen, zum Widerspruch herausfordern . Er sieht die Gefahr des vorgestanzten, Stereotypen, Prformierten in unserem Verhalten, wobei er sich selbst keineswegs ausschliet, vielmehr mitmenschlich, solidarisch bleibt, sich in die verschiedenen Formen der Kritik mit hineinversetzt . hnlich wie Heidegger scheut er das " Gerede ", das echtem Sprechen, wirklicher Sprache, immer schon im Weg steht, Erkenntnis verbaut, bedrohliche Situationen heraufzubeschwren und den Menschen sogar zu zerstren vermag . Die Sprache kann in ihrer negativen Variante das Denken verraten, als dessen Vehikel sie fungieren sollte . Dieser Knstler fhlt sich von den "praeiudica " den Vorurteilen, in Unruhe versetzt, beeintrchtigt, in die Enge getrieben . Gerade seine Klarsichtigkeit indessen belsst den Gegenstnden und Personen eine gewisse Magie, den Schleier des Rtselhaften, nicht vollstndig Entschlsselbaren. Bis in die Werke der allerletzten Zeit lsst sich durchaus eine gewisse hermetische Komponente in seinem Schaffen feststellen, sogar noch bei den Paraphrasen von Gemeinpltzen . Umgangsprachliche Versatzstcke wie " Wir sind doch deine frhliche Jugend Europa ", " Wir wissen genau, dass da hinten ein Unfall geschehen ist ", " Es ist so liebe Schwester ", " Unser Junge soll Schlosser werden " u. . werden als wohlfeile Worthlsen entlarvt und ad absurdum gefhrt . Allerdings enthlt das jeweilige Bild einiges mehr . In seinen zahlreichen Bezglichkeiten und Anspielungen bieten sich noch weitere Bestimmungskonstanten, die sich nie restlos in Transparenz auflsen lassen . So bleibt auch hier das Geheimnis der Form letztlich gewahrt . Der Betrachter wird nicht mit trivialer Eindeutigkeit gespeist, sondern zu Eigenstndigem Weiterdenken angeregt .Das Personal, an dem Eichner die von ihm als Ungereimtheiten empfundenen Situationen und Verhltnisse vorfhrt, gehrt zu des Knstlers eigenen Generation, ist seine zeitgenssische Entourage . Horst Richter hat auf die Besonderheit der maskenhaften Starre der Physiognomien in den Bildern bis etwa 1970, Gesichter, die wie lebendig- tot wirken, allerdings auch auf das katzenhaft Lauernde im Ausdruck, das Stereotype der Mimik, ein scheues sich verschlieen und nicht ganz Verstehen, das geradezu kreatrliche Wittern der Gefahr, eine krankhafte Blsse, in der geheimer Erotismus, selbst Wollstiges, mitschwingen mag ( in : Hellmuth Eichner - lgemlde ", Katalog der Offenbacher Ausstellung vom 10.3.1970 bis 5.5.1970 ).Prekre Grenzzonen verbinden sich in den ausklingenden Sechziger Jahren bisweilen noch mit biblischer Thematik ( Salome, Unbefleckte Empfngnis ) und streifen fast den blasphemischen Bereich . Die mit diesem Vorgehen verknpften, mitunter banalen, Anzglichkeiten hat Eichner in der Folgezeit fallengelassen und durch berzeugendere Verfahren ersetzt . Gleichfalls bereits in den spten Sechzigern lsst sich bei diesem Knstler eine Tendenz zum Triptychon erkennen, allerdings nie vorausgeplant, eher dem " natrlichen Prozess "der Bildherstellung folgend, wobei eine Vorstellung die nchste erzeugt, die bereits ausgefhrte Darstellung ihrer eigenen Anlage nach eine neue, ergnzende, fortfhrende verlangt . Sukzessiv- und Simultankontraste ergeben sich hier wie schon in der mittelalterlichen Malerei oder wie auf ganz anderer Ebene im Orphismus Delaunays und manchen Werken der abstrakten Farb- und Lichtknstler unserer Zeit zwischen Ad Reinhardt und Piero Dorazio. Bei Eichner scheint der Fortgang des Schaffens selbst Raum und Zeit zu erweitern . Horst Richter ( l.c.) hat in den glatt polierten hohen Stirnen der kleinugig- grokpfigen Gestalten mit schulterlang wallendem Haar phallische Symbolik erkennen wollen, einen Rekurs auf alte Fruchtbarkeitsriten, die Beschwrung des Lebens selbst . Wahrscheinlicher noch spielt hier der Begriff expressiver Verfremdung hinein, der eine Dynamisierung optischer Aussagen bewirkt . Wir kennen ein solches Verfahren ebenso gut aus archaischen Kulturen wie aus der Malerei El Grecos oder Modiglianis und nicht zuletzt Boteros . Im Blick auf sein Verhltnis zur Wirklichkeit verriet Hellmuth Eichner noch dem " Mannheimer Morgen " 1974 " Ich sehe die Rolle des Malers als Seismografen seiner Zeit, der die Erschtterungen der Menschheit eher sprt, weil er sensibel ist ." Eine sozial engagierte Komponente ist im Werk Eichners durchaus prsent : in der Abhngigkeit des Menschen von anderen Menschen oder bestimmten Situationen wird sie thematisiert . Sie spricht aus der lauernden Gefahr und latenten Bedrohung, selbst in der Zweisamkeit oder Umarmung . Man fhlt sich an Rilkes distanzierte Erkenntnisse zur mitmenschlichen Intimitt erinnert . Formal betrachtet, schaffen gezielt eingesetzte Missproportionen, verbunden mit statuarischer Strenge und Unbeweglichkeit, Abstand und Betroffenheit zugleich . Typisch fr die Gedankenwelt Eichners in den frhen Siebziger Jahren mag die Arbeit " Das Jahrhundert des kleinen Mannes " aus dem Jahre 1972 erscheinen . Hier ziehen zwei Menschen an einem Strang, an dem die Bundesfarben leuchten, einen Pflug, der schnurgerade Furchen im weiten Feld zieht, wodurch der eh schon bewirkte Eindruck der Unendlichkeitsperspektive sich noch verstrkt . Auf dem ausgemergelten Frauenkrper sitzt ein Mnnerkopf, die andere Gestalt bleibt vollstndig nackt . Ein Mann mit dominanter Physiognomie und Sonnenbrille, gleichsam das Sinnbild anonymer Herrschaft, hlt den Pflugsterz ( bei Eichler, o.c.S. 257 abgebildet ). Das nicht erst seit Hegel diskutierte Verhltnis von Herr und Knecht spricht eindringlich fr sich selbst, ohne billiger Polit - Art oder agitpropmiger Direktheit zu verfallen . Ein Fluidum von Distanz und leichter Ironie, selbst Humor, kurz, eine bestimmte Gelassenheit, bleibt, paradox genug, bei allem Engagement . Die den Menschen umgebenden Rume sind in Eichners Bildern wirklichkeitsnah gestaltet, mitunter geradezu Foto oder hyperrealistisch getnt in ihrer harten, direkten Optik, wobei die spezifische Farbsymbolik, etwa als graugrnes Inkarnat in den " Maurern " oder in der Darstellung mit dem dmonisch blickenden Mann unter dem Titel " Hab’ mich lieb’" zum Kern der Aussage fhrt . Anspruch und Verwirklichung erreichen hierdurch eine gltige Lsung ihrer immanenten Spannung .Zeitgenssische Szenen- Typologie und bestimmte Underground Phnomene finden noch in den Sechziger Jahren, aus denen in der Literatur bisher rund 70 Werke katalogisiert sind, ebenso Eingang wie das tagespolitische Geschehen oder ethische Probleme : LSD Party ", " Hasch Party "(dgl.) Die Probleme der Heranwachsenden, die Tcken seiner kleinen Welt, finden Ausdruck, so in den Bildern " Der weinende Ministrant " (1967), " Selbstportrt zu Weihnachten "( 1969 ), " Unser Sonntag " ( dgl.) " Der neue Anzug " (dgl.) oder " Unser Junge soll Schlosser werden " ( dgl.) Im Gegensatz zur Entwicklung in den USA seit Mitte der Sechziger Jahre, fhrt die Verabsolutierung des abstrakten Prinzips in der bundesrepublikanischen Kunstszene zu einem verhngnisvollen Neuerungszwang um jeden Preis, vor allem den der Qualitt, Kontinuitt und knstlerischen Redlichkeit . Werner Haftmann hatte in seiner Malerei des 20. Jahrhunderts dem " abendlndischen Realismus " ex cathedra den Exitus bescheinigt und fortan trieb das " novis rebus studere " seltsame Blten . Das " Neue " stieg zum knstlerischen Wert schlechthin auf Bildinhalte im traditionellen Sinne hatten keine Chance mehr . Das Ende der " brgerlichen " sthetik wurde lautstark verkndet .Angesichts dieses modischen Innovationskults, dem unter anderem auch der Tod der Kunst ( im Anschluss an einen missdeuteten Hegel Passus ) ein beliebtes Thema war, wird auch Eichners Situation als Akademiestudent in jener Zeit sichtbar . Die selbst ernannte " Avantgarde " strebte " neue" Formen, Techniken, Materialien an und scheute auch vor lppischen oder skurrilen " Einfllen " nicht zurck . Bon sens und Bon gout waren " out" . Allerdings hatte auch schon Max Ernst dekreditiert : " Kunst hat nichts mit Geschmack zu tun . Da gibt es nichts zu schmecken ". Von Drer stammt schlielich der weise Satz : " Was die Schnheit sei, das wei ich nicht " . Doch nun kam alles viel schlimmer und radikaler daher .Hellmuth Eichner war von solcher Warte aus leicht in die Ecke des reaktionren Traditionalismus zu verweisen . Die zunehmende Differenzierung seiner realistischen Formensprache, vor allem auch als Erkenntnis und Analyseinstrument, sein kritischer Ansatz, wurden nicht begriffen, vielmehr belchelt und diffamiert, wie so vieles, das inzwischen wieder " in " ist. Auch die Erzkonservativen hatten indessen mit Eichner nicht allzu viel im Sinn oder gemeinsam . Sie sahen ihre weltanschaulichen, moralischen und religisen berzeugungen gefhrdet und alle geheiligten sthetischen Glaubensstze desavouiert . Der Professor Kadow schloss seinen Studenten Eichner mehrere Wochen lang aus der Klasse " fr profane und sakrale " Malerei aus, wegen angeblich obsznen Inhalts seiner Bilder . Der Oberstaatsanwalt von Bergisch Gladbach fahndete in Eichners Werk " Inri " nach dem Tatbestand der Blasphemie . Ein Oberstudienrat hatte, wie bereits bemerkt, das Verfahren in Gang gebracht, das indessen wegen eindeutiger Rechtslage rasch eingestellt werden musste . An solchen Konflikten ist Eichner eher gewachsen und hat durch sie zu deutlicherem, unmissverstndlichem Ausdruck gefunden. Als groe Hilfe empfand es der Knstler in jener Zeit, dass sich nicht nur einige Freunde und Kritiker eindeutig zu ihm bekannten, sondern auch eine groe namhafte Zeitschrift wie die " Weltkunst " die gegen ihn vorgebrachten negativen Stellungnahmen als " kleinkarierten Protest " abtat und dem Knstler Hoffnung machte mit der Feststellung : " Eichner wehrt das Triviale ab, indem er es Decouvriert . Man wird noch von ihm hren ." .Zu jenem Zeitpunkt, da sich Eichner enttuscht von der Klner Fachhochschule am Ubierring abwandte, fand in der Tat Horst Richter die angemessenen Worte, als er schrieb ( Weltkunst VIII, 1970, Seite 454 ) : " Der Auszug aus dem Klner Lehrinstitut, das sich nchstens " Akademie der bildenden Knste " zu nennen hofft, geschah freilich vorzeitig und keineswegs ganz freiwillig . Denn Eichner, als Sohn der neofigurativen Phase in der Malerei dinglichen Motiven zugeneigt, hat nicht nur den Menschen seiner Zeit festgehalten, sie malerisch umschrieben, portrtiert und in neuen psychologischen Kontext gebracht, sondern er rief auch berliefertes herbei, Formen und Formationen, vor allem Themen aus dem Neuen Testament. Und da wiederum lie er es nicht mit der kanonischen Ordnung der Figuren und Vorgnge bewenden . Vielmehr " schlug " er einen nackten weiblichen Krper ans Kreuz, eine Gestalt unserer Gegenwart, eng verbunden dem physischen Empfinden wie den geschlechtlichen Erregungen der Zeit, aber doch weit hinausgehoben ber die fleischlichen Platitden der Sexmodelle, wie wir sie von Filmplakaten und Illustrierten her kennen . Eichner, das leuchtet rasch ein, zielte mit seiner emanzipatorischen Geste nicht auf Blasphemie, sondern auf Versinnbildlichung mit Hilfe des vorgeprgten Symbolgehaltes, auf eine verallgemeinernde Bedeutsamkeit angesichts des sich skularisierenden Christentums ." In den ganz frhen Bildern Eichners blieb manches noch notgedrungen unklar und deutungsbedrftig, nicht konzis und stringent genug, mit zu viel Redundanz behaftet . Ein energischer Wandel in Stil und Thematik vollzieht sich gegen Ende der Sechziger Jahre, genauer 1969 . Diese Wende scheint grundstzlicher Natur gewesen zu sein . Die verfremdeten und verzerrten Objekte werden allmhlich durch klar akzentuierte Elemente weitgehend ersetzt . Eine erste Vorahnung der neu gewonnenen Mglichkeiten bot bereits 1967 " Der weinende Ministrant ", eine klare Ansicht der berraschend errungenen Fertigkeiten dann 1969 die Groformatige Leinwand " Wir wissen genau, dass da hinten ein Unfall passiert ist " . Hier herrscht kein visionr erfahrenes Trauma mehr vor . Konkrete Wirklichkeit wird analysiert und gestaltet . In einer intensiven Schaffensperiode entstehen damals Arbeiten wie " Betreten verboten ", "Unsere Nachbarn ", " Hab’ mich lieb’", " Unser Sonntag ", " Unser Junge soll Schlosser werden ", allesamt gesttigt mit unmittelbarer Anschauung, intensiv erfahrenem Leben . Die Aufbruch und Umbruchstimmung der unzufriedenen und verdrossenen 68er Generation schlgt sich nieder in einer bedeutenden Anzahl ausdrucksstarker und zugleich feinnervig konzipierter Darstellungen, jede Heroisierung und ppige Selbststilisierung fehlt . Keinerlei Erhebung, Widerstand oder Revolte werden um ihrer selbst willen eilfertig besungen . Eichner bildet nicht ab ; er setzt behutsam ins Werk . Niemals versteigt er sich zu billiger Politart, ideologisch prfixierter oder parteipolitisch ausmnzbarer Propaganda . Seit jener Zeit muss der Kunstbegriff Eichners als weit gefasst betrachtet werden . Er schliet auermalerische Techniken - wie etwa Objekte mit ein . Jedes Werk wird Auseinandersetzung, Bewltigung im formalen Sinn. Der Mensch als Einzelner und Gesellschaftswesen tritt ins Spiel, " Umwelt " ( spter vom Knstler in " Weltum " verkehrt ) und kontrovers wertbare Spuren menschlicher Ttigkeiten bedrngen uns in diesen Arbeiten . Unter anderem bestimmt der Raubbau an unserem Planeten Eichners Denkanste in jenen Jahren . Mitunter fhlt sich der Betrachter an den " vielfachen Sinn " in der scholastischen Hermeneutik des Mittelalters erinnert, wenn er die Bild Zeichen Eichners auf sich wirken lsst . Man denkt an die Tiefe Einsicht des Sophokles : " Vielfltig aber gelangt die Wahrheit ins offen Anwesende des Erscheinens ", sobald man sich nher mit dem im Bild prsenten Strukturen und semantischen Bezgen beschftigt. Selbstverstndlich ist auch bei diesem Knstler die handwerkliche Bravur eine Voraussetzung, jenes Andere bewusst machen zu knnen, den eigentlichen Sinn, um den es geht und den man nicht am farbigen Abglanz der, wenngleich ingenis durchgestalteten, Oberflche entdecken kann . Dieser, im besten Sinne " moralische " Antrieb bestimmt Eichners Arbeiten von den ersten Anfngen mit ihren noch dem Amorphen zugeneigten Strukturen ber die aufgeblhten Hupter auf fragilen Leibern in der Grokopfphase bis in die gesellschaftskritisch deutbare Thematik der Siebziger und die mehr oder minder verschlsselten Allegorien der letzten Jahre, die immer strker sich zugleich um eine Art " retour de la belle jardniere ", die Rck- oder die Wiederkehr des Schnen bemhen, ungeachtet des agnostzistischen Diktums des " deutschten aller deutschen Knstler " zu diesem ewigen Thema der Kunst . Das existenzielle Mitbetroffensein Hellmuth Eichners in allem, was er Gestalt werden lsst, erinnert an die tiefgrndige Definition Martin Heideggers in " Sein und Zeit " : " Existenz ist eine Weise des Seins, und zwar das Sein desjenigen Seienden, dass sich offenhlt fr die Offenheit des Seins, in der es steht, indem es sie aussteht ." Die aus dem Erstaunen vor dem geschauten Phnomen geborene " Ekstase ", dieses " Ausstehen " schafft den anderen Blick, jene verfremdete Empirie, die als anschauendes Erkennen allererst Kritik und Reflexion im Gang zu setzen vermag . Eichner bewegt sich zweifellos in jenen Traditionen der Kunst als Erkenntnis, wie sie Hegel im III. Kapitel entfaltet hat . Das nur optisch Reizvolle, pures Dekor, rein Kulinarisches, liegen ihm weitgehend fern, wenngleich er sich ihm bei den Landschaften und Akten der letzten Jahre stark nhert, in denen er den goldenen berfluss der Welt, jenen farbigen Abglanz, an dem wir das Leben haben, im Goetheschen Sinne zu schtzen wei und sich bereitwillig in seinen Frauenportraits vom Ewigweiblichen " hinanziehen " lsst .Indessen birgt auch der Abstieg in Grund und Abgrund eigene Gefahren : die " trbe Tiefe " droht, wie Thomas Mann wusste . Ein englischer Gelehrter bemerkte nach der " tausendjhrigen " Ausschweifung lakonisch : " The Germans think deeper, but when they come up, they are more covered with mud ". Es spricht fr das Kunstwollen und die sthetische Kennerschaft des Eichner, wenn er inzwischen diese schwierige, schwer zu erringende Balance zwischen Oben und Unten, Drinnen und Drauen, dem Baum des Lebens und dem Baum des Todes, auszuhalten und in berzeugende Form zu gieen versteht . Ab einem bestimmten Zeitpunkt gehrt Hellmuth Eichner sowohl der Klner als auch der Bonner Kulturszene an Von beiden Zentren aus strahlt inzwischen sein Erfolg in verschiedene europische und auereuropische Lnder hin aus . In solchem Sinne verband auch das "Rollende Atelier "( 1985 ) beide Bereiche und Dr. Gerhard Rump vermerkte aus diesem Anlass in der Bonner Rundschau : " Der Eichner beherrscht alle klassischen Kompositionsmethoden, mit denen er in seinen Bildern Symbolketten aufbaut . Seine Transparentbilder erhalten durch das sie auch wieder von hinten durchdringende Licht eine besondere sthetische Wirkung . " Die hier hervorgehobenen Mischtechniken auf Transparentpapier sind typisch fr den Eichner der letzten Jahre . In ihnen pflegen sich Malerei und Zeichnung zu verschrnken und dem Reiz des Unabgeschlossenen, dem schon Michelangelo so sehr geschtzten " non finito " zu huldigen . Die um griffige Formulierungen nie verlegenen Journalisten - Schopenhauer sprach vom journaliste-journalier im eintagsfliegenhaften Sinne - prgten den Ausdruck " Kunst auf Butterbrotpapier " fr jene neuen Bilder mit oft ungeradlinigen, ausgefransten Rndern, die mitunter gar, durch Klebestreifen befestigt, an Galeriewnden zu erscheinen pflegen . Dies transparente Material, das im brigen auch den Architekten dient, gestattet eine Bearbeitung von beiden Seiten . Durch Anfeuchten wird das Papier wellig, wirft sich auf und schrumpft anschlieen beim Trocknungsprozess . Wir kennen hnliche Phnomene aus der Tiefdrucktechnik bei den verschiedenen Formen der Radierung . Diesen " dynamischen " Materialprozess bezieht Eichner mit voller Absicht in die Komposition ein . Befragt nach der " Haltbarkeit " dieser Technik antwortete der Knstler schlagfertig, dies entspreche der Lebensdauer von Bauplnen bei Architekten . Vergilbungen durch Lichteinfluss stelle einen Vorgang dar, der das Bild lebendig erhalte . Und schlielich : " Warum drfen Bilder nicht altern " ? Das knnte auch von Beuys oder Rot sein . Die Vergnglichkeit, Verderbtheit und Vergeblichkeit von Kunst schien immer schon der Diskussion wert zu sein . In unseren Zeiten ging die Entwicklung bekanntlich bis hin zur " Abfallkunst "(Trash Art ), die sich hufig als bloe Materialinszenierung verstand . Um so bewundernswerter erscheint Eichners unablssiges Streben nach technischer Vollkommenheit . In diesem Zusammenhang schrieb Peter Hoefer rckblickend treffend ( am 9.3.85 anlsslich einer Ausstellung in Zwingenberg ): Der Eichner hat seinen Realismus, seine penible handwerkliche Qualitt und zeichnerische Fertigkeit ber alle Versuche der Akademielehrer hinweggerettet, sie ihm auszutreiben ". Anschlieend lsst er den Knstler selbst im Blick auf seine " Akademien " zu Wort kommen :" Als ich studierte, war die hohe Zeit des Studentenprotestes . In der Klasse von Beuys wurden mehr Resolutionen verfasst als gearbeitet . Figrliches Zeichnen stand von vornherein unter Faschismusverdacht . " Einen weiteren Aspekt im " engagierten " Bereich des Schaffens von Hellmuth Eichner gilt es in diesem Zusammenhang zu erwhnen . Dieser Knstler denkt glcklicherweise berhaupt nicht daran, Themen aus der Arbeitswelt oder Portraits von Alltagsmenschen zu heroisieren . Das unterscheidet ihn scharf vom Sozialistischen Realismus . Er huldigt eher einer - wieder einmal neuen - Sachlichkeit . Andererseits scheint bei den durch fein versprhten Diamantstaub in eine entrckte Aura versetzten Akten wie Cornelia oder Cornelia im Kornfeld eher ein wenig ironisches Augenzwinkern im Spiel zu sein, das Bewusstsein, profane " Heilige ", weltliche Ikonen, auch des sexuellen Konsums, zu gestalten . Hier wird der " Glamour " ala Hollywood in Anfhrungszeichen gesetzt . Wir kennen Vergleichbares im Schaffen Andy Warhols aus den letzten Jahren ( Beuys, Shadows, Cologne Cathedral ). Diese Entwicklung Eichners in allerjngster Zeit, vor allem im Bereich der Akte, aber auch Landschaften, hat manche unter seinen Kritikern einigermaen verblfft . Nicht mit allen von ihnen hat sich der Knstler gut verstanden ( man kennt Goethes fast manische Phobie gegen Kritiker ). Recht bissig nahm sich Eichners Bild " Der blinde Maler H. Schlimm geht ber den Weg des Informell zu Bonns dnnster Kunstkritikerin " aus .

Jeder Leser Bonner Zeitungen wusste sogleich, wer und was gemeint war, ohne dass der Knstler konkret Ross und Reiter zu nennen gentigt gewesen wre . Gerade ein solches Werk enthllt schlagfertig die eminent satirische Begabung Eichners . Etwa um das Jahr 1981 erfolgt bei Eichner der bergang zu den teilweise gezeichneten Bildern . Der Wandel wurde als so berraschend empfunden, dass Klaus Flemming nicht anstand, apodidaktisch zu behaupten : " Eichner fand einen Zeichengrund und eine Gestaltungsweise, die alle Vorformen zu Fingerbungen degradiert " ( in " Mosaik ",WDR II, v.8.2.84 ) Die Anregung zu diesen groformatigen " Zeichnungen", die so typisch sind fr seine Werke aus jngster Zeit, bekam der Knstler nach eigenen Worten aus Vorstudien zu lbildern . Am eindrucksvollsten hat Eichner selbst seine neue Technik ( l.c. ) beschrieben : Der Ursprung der Zeichnungen geht auf lbilder zurck, die nicht ganz fertiggemalt wurden, in der die weie Flche stehen blieb und diese mich faszinierte . Ich habe meine Vorstudien lange nicht sehr ernst genommen, bis ich die erste Zeichnung auf Transparentpapier schuf . Dieses Material erschloss mir eine vllig neue Dimension, auch im Blick auf die Aussage . Ich konnte von beiden Seiten arbeiten und Tonwerte erzielen, die mit Leinwand berhaupt nicht mglich sind . Ich konnte spontan arbeiten ". Im Gegensatz zu den kompakten, von dichten lfarben bedeckten Gemlden sind die Zeichnungen auf Transparentpapier leicht, zart, vieldeutig . Hier erlauben sich Leerflchen, Aussparungen . Nur wenige Schwerpunkte werden gesetzt, die von Freiflchen umgeben bleiben . Die Transparenz des Zeichengrundes entspricht eine Transparenz des Farbauftrages . Die zarten Pastellfarben der Stifte, die feinen Aquarellverlufe, die an und abschwellenden Bleistiftkonturen und die deckend wei gehllten Partien treffen sich mit der vieles andeutenden und wenig fixierenden Transparenz des Papiers . Hinzu kommt, dass das Papier selbst auf die Bearbeitung von Druck, Wasser und Kollagenelemente reagiert : es wirft Beulen, wird verzerrt, bildet Reliefs und Knitterspuren . Aus der vormals glatten Flche wird so ein schrundiger Corpus, fast ein Objekt, dass sich nicht mehr so ohne weiteres hinter die Glasscheibe eines herkmmlichen Bilderrahmens zwingen lsst . Diese lappigen, auch an den Rndern unregelmigen Gebilde wollen an die Wand geheftet sein oder in Plexiglasksten wie kostbare Reliquien vorgefhrt werden . " Auffllig bleibt in den jngsten Arbeiten Eichners der Bildtext ein " lettristisch " anmutender Kommentar, der die Darstellungen am Rande begleitet und mitunter fast in den Bereich der Kritzelei hineinragt . Bisweilen treffen diese " Marginalien " przis den Kern der Bildaussage, etwa in dem Satz " Wir knnen unsere Wirklichkeit auf keinen Fall verlassen " am Rande der " Dynamitfischer " Teil II. Eichners Kunst der letzten Jahre umgreift, bei allen Vorbehalten gegenber solchen Etiketten, die Skala vom Lyrisch Zarten der Mdchenakte ber das Idyllische - etwa der Winterlandschaften - bis hin zum Engagiert-Kritischen wie in den Darstellungen von Problemen aus der Arbeitswelt, mitunter allerdings auch den fantasievoll amsierten Touch ( so in dem Gemlde " Zur Freunde aller Deutschlehrerinnen ", einem ironischen Seitenhieb gegen Deutebolde und Interpretationshuberei ) . Die vorhin erwhnten Arbeiten Eichners auf Transparentpapier haben wegen ihrer dezidierten Eigenstndigkeit inzwischen auch die Fachwelt aufhorchen lassen . Der Ordinarius fr Kunsterziehung an der Bonner Universitt, Heinrich Josef Klein, hat diesem Aspekt im neueren Oeuvre des Knstlers unlngst eine mehrseitige Untersuchung gewidmet, die zum Zeitpunkt des Manuskriptabschlusses zwar noch nicht im Druck erschienen war, jedoch in maschinenschriftlicher Fassung zugnglich gemacht wurde ( Hellmuth Eichner - Bilder auf Transparentpapier " ). Klein erkennt in dieser Technik insbesondere eine Neueinschtzung von Herstellungsweise und materiellem Charakter des Bildes, eine Umorientierung, die auf die knstlerische Eigenart des Werkes entscheidende Wirkungen ausbt . Dies betrifft vor allem die verschiedenen Grade optischer Wertigkeit der einzelnen Bildteile . Manches wird besonders hervorgehoben, anderes eher beilufig erwhnt. die traditionelle Malerei erzielte entsprechende Nuancierungen durch pure Variation der pikturalen Technik . Bei Eichner hingegen scheint sich die Bilderzhlung selbst, das, was die Italiener den " dicorso " nennen, zu differenzieren und eine in sich abgestufte Betrachtungsweise zu gestatten . Auerdem wird der herkmmliche Illusionscharakter des Wandgemldes als " Fenster zur Welt " aufgehoben . Die Teile des Bildes drngen sich strker auf das Ganze im Sinne eines kohrenten Eindrucks . Die Synthese lsst der analytischen Betrachtungsweise den Vortritt . Den gleichen Zweck erfllt ein komplementres Verfahren, das Klein ( l.c.) wie folgt beschreibt : " Diesem Ziel dienen weitere Mittel, die den an gnzlichen ausgemalte lbilder gewohnten Betrachter zunchst irritieren : so malt oder zeichnet Eichner bei den neueren Leinwandbildern nicht mehr bis zum Rahmen hin, seine Motive erstrecken sich vielmehr bis in den Bildrand hinein, ohne dass es einer " Fllmasse " bedarf . Entscheidend ist stets der Bildgegenstand, nicht der Zwang des Formates . Und dieser " Rand ", diese freien Flchen, werden nicht versiegelt, sondern bleiben als grundierte helle Leinwand, nehmen sogar ihren Gebrauch, Spuren ihrer Umwelt in sich auf ". Es liegt nahe, dass Papier in anderem Mae als die glatte Leinwand dem prozessualen Aspekt des angestrebten Werkcharakters entspricht . Papier hat, wie Klein richtig sieht, auch immer schon mit Geistigem zu tun, man mchte hinzufgen : seit seiner Herkunft aus den Papyrus Stauden der alten gypter . Stefane Mallarme wollte im vorigen Jahrhundert die gesamte Welt ins " BUCH " mnden lassen, mithin in " Papierenes ", will sagen Geistiges . Selbstverstndlich ist der Begriff des " Liber Mundi " ein uralter Topos . Vor allem seit der Renaissance erblicken wir im Papier den bevorzugten Trger der Handzeichnung . Die ihr eigentmliche Spannung von flchtig hingeworfener Skizze und detaillierter Ausgestaltung berfhrt Eichner in das groe Format, wie es seine Gemlde der letzten Jahre kennen . Das Zeichnerische und Malerische, ber das sich die Anhnger Poussins und Rubens noch im 18. Jahrhundert zerstritten und das Wlfflin in unserem Skulum feinsinnig reflektierte, findet in Eichners neueren Werken zu berraschender Symbiose . Nun whlt Eichner bekanntlich fr seine Mischtechniken ein ganz besonderes Papier, wie wir es aus Architektenbros kennen : Transparentpapier . Allerdings widerspricht seine Handhabung dieses Materials durchaus der herkmmlichen Verwendung ( l.c.) hebt hervor : " Es wird nach Magabe des Motivs zurechtgeschnitten oder gerissen, es wird mit Klebestreifen abgedeckt und berklebt, bemalt, bezeichnet . Die Klebestreifen aber sind nicht bloes Hilfsmittel, sondern bleiben auch nach ihrer Entfernung als helle Streifen " prsent " . Sie schlieen das Bild ab, rahmen es und geben ihm die Atmosphre des Unprtentisen, Atelierhaft- Unfertigen . Denn, fertig, wird das Bild - wie gesagt wurde - erst in der Synthese des Intellekts." Man mchte hinzufgen, dass ein hintersinniges Schwanken zwischen "echten " und " falschen " Klebestreifen hinzutritt, entsprechend den echten und falschen Luftballons in einem anderen Bild . Wir kennen dieses optische Spiel voller Subtilitt aus den " Tools " von Jim Dine . Eichner pflegt auch schon einmal Spielzeugpanzer aufzukleben, um seine " Schamgegend " genannte Landschaft zu beleben. Dieses Verfahren des " trompe doeil" spielen bei diesem Knstler eine nicht zu bersehende Rolle . Wir verdanken Klein ( l.c.) brigens auch einen ersten Hinweis auf die Themenkreise, die in den Arbeiten auf Transparentpapier begegnen . Zum Teil variieren sie bereits frher gestaltete Sujets und verleihen ihnen im Zusammenhang mit der ungewhnlichen Technik einen neuen Sinngehalt . So begegnet der " Stein " aus der Werkgruppe " Groe Freiheit " ( zur Rolle der weien und schwarzen Frau, auch eine Form des Nord Sd Dialogs ) in " Beuys gewidmet " und " Stein aus dem Mehlemschen Haus " ( in Bonn Beuel ; an die Stelle von Beuys tritt hier Hermann Hesse als Widmungstrger : die Zeiten haben sich gewandelt und der Knstler mit ihnen . ) Wir verdanken Klein eine treffende Analyse zur letztgenannten Bildvariante im Blick auf das benutzte Transparentpapier (l.c.) " Der Steinblock liegt auf dem Arbeitstisch des Steinmetzen, das Halberzeugnis harrt der Ausformung durch den Knstler . Auf dem neueren Transparentpapierbild wird dieser Zustand des Steins, das Unfertige zwischen Natur und Kunst, noch einsichtiger . Denn durchscheinend, fast immateriell, wirkt nun der Block in der Werkstatt . Die hinweisende Spiegelschrift " Hermann Hesse " lsst in der Ungeformtheit des Steins und in der Unordnung des Werkraumes die ordnende Kraft des Geistes, die knstlerische Inspiration und gestaltende Energie des Knstlers ahnen, Indem das Bild wie die Planzeichnung vom Reiboden flchtig an der Wand befestigt ist, wird das Dargestellte zur unmittelbaren Planskizze, die Zeichnung auf Transparentpapier zum Entwurf, dem der nachdenkende Betrachter im Geiste folgt ." Vielleicht artikuliert sich hier auch ein gewisser Protest gegen den ephemeren Charakter der " laufenden Ereignisse " in unseren Medien, der totalen Bilderflucht, die uns berflutet und berfordert . Eichner entscheidet sich fr das Meditative und nicht fr das Sensationelle eines kaleidoskopisch wirbelnden und verwirrenden Informationsdschungels . Neben den " Stein"- Variationen sind zweifellos Landschaft und Akt die vorwiegenden Gattungen im Bereich der Mischtechniken auf Transparentpapier . Dies wundert kaum, zumal diesem Genera ein statisch- meditativer Charakter zuzukommen pflegt . Die Winterlandschaften Eichners erfllen diesen Anspruch in ganz ausgezeichneter Weise . Hingegen versucht die " Seelandschaft " einen Zustand des Pr- Menschlichen aufzuspren, einer " Gtterdmmerung ", wie die Bildinschrift sagt . Wie Klein (l.c.) richtig sieht, liefert uns Eichner hier keineswegs eine traditionelle " Marine ". Nicht zuletzt dank des Transparentpapiers wird die Bildillusion zurckgenommen, krftige Klebestreifen verfremden und fassen zugleich die breite Randleiste mit ihren Primrfarben ( rot, blau, grn, ) Ein Rckgang in den farblichen Grund, den Ursprung des Bildes, findet statt . Das Ganze erscheint in seinen Teilen, die in ihrer lichterfllten Transparenz fast an gemalte Fensterscheiben erinnert . Auf eine weitere Besonderheit, die hnlich auch in anderen Werken des Knstlers begegnet, konzentriert sich Klein ( l.c.) in diesem Zusammenhang: " Auf der dem Motiv gegenberliegenden Randzone gewahrt man Zahlenfolgen ( Null bis Drei ), die den Grundfarben antworten . Sie reduzieren noch weiter die Essenz des Augenscheins zu abstrakten, messbaren Werten. Kenner der Printmedien werden dies als Farbskala oder als Paraphrase der Messbildleiste des Vierfarbendrucks identifizieren . Aber Eichners Bild ist eben doch nicht gedruckt, sondern gemalt, und die Farbskala ist hier bildnerisches Motiv und im Sinne der Bildaussage sowohl formales wie auch inhaltliches Gleichnis des " Denk-Bildes ". Formal stellt sie einen desillusionierenden Bildabschluss dar : das Gemlde als buntes Scheinbild des Wirklichen, fast als eine Ironisierung des gedruckten Posters . Inhaltlich erscheint die Randleiste im Sinne einer dialogischen Paraphrase, auch als knstlerische Deutung eines sonst nicht sichtbaren technischen Hilfsmittels ; berspitzt gesagt, fast als eine " Philosophie der Farbskala ". In diesem Zusammenhang sei auf Peter Reichenberger hingewiesen, einem Klner Knstler inzwischen auch internationalen Zuschnitts, der von vllig anderen Prmissen her, die sich eher mit Pop-art und den Farbskalendiskussionen bei Lohse, Itten, Ad Reinhardt, Albers oder Dorazio in Beziehung setzen lassen, die Grundbaustein seiner Bilder reflektiert und analysiert, auch zum Teil durch Wiedergabe von Farbskalen. Die Situation bei Reichenberger gestaltet sich dadurch indessen besonders vertrackt, als er seine Gemlde wirklich druckt und zwar mit den Ballen, Spitzen, Kuppen seiner Hnde, oder auch den Ellenbogen. Hier wird die Dialektik von gedruckt und gemalt zugespitzt und nhert sich dem Paradoxon . Die Akte Eichners bieten im Rahmen der Arbeiten auf Transparentpapier aus nahe liegenden Grnden besondere Schwierigkeiten sthetischer Observanz . Dies Genre war traditionsgem stets angesiedelt " als akademische bung zwischen Faszination und Routine ", wie Klein (l.c.) sagt . Allerdings hat das die groen Knstler aller Zeiten von Drer bis Picasso nicht daran hindern knnen, trotz Konventionen und Epochenstilzwngen neue, berraschende Effekte aus der Gattung " Akt " zu entbinden . Die prekre Situation des Akts in unserer Zeit wird berdeutlich, sobald wir an die Sex und Glitzerwelt ( von Porno ganz zu schweigen, wie es Andy Warhol ironisch in den Sex Parts unterlaufen hat ) gngiger Magazine und Filme denken . Die Fragwrdigkeit des Genres scheint manifest geworden zu sein . Wie entrinnt Eichner angesichts einer solchen Situation von Fallen und Klippen der Gattung " Akt " in seinem Oeuvre ? Knapp gesagt : auf Kosten plakativer Eindeutigkeit und mit Hilfe verfremdender Verfahren, die das Ganze dem dubios gewordenen Kontext zu entheben trachten . Klein hat den von Eichner angewandten, modus procedendi an einer Reihe von Zeichnungen verfolgt, die zugleich smtliche Techniken von der Skizze ber die Malerei bis hin zum Druck aufweisen . In der ersten Gruppe von Aktzeichnungen tritt das torsohafte Krperfragment in den Vordergrund und bewegt sich von der Bleistiftzeichnung nach dem Modell ( auf dem diesem gem zugeschnittenen Transparentpapier ) bis hin zum Gemlde auf Papier . Der Knstler bevorzugt hierbei sitzende Gestalten in Provilansicht, die er an einer s-frmig geschwungenen Linie von Gesicht ( mit Haartracht ), Kopftuch und Rckenlinie orientiert . Klein ( l.c.) fhrt anschlieend im Detail das weitere Vorgehen anschaulich aus :" Die zweite Skizze setzt diesen Prozess fort, indem die Konturen farbig hinterfangen werden : einzelne Farbstiftlinien - auch fragmentierte Krzel auerhalb des Liniengerstes - dazu gleichfalls sparsam Partien von Aquarellfarben . Das Ergebnis wirkt wie ein zartes Pastell von eigentmlicher Transparenz. Die malerische Ausarbeitung erfolgt in einem dritten Schritt . Schraffuren in Blei und Farbstift, Weihhungen dazu, modellieren vorsichtig die zentrale Schulterpartie ; Gesicht und Krper treten zurck . Dafr wird das ber den Rcken herabfallende Kopftuch geradezu reliefplastisch behandelt mit opak aufgestrichener Farbe, mit gliedernden Strichlagen darber in Hellblau und Schwarz ( Kreide ). Gegenber diesen bogenfrmigen Abgrenzungen wird der Hintergrund tiefschwarz ausgemalt und mit einem leuchtendroten Rahmenstreifen versehen . Der Eindruck der Skizze bleibt dennoch gewahrt, da die linke Bildseite mit Gesicht und Krperprofil offen gelassen wird, fragmentarisch erscheint, wie auch die zurechtgeschnittene Flche des Papiers . In einer letzten Stufe verzichtet Eichner auf die Darstellung des Kopfes, konzentriert sich also auf den torsohaften Krper, . Solche bildhafte Straffung des Motivs wird betont durch die Kontraste von geschlossener Rckenlinie und stufenweise geffneter Vorderpartie . Durch Verzicht auf eine Ausmalung des Hintergrundes wird das Perfekte des Tafelbildes vermieden, bleibt das Prozessuale erhalten, zustzlich verstrkt durch die Kruselung des Transparentpapiers " . Andere Aktzeichnungen Eichners nutzen die Spannung zwischen Krper und Gesicht oder Akt und Portrt mit hnlichen technischen Stufungen wie in den soeben aufgefhrten Arbeiten . Der zugleich " cool " und energisch wirkende Duktus der Physiognomie lsst den restlichen Krper hufig zu Abbreviaturen absinken, luftigen Arabesken, die das eindringliche Gesicht unruhig umspielen . Der " stehende Akt am Fenster " wiederum erffnet einen Dialog von Handzeichnung und Drucktechnik . Allerdings bleibt auch hier der Charakter des Individuellen durch handkolorierte Effekte gewahrt . Malerisches und Grafisches, Zeichnung und Druck verbinden sich zu berraschender Synthese im Dienste duftiger Transparenz, eines diafanen Schimmers und Leuchtens . Mitunter setzt Eichner auch inhaltlich neue Akzente im Bereich des Aktes, wobei ihm persiflierende und parodierende Bravourstcke gelingen, so etwa in seiner trefflichen Verballhornung des Plakatwettbewerbes zu einer Woche aktueller Kunst in der Bundeshauptstadt unter dem Motto " Mehr Kunst fr Bonn ". Die Eichnersche Wortschpfung " Mehrkunst " lsst an " Mehrwert " und vergleichbare Termini denken und erffnet eine weitere Perspektive . Der " Akt " in Gestalt einer Negerin mit eher europischen Gesichtszgen ist den hausbacken - biederen Brger in diesem Werk wirklich " zum Greifen " nah . Eine Marine steigert " Mehrkunst " zu " Meerkunst " . hnlich entlarvt Eichner mit Hilfe des Aktes oder auch nur einiger seiner Aspekte die dnis des Alltglichen ( Abend fr Abend ) mit den Themenkreisen " Fernsehen ", " Stricken " und " Anprobieren ": der fertige Pullover erscheint als Collage zweier Transparentbltter, wie ausgeschnitten im Zickzack der Schneiderscheere, ein Verfahren, das den Kontrast zwischen Pullover und durchschimmernden " Akt " noch intensiviert, wie Klein ( l.c.) unterstreicht ." Die triviale Romantik des " Freizeit Sex " wird durch die Doppelbdigkeit der Transparentpapiertechniken geschickt in Anfhrungszeichen gesetzt, ironisch unterlaufen, intellektuell verunsichert, auch durch die behutsam in die Darstellung eingefgten " lettristischen " Elemente ". Es schien uns angebracht, im Anschluss an die oben erwhnte Arbeit von H. J. Klein, etwas ausfhrlicher auf Eichners Transparentpapier Arbeiten und die hiermit verknpften Themenbereiche einzugehen, da sie den Schlssel liefern zu wesentlichen Zgen im Schaffenspanorama des Knstlers aus den letzten Jahren und wohl auch in Zukunft weisenden Charakter tragen drfte, wobei Landschaft, Portrait und Akt die hervorstechenden Gattungen darstellen . Eine aufschlussreiche Synopse der neu errungenen stilistischen und technischen Erkenntnisse liefert in diesem Zusammenhang insbesondere das groformatige Gesamtportrait der Bonner Verlegerfamilie Grundmann, das durchaus an vergleichbare Arbeiten Renato Guttusos denken lsst . Versucht man andererseits, spezifisch deutsche Affinitten in Vergangenheit und Gegenwart bei Eichners stilistischem Habitus ausfindig zu machen, so msste aus der realistisch orientierten Szenerie der rheinischen Neuen Sachlichkeit in den 20er Jahren ein Maler wie Rderscheid genannt werden, oder aus der Berliner Realismus Szene unserer Tage ein Knstler wie Grtzke .Grundstzlich liee sich das bislang zu berblickende Oeuvre von Eichner in drei Gruppen grob untergliedern : I . Die Anfnge seit den mittleren Jahren . II . Die Periode der " Rundkpfe " in den spten 60er Jahren ( bis etwa 1971 ) und III. Die neueren Arbeiten ab 1970 bis heute . Eine strengere und zugleich differenziertere Klassifizierung sollte aus nahe liegenden Grnden nicht angestrebt werden, da zahlreiche berschneidungen und Querverbindungen einem allzu starren Schematismus eindeutig im Wege stehen .Hinzu tritt der Umstand, dass ein wirklich vollstndiges Werkverzeichnis dieses Knstlers aus grundstzlichen berlegungen nicht realisierbar erscheinen drfte . Gut einhundert Werke sind nach Auskunft Eichners nicht mehr existent oder befinden sich in nicht mehr eruirbaren Hnden . Vieles, vor allem in frheren Jahren wurde verschenkt oder billig an Unbekannt veruert . Schon aus diesen Grnden wre der Verlag auf Hinweise solcher nicht mehr feststellbarer Eichner-Sammler im Blick auf eine zweite Auflage dankbar . Der Knstler selbst und sein Archiv vermgen uns auf diesem Gebiet nicht weiter zu helfen . Wir mchten in den folgenden Bemerkungen noch bestimmte charakteristische Eigenheiten der Werke aus den letzten Jahren beleuchten . Mitunter erscheint der Spott oder gar Zynismus ein wenig verschleiert, gar hermetisch, so etwa sein Verdikt ber die jahrelang vom Bonner Stdtischen Kunstmuseum in der gide Stemmler gefrderten Knstler : " Du kannst tun, was du willst, solange es keinen Spa macht " ( in dem Bild Chauvies letze Fahrt ). Versponnene, vieldeutige Szenarien schtzt Eichner seit seinen frheren Jahren . Wir versuchen, gleichsam als Exkurs, zunchst einige seiner ltesten dokumentierten Arbeiten ein wenig nher zu betrachten . Nehmen wir den " Trommelschlger " von 1964 : Wir erblicken ein durchaus surreal anmutendes Ensemble mit Hnden, Fen und Kpfen . Ein traurig dreinschauendes, monstrs aufgezumtes, vorwiegend weiblich betontes Wesen scheint auf sich aufmerksam machen zu wollen, ist bestrebt, Interesse zu wecken . Zweifellos drckt sich die als schwierig empfundene ambivalente psychische Situation des Heranwachsenden in dieser Darstellung aus, der noch etwas Zwitterhaftes, Hermaphroditisches, Ambigenes eigen ist, wie auch spter den " Rundkpfen " Eichners . Man wei, welche Vorliebe gerade die Surrealisten fr solche Zwischenbereiche hegten, die allerdings auch von der traditionellen Kunst keineswegs ausgespart wurden : es sei nur an die Hermaphroditen - Sammlung der Uffizien erinnert . Einsamkeit und existenziell erlebte Sinnlosigkeit artikulieren sich in einer verstelten Symbolsprache, die den Traumimagerien fantastischer, magischer Realisten folgt und eine sich selbst isolierende Unsicherheit thematisiert . Zunchst hie der Titel dieses Bildes brigens " Trommelfell ". Das Beunruhigende, Peinigende einer akustischen Obression bricht auf . Interessanterweise lsst die Mehrdeutigkeit des gestalteten Sujets an die auf mehreren Sinnebenen zugleich anzusiedelnden Strukturen der " Blechtrommel " und ihres " Trommelschlgers " bei Gnter Grass denken, deren Erstausgabe ja 1959 in Darmstadt erschienen war und eine eigenwillig fantastische, zugleich realistische und surreal geprgte Satire erkennen lsst . Die satirische Komponente fehlt allerdings dem frheren Eichner . hnlich indessen gestaltet sich die abstrus anmutende Verbindung von Przision des Details und formalen Wucherungen . Auch bei Eichner erscheint ein skurriler Gnom, in dem sich die Irrungen und Wirrungen eines jungen Knstlers spiegeln .Oder schauen wir uns die im folgenden Jahr ( 1965 ) entstandene " Einsamkeit " etwas nher an . Auch hier bildet die Isolation das Thema, jedoch unter anderem Horizont . Tradition und knstlerische berlieferung treten ins Spiel . Unter dem Wort " Einsamkeit " leuchtet der Begriff " Letzte Hoffnung " auf . Eichner hat hier eine bekannte Darstellung der Hl. .Magdalena, die ihm aus einer Reproduktion gelufig war, bermalt ( Arnulf Rainer hat bekanntlich aus solchen " bermalungen " eine ganze sthetik entfaltet ): Finger, Flasche . Lampe . Buch, Totenschdel, Vorhang und Fenster stellen symbolschwere Objekte dar, nicht erst seit der Dichtung des Symbolismus und Fin de Siecle samt begleitender bildenden Kunst . Diese Dinge illuminieren bei Eichner eine qulende Selbstanalyse . Nicht fern liegt die Welt des Hl. Hieronymus im Gehus ". Zugleich fhlt sich der Betrachter an die oft peinigende Selbstbefragungen im Oeuvre des spten Picasso erinnert, etwa 347 Radierungen von 1968, deren Einzelheiten mitunter die Grenze des Ertrglichen streifen . Solche Einsamkeitsgefhle und Frustrationskomplexe waren gerade bei der deutschen Jugend in der Mitte der 60 Jahre virulent und fhrten bekanntlich zu Polarisierungen und Aktionen, deren Widerhall wir noch heute spren, und die sich in Eichners " Rundkpfen "- Periode bis in die 70er Jahre vielfltig uern ; erinnert sei nur an die dort begegneten Themenkreise " Emanzipation ", " Dritte Welt ", " Rocker ", " Drogen " u. .Wiederum anders orientiert bietet sich das lbild " Schrecken des Krieges " von 1965 . Bereits der Titel dieser Arbeit erinnert an das groteske Grauen, wie es Don Francisco de Goya Lucientes in den " Desastres de la Guerra " beschwor . Stark wirkt in diesem Eichner noch der Einfluss der Meister des Surrealismus nach : die Dialektik von harten und weichen Strukturen ( Tangy, Dali’), Organischem und Anorganischem, Lebendem und Totem . Wie eine satanische Chiffre baut sich das dem Amorphen zugeneigte Skelett ( mit starker Betonung von Kiefern, Ngeln, Knochen, ohne jede organische Normalitt ) in einem wie zerrissen wirkenden Raum auf und krnt sich mit der dreifachen Schlange . Eine Art Widerruf gttlicher Trinitt schockt den Betrachter . Das potenzierte Bse, das Anomale schlechthin, fixieren uns und lassen uns denken an die schaurigen Metaphern Lautrmonts in " Les Chants de Maldoro "( die nicht nur von Dali sondern auch von Baselitz illustriert wurden ). Urbild solcher Phnomene bleiben indessen die bestrzenden Visionen Dantes im ersten Teil seiner " Commedia ", dem Inferno . Die Symbolik ist in Eichners " Schrecken des Krieges " fast zu eindeutig geraten, ein Umstand, den man der Chronologie des Bildes zugute halten darf . Dem Sujet entsprechend, entwickelt sich die Palette im eher giftigen Grn - und Gelbbereich . In dem lgemlde " Der Mensch "( gleichfalls 1965 ) erklimmt die Selbstanalyse eine allgemeine Ebene der Reflexion . Die Persnliche Situation des Knstlers steigert sich zur " Conditio Humana " ( der " Condition Humaine ", wie Andre Malraux sagt,:" Was ist der Mensch ?" ). Ein molluskenartig waberndes Wesen, aus menschlichen Rudimenten gebildet, vagabundiert schwebend in einem rtselhaft sich dehnenden Raum, der selbst als Begriff im Bild " lettristisch " auftaucht und dessen " Vektoren " durch Pfeile markiert sind, die gerichtete Gren im Raum markieren . Die bizarr - skabrs wirkende Gestalt mit dem stark akzentuierten Schwerpunkt im lichthaft nach oben blickenden Auge und der durchaus fkalischen, skatologischen unteren ffnung, beherbergt zugleich eine selbstzerstrerische Tendenz, einen Drang zur Selbstauflsung, Konstruktive und destruktive Elemente halten sich die Waage . Entstehen und Vergehen schwanken im flchtigen, flieenden Bild der Erscheinung, die sich - frei nach Rilke - an ihrer Grenzen zu stemmen scheint, um ein Unkenntliches herein zu reien . Die Situation des Menschen angesichts totaler Rtselhaftigkeit drngt sich auf, die Abgrndigkeit des Wirklichen . Wir ahnen das allmhliche entstehen der Sinnesorgane, einfachster Erkenntniswerkzeuge, die im von Goethe ahnungsvoll so bezeichneten " sonnenhaften " Auge gipfeln . Spuren wie von Hnden und Sternen markieren den gallertartig zerflieenden Lebensraum dies dem Absurden im Sinne Camus zugeneigte Menschen und Weltbildes Hellmuth Eichners in jenen Jahren . Die Vorbilder, jene Meister des Onirischen, Somnambulen, etwa auch Arp, wirken noch mchtig nach . Das Originale, Eigenstndige, bricht erst allmhlich in den folgenden Werken durch . Man darf bei solchen Bildern nicht auer Acht lassen, dass Eichner zu dieser Zeit noch Autodidakt Gewesen ist .Einen Schritt weiter fhrt uns die " Loslsung " ein Bild aus dem gleichen Jahr 1965 . Die ngste und Besessenheiten des jungen Knstlers finden in diesem fast das Hermetische streifende Gemlde eine letzte Radikalisierung und zugleich Aufhebung . Die neu erfahrene Unabhngigkeit schwebt wie ein lichtbeschienenes, windgeblhten Segel in der hellgetnten Luft . An den Enden dieses einem Kinderdrachen gleichendem Emblems weisen krallenhnliche Auswchse voraus auf die Mglichkeit spterer Verankerung im Festen, Geheuren . Man fhlt sich an bestimmte flugfhige Samenformen in der Natur erinnert . Die aufflligen Rhrensysteme, an bestimmte Wrmer gemahnend, verschwistert mit dem Abgrund und zugleich Nhrboden des Irdischen, bleiben als Sinnbilder auch den Befremdlich - Ungeheuren, ebenso wie die Verwerfungen und Schrnde, unter und hinter dem davonfliegenden Symbol neuer Freiheit zurck .Das Ganze gleicht einer Abnabelung von den bisherigen Zwngen und Verstrickungen, die jeden Elan zu lhmen und blockieren drohten . Die Lebenskraft, Bergsons " elan vital ", bricht sich Bahn . Der Aufstieg ins ungewisse, der Mut zum Wagnis finden hier ihr Gleichnis, bei dem auch eine gewisse Farbsymbolik ins Spiel tritt ( Grn Blau Braun ) Wie man allerdings an Eichners Bildern in den folgenden Jahren bis etwa 1969 erkennt, bleiben auch solche Aufschwnge stets von neuen Abstrzen in Frage gestellt . Ikarus und Palinurus sind die mythischen Zeugen solcher tragischen Verwicklungen .Beschlieen mchten wir diesen Ausflug in die Welt der ganz frhen Gemlde Eichners mit der " Symbiose " ( l auf Pappe ) von 1965 .Der befremdliche Umstand, dass in ein und demselben Individuum verschiedene " Persnlichkeiten " ( lateinisch " persona " ) entstammt dem Etruskischen und meint ursprnglich so viel wie " Maske " ! ), divergierende Geisteshaltungen und Weltverstndisse kohabitieren oder gar miteinander in Fehde liegen knnen, ist eine der Kultur - und Geistesgeschichte, und natrlich der Psychologie, gelufige Erfahrung . Symbiose meint wrtlich das Zusammenleben verschiedener Wesen, das im botanischen und zoologischen Bereich zur Zweckgemeinschaft aufsteigen kann . Ein solches Zusammenleben artverschiedener Organismen erfolgt in der Natur zu gegenseitigem Nutzen, wie man sieht . Ob der Knstler diesen positiven Effekt im Auge hatte, darf man bezweifeln . Bei der Symbiose verschiedenerer Tierarten spricht man auch von " Mutualismus " . Eichner hat etwas eigenstndiges im Sinn, wenn er das Wort " Symbiose " benutzt . In dem so betitelten des 18 - 19 jhrigen Knstlers drfte wohl eher jene fr Heranwachsende typische Erfahrung gespeichert worden sein, die sich von den " zwei Seelen in einer Brust " des Kirchenvaters Augustinus bis zu den verzwickten " Heteronymen " und der Redevielfalt des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa in unserem Jahrhundert erstreckt, bei denen sich die verschiedenen sprachlich - stilistischen und zugleich gedanklichen Ausfaltungen ein und derselben schpferischen Potenz verfolgen lassen . Dante und sein - wenngleich historisch verifizierbaren - " Emanationen " Vergil und Beatrice tauchen unter hnlichem Horizont auf . Oder man denke an Dulcinea als schimrischen " Auswuchs " des sonderbaren Ingeniums Don Quijotes : Die Entwicklungspsychologie hat solche Phnomene als bekannte Vorgnge beim heranreifenden Menschen analysiert . Entsprechend vielfltig kann in einer solchen existenziellen Situation das Verhltnis zur Wirklichkeit empfunden werden . In dem zur Debatte stehenden Bild Eichners erscheint die Problematik auf Dualitt reduziert, das Geheimnis von Identitt und Differenz thematisiert . Melancholie und Distanz beherrschen diese Symbiose als individuell erfahrene " Coincidentia oppositorum ", allerdings ohne harmonisierende " Aufhebung ", eher mit einer Ecce Homo - Attitde, die der metaphysische Verankerung des Cusaners nicht teilhaftig wird . Eine fasst roh wirkende Expressivitt verbindet sich mit aufgerauten Hintergrundstrukturen, in denen eine wie abgebrochen wirkende Bewegung von Bewusstseinsstufen nach oben zu streben scheint und im jeweiligen Aufschwung das Scheitern bereits impliziert . In der Haartracht scheinen Drers Selbstbildnisse nachzuschwingen . Die Dihrse des Wirklichen selbst mag sich in diesem Doppelbildnis selbstqulerisch widerzuspiegeln . Ungeduld des Herzens und frhes Leid, um es in den Taegorien der Dichtung zu formulieren, die in der Psyche des beinahe Erwachsenen hufig aufeinander verweisen, liefern den Grundtenor dieses Gemldes . Hier brechen wir die Betrachtung der ganz frhen Werke ab . Das Typische ist zur Sprache gekommen . In den 70er Jahren objektivieren sich diese aufgezeigten Grundelemente zusehends, geraten ins Freie, gewinnen berindividuelle Gltigkeit . Zu einigen wesentlichen Aspekten der " Rundkpfe " - Periode aus jener Zeit wurde bereits weiter oben das Ntigste gesagt . Die Kraft der formalen und zugleich inhaltlichen Durchdringung verstrkt sich in jener Epoche, eine Stringenz und Transparenz deuten sich an, die dem sthetischen Charakter der Werke zugute kommen . Die Bilder verlieren allmhlich ihren etwas diffus wirkenden und interpretationsbedrftigen Charakter . Die Handschrift wird pointierter, prziser, erhellender . Andeutungsweise lie sich diese Entwicklung bereits 1967 in dem Gemlde " Der weinende Ministrant " erkennen . In dem groformatigen Bild " Wir wissen genau, dass da hinten ein Unfall passiert ist "(1969 ) trat sie bereits klar in Erscheinung. Die halluzinatorischen und visionren Elemente verabschieden sich, das Onirisch - Somnambule verschwindet . Jetzt wird die konkret erfahrene Wirklichkeit gestaltet . Gesellschaftlich relevante Fakten werden verarbeitet . Aus der Statistik ergibt sich einwandfrei die Bedeutung jenes " Schaffensschubes " um 1969 . In jenem Jahr entstanden rund 35 Gemlde ( zum Vergleich 1964 :1 Bild, 1965 sind es 10 Bilder, 1966 neun, 1967 dreizehn und 1968 wieder neun . ) Einher mit dieser enormen Steigerung kreativer Potenz gegen das Ende der 60er Jahre geht die berraschende Sicherheit in der klug abwgenden Anwendung knstlerischer Mittel und Effekte . Aus jener Schwellenperiode zu neuen Ufern stammen Schlsselwerke " Betreten verboten ", " Unsere Nachbarn ", " Habmich lieb’ ", " Unser Sonntag " oder " Unser Junge soll Schlosser Werden ". Die subtile und zugleich aussagekrftige Herstellungsweise der Bilder, die Bildarchitektur : sie sttzen sich nicht auf Groartiges, im trivialen Sinn Eindrucksvolles oder berwltigendes ; vielmehr schpfen sie das von Spannungen und Einsichten mannigfacher Art geprgte Inventar des Alltagslebens und der in ihm sich entfaltenden " einfachen Menschen " aus . Die stille Melancholie oder gar Resignation in den Gesichtern trifft die Brennpunkte in der geistigen Situation jener Zeit, behutsam und zugleich haarscharf . Die mitunter aufdringlich wirkenden Allegorien der frhen Werke sind nicht mehr erforderlich, Konsumkritik und die Nachtseiten der Wohlstandsgesellschaft treten durch ihre pure Faktizitt deutlich ins Blickfeld und stimmen nachdenklich, regen die Reflexion des Betrachters an. Wir erleben erschreckt die Reduktion zwischenmenschlicher Beziehungen auf das rein Dinghafte . Die Macht des Objektiven erdrckt die Subjektivitt . Der " esprit de gometrie " scheint dem " esprit de finesse " den Garaus gemacht zu haben . Mit seiner kritisch - realistischen Einstellung weist Eichners Kunstwollen in jenen Jahren weit ber jeden bloen Naturalismus hinaus . Seine Darstellungen von Wirklichkeit ist zugleich immer schon Analyse und Diskussion, in Frage stellende Projektion und Konstruktion . Es liegt nahe, dass Eichner in den 70er Jahren von diesen Voraussetzungen her dem " Kritischen Realismus " zugeschlagen wurde . Eichner hat sich, wie bereits frher erwhnt, dieser Einordnung nicht fgen mgen . Oft genug hat er seine Mitbetroffenheit in aller Kritik an den Zustnden hingewiesen . Gerade diese mitmenschliche Solidaritt hebt ihn auf ein anderes Niveau . Entscheidend bleiben die auslsenden Element seiner Kunst : Das Spontane, Direkte, Unverstellte . Er stolziert nicht auf dem Kothurn eines Przeptors Germaniens einher und betreibt keine intellektuellen Sandkastenspiele . Das gelebte Leben wird mit einem hellwachen Sensorium aufgenommen und dargestellt . Daher der frische, unakademische Duktus seiner damals entstandenen Werke, aber auch ihre Widersprchlichkeit, Uneindeutigkeit in hherem Sinn : Spiegelbild der Selbstbewegung des Lebens selbst . Gemlde wie " Wir sind deine frhliche Jugend, Europa " und " Der Schlachter " ( beide bereits 1970 ) lassen diese Struktur deutlich erkennen . Sie zeigen das Unbehagen der " 68-er Generation ". Gerade das letztgenannte Bild wurde divergierend interpretiert . Manche erblicken im Schlachter den eiskalten oder gar brutalen Machtpolitiker, andere ( wohl wegen der Brille ) den im ethischen Sinne verantwortungslosen Naturwissenschaftler der Technokraten . In dem Katalog " Der Eichner . Bilder Objekte, Mediatext Bonn 1981 ) skizziert Rolf Rei treffend den spezifischen Stellenwert von Eichners Kunst in jenen Jahren : " Die Frustration der Antiautoritren, der mrtyreske Masochismus der studentischen Aktionisten, die berbetonung der " sexuellen Revolution ", bervater Freud, Reich, Adler - verbale Begriffe, die Eichner schon als junger Mann einzufangen wusste in die Atmosphre eines realistischen Bildes . Diese Assoziationen sind auf der Leinwand entstanden, bevor sie rationale Gedanken waren . Damit setzt sich Eichner von der Penetranz vordergrndiger Politkunst ab, die verbale Konstruktion lediglich bersetzt und damit die bildnerischen Mittel zu einem Sprachsurrogat macht . Eichner transferiert nicht literarische Entwrfe in Bildern, sondern spricht durch seine Malerei unmittelbar . Gleichwohl ist seine Kunst nicht irrational oder intellektfeindlich . Seine Inhalte sind rational Fass - und deutbar . Der Betrachter hat diesem Prozess zu leisten wie der Tektoniker die aufgezeichneten Schwingungen des Seismographen in Beziehung setzt " . Die neue " Semantik " des Bildes, die uns Hellmuth Eichner ahnen lsst, ist nur mit malerischen Mitteln zu verwirklichen . Er bildet eben nicht ab im Sinne dargestellter Wirklichkeit nach den Vorschriften der Mimesis oder Imitation, vielmehr " setzt er ins Werk " in einem schpferischen, Neues aufleuchten lassenden Sinne . Man wundert sich zunchst, wieso im Kontext der Bildfolge zum Stein aus dem Mehlemschen Haus im Laufe der Zeit die Wirrungen an Joseph Beuys durch diejenige an Hermann Hesse ersetzt werden konnte . Eine Betrachtung der Zeitsituation erlaubt uns Rckschlsse auf die Motive, die einen solchen Wechsel herbeifhrten . Wie bereits angedeutet, setzte Eichner sein Studium 1971 bei Josepg Beuys in Dsseldorf fort und stieg in der Klasse von Prof. Sackenheim zum Meisterschler auf . Auf welche Konstellation im Bereich des akademisch vermittelten Kunstschaffens stie damals der 25 jhrige Knstler ? Es war der Zenit einer ganz bestimmten Marcel Duchamp - Nachfolge, in der er sich messen lassen musste . Die Schlagworte lauteten " Objekt trouve " bzw. . " Ready - made ", Body Art und Process Art triumphierten . Auch diese Entwicklung kennt ihrer Wurzeln . Die Kunst war ganz allgemein bereits seit dem 19 ten Jahrhundert in eine umfassende Rechtfertigungs- - und Motivierungskrise geraten . Die " vergangene " Vollkommenheit fand Hegel in der Kunst der Griechen . Die Reflexion ber Kunst nach ihm erkannte nur mehr den partiellen und nicht mehr zentralen Charakter von Kunst als Erkenntnis oder Entfaltung von Wahrheit . In der uns hier interessierenden Zeit ab 1971 wurden zum Teil nur noch Entwrfe und Anleitungen zum Herstellen mglicher Kunstwerke zugelassen ( conzept Art ). Die Kunst fand im Kopfe statt und nicht mehr auf der Leinwand oder dem Papier . Sie was eines ihrer wichtigsten Kriterien, nmlich der sinnlichen Wahrnehmbarkeit, verlustig gegangen . Die sich damals besonders hervorhebenden Wortfhrer dieser Richtung versuchten es der Mathematik oder Philosophie gleichzutun und erlitten aus nahe liegenden Grnden hierbei Schiffbruch . Es gab aber auch Abfall Kunst ( trash-art ), die uns an Warhols " flesh " und " trash "- Streifen erinnern mgen . Manche betrieben nur mehr eine bloe Materialinszenierung mit dem Mllwert als Richtschnur . Gerade die Nutzlosigkeit eines Objektes sollte seine sthetische " Aura " bewirken . Andererseits fhrten Formenbrche als Kompositionsprinzip zur totalen Reduktion, "arte povera ", wie Germano Celant es nannte . Aus der " destruction-art " entwickelten sich eine Flle von Minus - Varianten und allerlei modisches Chaotentum . Noch verhngnisvoller wurde die dreiste Politisierung jeder Art von Kunst unter ganz bestimmten ideologischen Prmissen . Was widerfuhr in jener schwierigen Zeit Hellmuth Eichner ? Joseph Beuys erschien damals das Fegen des Greifenberger Waldes als Kunstbeitrag weitaus wichtiger als jedes konkrete Kunstwerk . Er konnte auf der Suche nach einem " bridging art and life " ( Jim Dine ) einem " Realisten " keinerlei Anregungen bieten . brigens hat sich bereits Jim Dine ber dieses " bridging " lustig gemacht . Das spricht fr seine Intelligenz . Eichner empfand die damals tonangebenden Tagesmoden im Kunstbetrieb als pures Epigonentum auf der Grundlage des alten Ober Dada Marcel Duchamp . Dennoch blieb er vom Einfluss des Zeitgeistes nicht vllig unberhrt . Wie Rei ( l. c. ) richtig akzentuiert, lassen vor allem die als " Scham-Gegenden " umgetitelten Landschaften Eichners damals eine tiefe Identittskrise ahnen . Allerdings klrt sich bald darauf - etwa ab 1972 - die Situation und der Knstler tritt mit neuen berraschenden Bilderfindungen hervor . Arbeiten wie " Spessart Bild ", " Die Herbstzeitlose ", " Treppensturz "( biografisch relevant im Zusammenhang des Scheiterns von Eichners erster Ehe ) oder auch " Bauvorhaben St. Augustin " lassen erkennen, dass der Knstler sich auf dem als richtig empfundenen Weg nicht beirren lsst . Der konkrete soziale Kontext wird genau artikuliert . Wir erleben die Protagonisten an Allerweltsstrnden " Auf Nummer Neckermann "1972 . Der morbide Reiz von Hinterhfen wird przis suggeriert . Die existenzielle Isolation kann sogar in der Zweisamkeit sichtbar werden, die zwei gelangweilten Damen aus der ehemaligen " Szene " der " Sixties " als Kaffetrinkerinnen am huslichen Tisch vereint . Auch solche Gestalten ruhen in der Tradition . Sie gehen hervor aus dem legendren " Absinthtrinkerinnen " oder dem " Repas frugal " Pablo Picassos aus dem Jahre 1904 . Die herbe Poesie der Klglichkeit, gar Armut ( der Rilke einen " starken Glanz von innen " zuschrieb, was heute eher als peinlich empfunden wird ) drckt sich in vielen Werken Eichners auf jenen Jahren aus . Es gibt nicht nur die Banalitt des Bsen, von der Hannah Arendt sprach, sondern auch die Magie des Banalen . Sie beherrscht dieser Knstler wie kaum ein zweiter . In Arbeiten wie " Kleine Kreuzigung " oder " die Kaffeetanten " blitzt im Banalen der Kern einer ganz bestimmten gesellschaftlichen Wirklichkeit auf . Jede Redundanz oder die Geschmacklosigkeit symbolistisch verschnrkelter larmoyanter Accessoires werden vermieden . In Arbeiten, die noch stark in die eigentliche " Rundkopf Periode " zurckweisen wie " Sonnenschein ", " Bananenfresser "oder " Thats Life " kultiviert Eichner die eigene " trade mark " . Er hat inzwischen sein Publikum und einen damit verbundenen Markt gefunden . Zwar hatte er bereits im Alter von 23 Jahren am Rhein Tiber Preis in Rom teilgenommen ; erst jetzt indessen ergab sich eine gewisse Stetigkeit der Prsentationen . Wichtig wurde die Ausstellung in der Londoner Galerie Treadwell und insbesondere die Zuerkennung der Bronzemedaille bei der Verleihung des Europapreises 1973 in Oostende . Eichner musste mit zunehmendem Erfolg den Vorwurf verkraften, etabliert zu sein. Erst kam die Kritik von rechts und nun von links . Da der Realismus, und sei er noch so kritisch und erkenntnisfrdernd, als vollkommen " out " dekretiert wurde, sah sich Eichner in einem kuriosen Zweifrontenkrieg verwickelt . Rei (l. c. ) zitiert diesbezglich einen erhellenden Passus aus Peter Sagers Werk " Neue Formen des Realismus ", der die Absurditt des Frontenverlaufs schlagartig erkennen lsst : " Diesem Stil (. . . . ) hat man paradoxerweise gerade das bel vermerkt, was sonst gemeinhin positiv zhlt : den Markterfolg und das Publikumsinteresse . Es handelt sich um obszne Kunst, wetterte Werner Spie, weil dieser ausgespreitzte Naturalismus so kriecherisch- heimtckisch den Begriff von Knnen ins Spiel zu bringen versteht " . In der Tat entspricht die handwerkliche Knnerschaft dieser Knstler dem brgerlichen Leistungsbegriff " heimtckisch " genau . Auf die Legitimitt einer Rckkehr zum Realismus, auf seine sthetischen und gesellschaftskritischen Mglichkeiten wiesen nur wenige Kritiker hin ". Die Reaktion auf eine solche Situation zeigt unter anderem Eichners aus verschiedenen Wurzeln im voraufliegenden Oeuvre sich speisendes Gemlde " Der blinde Maler H. Schlimm geht ber den Weg des Informell zu Bonns dnnster Kunstkritikerin ", auf das wir bereits weiter oben in anderem Kontext kurz eingegangen sind . Gerade in diesem 1977 entstandenen Werk deutet sich eine neue Richtung in der knstlerischen Entwicklung an . Das Netzwerk der Beziehungen zwischen den konstruktiven Elementen des Bildes wird schlssiger, intensiver, kohrenter . Eine Flle von Erfahrungen und Erlebnissen fliet gleichsam verdichtet in das kompositorische Gefge, das hierdurch Reichtum und Flexibilitt zugleich erhlt, einen nachgerade " organischen " Charakter empfngt . In jener Zeit beeindruckt erstmals ein Verfahren, das fr die kommenden Jahre bis heute wichtig wurde . Themen, die in Angriff genommen und erstmals bearbeitet wurden, knnen Monate -, gar jahrelang ruhen uns steigen dann pltzlich wieder an die Oberflche, werden in bergreifende bildnerische Systeme integriert . Ein Paradebeispiel ist in dieser Hinsicht der " Zappelphillip ", der zuerst auf der " Groen Dsseldorfer Kunstausstellung " prsentiert wurde . Er geht auf Vorstufen in Gestalt von Aktionen, Fotoarbeiten und Studien zurck, die bereits im Jahre 1976 anheben . Diese Art des Vorgehens hat Eichner selbst plausibel erklrt und zwar in einem Gesprch mit dem Organisationsleiter der Dsseldorfer Kunstausstellung ( Crmers ) und dem Reprsentanten des Stdtischen Kunstmuseums Dr. Peter Peters in der Fernsehsendung " Mittwochs in Dsseldorf ". Demnach ist der erffnende Ausgang fr den Prozess des Malens eine Flle von Assoziationen, gespeicherten Bildvorstellungen, Angstempfindungen, Emotionalen m ganz allgemein . Erst im Verlauf der schpferischen Ttigkeit werden die Ideen konkret fassbar und nehmen Bildgestalt an . Interessanterweise gert die Materialisierung solcher Ideen bei Arbeiten, die auf eine Vielzahl von Versuchen und Prfigurationen zurckweisen, weitaus plastischer als bei jenen, die bereits von Anfang an vollendet erschienen -. Stilistisch ergeben sich Abgrenzungen und Gruppierungen . So definierte die Eichner Kritik im Sinne einer Klassifikation eine Anzahl von Einzelgemlden aus den spten Siebzigern ( genauer 1978 - 1979 entstanden ) als " Weie Periode " . Physiognomie und Hnde gelten bei den diesem Komplex zugerechneten Werken als wesentlich und werden entsprechend detailliert ausgestaltet, wohingegen die brigen Aspekte der Darstellung eher als redundant betrachtet werden und nur sparsam durch Striche angedeutet erscheinen . Dem entspricht die Reduktion der Farbskala auf ein eng umschriebenes Spektrum . Im Extremfall kennt das Wei der Leinwand nur noch rote und schwarze Flchen neben sich . Diese teilweise gezeichneten Gemlde entwickeln sich, wie wir weiter oben sahen, zu einem auergewhnlich selbst- stndigen und zuknftigen Entwicklungen gegenber offenen Genre im Oeuvre des Knstlers . Im Zusammenhang mit den Werken der so genannten weien Periode entstand eine Anzahl vllig anders orientierter Arbeiten . Neben Gemlden wie dem " Mephisto " und rund 15 Objekten ( darunter die besonders bekannt gewordenen Fernsehlandschaften ) gestaltete Eichner berdimensionierte " Materialbilder " aus bauflligen, gar ruins wirkenden Fachwerk- bauten, die er als Menetekel ( Mahnmale ) in die Menschen- feindliche Betonwste im St. Augustiner Huma Gebude installierte . In jenen Jahren lsst sich erstmals ein Versuch Eichners fest- stellen, bildende Kunst und Literatur zu verbinden . Nun haben praktisch alle groen Knstler dieses Jahrhunderts einen engen Kontakt zur Literatur und ihren Vertretern unterhalten, waren mit Dichtern und Schriftstellern befreundet und illustrierten ihre Werke . Aus diesen Begegnungen erwuchsen faszinierende Dialoge . Man denke nur an Picassos Aquatinten zu Sonetten von Luis de Gongora, die in der Edition " Les Grands Peintre et le Livre " kurz nach dem Krieg (1947 - 48 ) in Paris erschienen . Bei Eichner verlief der Weg umgekehrt : er schuf die " Kleine Kreuzigung " ( auch als Grafik ; nebenbei: ein Werk, das fr die in den folgenden Jahren sich entfaltende Arbeits- Problematik wichtig werden sollte, wie wir noch sehen werden ), und die Autorin Gabriele M . Gbel schrieb dazu einen Text, der mit der Grafik 1976 in dem Buch " Der Morgen verdrngt die Nacht " ( im brigen ja auch als Bildtitel bekannt ) in Zusammenarbeit mit dem Knstler publiziert wurde . ( Es folgt der Text ) Eichner interessiert das individuelle Schicksal, nicht der Klassenvertreter . Sein Ansatz ist vllig unmarxistisch, dafr im menschlichen Sinn umso gltiger . Die stilisierte Monumentalitt, sowohl im Faschismus als auch im Kommunismus als Geschmacksverirrung allgegenwrtig, ist diesem Knstler zuwider . Heroisches Pathos mag er nicht, genau so, wie er sich vor dem Irr- und Sndenweg des Foto und Hyperrealismus ala Richard Estes htete, fr den dich immerhin Dali stark gemacht hatte, wenngleich aus einem ganz spezifischen Anti - Avantgarde - Komplex heraus, den er hysterisch kultivierte . Interessanterweise zollt Eichner auch dem Mythos des " Seriellen " der " Reihe ", seinen Tribut . Miro tat das bekanntlich auch, im Anschluss an seine Beschftigung mit serieller Kompositionstechnik ( u. a. bei Varese ). Vielleicht spielt auch Eichners damals feststellbarer Hang zur Systematisierung eine Rolle . Man wei, welche zyklischen Energien Andy Warhol aus der omniprsenten " Chronik der laufenden Ereignisse " bei der uns Hren und Sehen vergeht, zu ziehen verstand . Was geht schlielich nicht alles " in Serie ", sogar die Natur, vielmehr : erst recht sie, mit ihrem sonderbaren Reproduktionsmechanismen . Diese Universale hat Eichner auf seine Weise zu visualisieren versucht . Die Fiktion als Realitt, die Pseudowirklichkeit der Werbung nicht minder, haben Pate gestanden. Des Knstlers Interesse in dieser Richtung schlug sich nieder in seiner Fotodokumentation von Martha Maslankowski . Ein ganzes Jahr lang, von Neujahr bis Silvester, fotografierte es die gleiche Frau . So entstanden 365 Realitten, identisch und different zugleich, die Reduktion auf jeweils Sekundenbruchteile implizierte Scheinrealitt, vorgetuschte Wirklichkeit . Damit eng verknpft erscheint das Problem der Kommunikation der Intersubjektivitt, des zwischenmenschlichen Kontakts . Eichner will den Kontakt mit dem Publikum . Sein Schaffen ist auf Kommunikation ausgelegt . Ein Paradefall fr Rezeptionsthetiker Alle Ausstellungen verstanden sich als Versuch, mit dem Betrachter ins Gesprch zu kommen, einen Dialog mit ihm zu erleben . Seit 1977 blickt Eichner auf eine ununterbrochene Teilnahme an der " Groen Dsseldorfer Kunstausstellung " zurck . Indessen waren es eher die kleineren, intimeren Veranstaltungen, von denen er sich herausgefordert fhlte, die wechselseitige Dynamisierung von Produzent und Rezipient mitunter geradezu provokativ zu inszenieren und in seinen Exponaten zu thematisieren . Diese Erkenntnis lsst sich an den neuen Bildern ab etwa 1979 eindrucksvoll nachweisen . Eine Schlsselfunktion besitzen die beiden groformatigen Gemlde " Die Saubermnner " und ( kurz darauf, gleichfalls 1981, entstanden ) " Chauvis letzte Fahrt " . Beide Werke haben eine enorme Diskussion ausgelst, wie man die bis dato in der Wirkungsgeschichte des Knstlers noch nicht erlebt hatte . Der aktuelle politische Bezug schien offensichtlich . Allerdings bleibt Eichners Gestaltungsweise in beiden Fllen nicht im Vordergrndigen haften, sondern strebt aus dem persnlichen, individuellen Erfahrungsbereich ins berindividuelle, objektiv Analysierbare einer eruirbaren zeitgeschichtlichen relevanten Situation . Die " Saubermnner " gehen auf konkret Erlerntes zurck . Hellmuth Eichner beobachtete seinerzeit eine lrmende Jagdgesellschaft, die sich nach erfolgreich beschlossenem Weidwerk und dementsprechendem Halali in der Sauna erholte . Der dort erfolgte Zusammensto zweier Welten gestatte optische Kontraste . Die kalte, mrderische Technik der dsteren Flinten schafft einen aufregenden sthetischen Kontrapunkt zu den ferkelhaft rosig strahlenden rosig strahlenden Menschenleibern . In den Gewehren liegt zugleich phallische Symbolik . Harte und weiche Strukturen treffen aufeinander, das " Rohe " und das " Gekochte " ( um die Kategorien eines Claude Levy - Strauss zu bemhen ) bzw. " Ausgekochte " und " Abgebrhte ". Die geradezu klinisch - neutrale " Sauberkeit " und Akkuratesse des gekachelten Bades steht in spannungsgeladenem Bezug zu den Werkzeugen der " Suberung " bzw. Reinigung wie Putzeimer ( man erinnert sich pltzlich an Eichners frhes Bild 1. Mai mit Putzhilfe ), Schrubber und Seifenstcken . Dem Betrachter drngt sich der Eindruck auf, es gelte eine Schuld, fast von der metaphysischen Qualitt einer Snde, abzuwaschen . Wir scheinen einer fragwrdigen Katharsis beizuwohnen und assoziieren den Sinn von Reinigungsriten in religisen Systemen . Nicht von ungefhr belebt auch ein blinder Saunagast mit Armbinde und dunkler Brille das Ensemble . Durch die in das Bild hineinkomponierten Wrter werden Erinnerungen an das alte Bonner Victoriabad wach . Die Insider schmunzelt . Welch kuriose " Entnazifizierung " im hheren Sinn soll hier stattfinden ? Auch das darf man nicht zu genau nehmen . Hat doch Eichner angesichts der Attacken seiner Gegner spter selbst einmal behauptet, er kme sich, verglichen mit den Klimmzgen der selbst ernannten avantgardistischen Eintagsfliegen vor " wie ein alter Nazi ". Auf dem Saunaboden umherliegend Zigarettenstummel fhren indessen den von den " Saubermnnern " intendierten Reinigungsprozess zugleich ad absurdum . In einem solchem Werk wird der grundstzliche Unterschied zu bloem Fotorealismus oder Hyperrealismus deutlich, die sich bei fragwrdigen " Inhalt " der Mglichkeit des Ausdrucks begeben . In diesem Zusammenhang erscheinen auch die zahlreichen Fachwerk- Darstellungen Eichners in einem besonderen Licht . Sie analysieren und deuten, fordern ein kritisches Gesprch mit dem Betrachter heraus . Das Thema selbst zieht sich seit vielen Jahren durch Eichners Werk in immer wieder berraschenden Metamorphosen . In einer Epoche der Altbausanierungen und eifrigen Restaurierens empfinden wir eine vllig neue, ungeahnt differenzierte Beziehung zu diesem uralten Baustil . In manchen diesbezglichen Darstellungen des Knstlers entpuppt sich dies " Alte " allerdings als bedrohlich, erstickend. Es scheint der " Jugend " und ihren Vorstellungen im Weg zu stehen und den " Muff von 1000 Jahren " zu reprsentieren . Verfall und Restauration im weitesten Sinne knnen sich zu einer abenteuerlich anmutenden Verbindung amalgamieren, so bereits 1972 in der " Groknigsdorf- Impression " Der Kontrast wird auf die Spitze getrieben in "Fachwerkhaus mit TV(1978) Demgegenber ragt ein Werk wie " Chauvis letzte Fahrt " durchaus in den Bezirk persnlichen Betroffenseins des Knstlers . Was ist mit dem modischen Schlagetot " Chauvi " nicht alles angestellt . Der gute alte hurrapatriotische Monsieur Chauvin htte sich eine solche Deszendenz sicherlich kaum vorstellen knnen . hnlich wie " Die Saubermnner " ragt " Chauvis letzte Fahrt " in den Bereich der allegorischen Darstellung . Der Held der Geschichte, Chauvie hchstselbst, erscheint, recht " sfumato " im Duktus, als hybrides Monster : halb Mann ( Krper ), halb Wolf ( Kopf ) . Die gestelzte Wrde dieses Phnomens steht in eigenartigem Kontrast zu dem eher lcherlichen Kahn, mit dem dieses skurrile Macho - Wesen durch einen geringfgig unter Wasser stehenden Raum paddelt . Drei Mnner versuchen gemeinsam, die Mini - berschwemmung zu beseitigen . Das klgliche Ende des Mnnlichkeitswahns, des Paschatums oder " Machismo " der " Chauvi " - Haltung, wird hier zum Ereignis . Ganz im Hintergrund leuchtet fr den Mythen Freak eine andere letzte Fahrt auf, wie sie etwa Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle inszenierte : Charon berquert den Acheron . Auch die Symbolik des Wolfskopfes hat nahezu mystische Qualitt . Der ganze " Machismo " ist schlielich als Mythos interpretierbar. Dieser Prozess der Auflsung eines Vorurteils findet sich wieder in formalen Abstufungen, die das Bild kennzeichnen . Der Vordergrund und seine Figuren sind mit geradezu altmeisterlicher Bravur kompakt und zugleios in Szene gesetzt, whrend sich zum Mal und Hintergrund hin die Konsistenz der Wirklichkeit allmhlich verflchtigt und zunehmend strker in den Bereich der " sfumature " gert . Eindeutig ausmnzbar ist auch ein solches Werk auf keinen Fall . Im Ensemble der Darsteller des Machismo taucht nicht ohne Grund ein selbstportrtierte Aspekt des Knstlers auf . Die vieldeutige Wahrheit entspricht besten philosophischen und theologischen Traditionen . Wie sagte Dali so trefflich : " Ich hasse nichts so sehr wie das Einfache in allen seinen Formen ". Ein seit den frhen Jahren anklingendes Thema gewinnt im jngeren Werk Eichners neue Funktion und Bedeutung : Die Emanzipation der Frau . Wir alle erinnern uns noch an die Anfnge dieser Bewegung, die in gewissen Zgen auf das Suffragettentum des vorigen Jahrhunderts zurckweist. Die neue Bewltigung des Themas berrascht insbesondere in einem " Spiegel Objekt ", in das der Knstler 3 Frauenbildnisse komponiert hat . Der Bildbetrachter erkennt im Kunstobjekt zugleich sich selbst und die nachgerade unendlich fortgespiegelten Frauengestalten . Bei den Figuren, die sich in gebckter Haltung anstrengen, einen kubistisch geformten Stein aufzuheben ( der zugleich an den Stein aus dem Mehlemschen Haus und die Beuys und Hesse - Hommagen erinnert ), tritt der Kontrast " Black und White " ( Dritte Welt und Europa, oder wie wir heute sagen : Der Nord Sd Kontrast ) ins Spiel . Diese Situation hat Eichner in weiteren Bildern aus verschiedenen Jahren festgehalten . Er sah in diesem weiblichen Sisyphos eine Symbolgestalt, die Allegorie der Frau unserer Zeit . Pikanterweise rief die Emanzipationsbewegung gerade innerhalb der weiblichen Hemisphre eine Gegenrichtung auf den Plan . Es sei nur erinnert an die Protagonistinnen : Alice Schwarzer und Esther Vilar . Diese Variante hat Eichner, so weit ich sehe, nicht eigens in seinen Werken behandelt . Interessant erscheint der Komplex der Emanzipations- - Bilder vor allem unter dem Blickwinkel einer neuen Form von Bildarchitektur, wie sie allmhlich von diesem Knstler erarbeitet wurde . Man wei, welchen Wert die Kubisten auf diesen Begriff legten . Guillaume Apollinaire hat ihn Marc Chagall erlutert, der daraus die formbildende Konsequenz fr seine Traumimagerien zog . Bei Eichner bleibt hier in erster Linie der Gedanke unterschiedlicher Realittsebenen entscheidend, die sich mit zeitlichen Verschiebungen verbinden . Einen neuen Ansto in diese Richtung der Darstellung eines sich wandelnden Raum - Zeit - Kontinuums weiterzudenken, hatte zweifellos die vorhin erwhnte Maslankowski Aktion geliefert . Es entstehen auf diese Weise Bilder im Bild, ineinander verwobene und zugleich voneinander abgehobene Substrukturen, die der Lektre des Bildes berraschende Mglichkeiten erffnen . Der im Bild sich entfaltende " Diskurs " spielt sich auf verschiedenen Ebenen zugleich ab . Vom musikalischen " al fresco " wird gewissermaen der befreiende Schritt hin zur Polyfonie der Erscheinung gewagt . Rei ( l. c. ) hat in diesem Zusammenhang besonders auf die so genannte " blaue " Steinaufheberin ( man spricht sogar von einer blauen Periode ) aufmerksam gemacht, in der ein gewaltiger, monolithisch wirkender Kubus dominiert, dem gegenber der Stein, den die Frau aufheben mchte, geradezu winzig erscheint . Da der riesige Kubus das Bildzentrum beherrscht, bedingt er eine spezifisch gerichtete Optik . Die Ausnahmesituation wird dadurch noch unterstrichen, dass dieser Kubus wie auf eine zweite Leinwand gemalt wurde, die mit Klebestreifen auf dem ersten Bildgrund fixiert ist . Rei weist zurecht darauf hin, dass in den Vereinigten Staaten Lalcolm Morley und insbesondere Howard Kanovitz vergleichbare Verfahren ungewandt haben, um die Scheinrealitt fotographischer Bilder zu unterstreichen . Allerdings bleiben die Fotorealisten im Bereich des seit jeher in manieristischen Traditionen anzusiedelnden " Augentrugs " ( trompe l`oeil ) stecken . Der hiermit verknpfte semantische Nullwert entfernt sich eher von der konkreten Wirklichkeit, als das er sie erhellen knnte . Hingegen bleibt bei Eichner Form und Inhalt als zwei Seiten einer Medaille eng, um nicht zu sagen " dialektisch ", aufeinander bezogen . Auch bei ihm sind, wie schon Hegel es forderte, die Kategorien es einen in denen des anderen zu denken und anzuwenden . Da der zentral aufleuchtende Gegenstand aus der Textur des Gesamtbildes herausgehoben erscheint, insinuiert er eine " andere " Zeit als diejenige der Steinaufheberin . Hinzu tritt, dass Eichner in seiner Bildkomposition den Frauenkrper geradezu aus der Bildebene hervortreten lsst . Somit erscheinen verschiedene Wirklichkeitsebenen in ein und derselben Darstellung . Gegenwart und Zukunft werden aufeinander bezogen . Hier stoen wir auf einen bemerkenswerten Versuch, die im Grunde nicht darstellbare Zeit zu artikulieren, sie wie ein Signal zum Nachdenken vorzulegen . Auf den mythischen Bezug des Kubus zum Opferstein sei hier nur am Rande verwiesen . Dem gesamten Gestus der sich emanzipierenden Frauen haftet etwas Rituelles an . Wie bereits angedeutet, wird eine klare Systematik des Oeuvres dieses Knstlers dadurch erheblich erschwert, dass er in hchst geistreicher Weise die schlichte Abfolge der Phnomene strt . Die Themen und Techniken spiegeln und sttzen sich quer durch die verschiedenen Perioden . So nimmt er etwa in den 80er Jahren Erfahrungen aus der so genannten weien Periode auf, mit ihren typischen Verknappungen und Reduktionen . Farbliche Konsistenz und perfekt ausgemalte Flchen werden vermieden . Wesentlich offenbart sich in Andeutungen, Vorenthalten . Auch pure, graphisch gesttzte Dekorativismen fehlen, wie sie noch in der " Viola " b- Folge von 1978 berraschten . Wie Rei (l. c. ) resmierend hervorhebt, hat Eichner in den Werken ab 1980 in seinem Streben, die Dialektik von Form und Inhalt in den Griff zu bekommen, eine neue Qualittsstufe erreicht . Auch im Bereich der Zeichnungen gelingen dem Knstler in letzter Zeit verblffende Entdeckungen und Effekte, bei denen ein Wechsel von Farbauftrag, grafischer Bearbeitung, Abschabung, Druck, Neuauftrag und Handkolorierung ungeahnte optische Erlebnisse beschert. Sogar im thematischen Sektor ergeben sich neuartige Verbindungen . Die im Laufe der Jahre stets aufs Neue beschworene Beziehungen der Frau zum Mann erlebt eine skurrile Variante : ein junges Mdchen spielt mit einer Puppe, die stark dem " hlzernen Bengele " ( Pinocchio ) hnlich sieht . Das phallische Element in der langen Nase bedarf keiner nheren Erluterung . Die Darstellung gewinnt, aus ihrem Hintersinn, eine letzte Heiterkeit jenseits tragischer Peripetien, durch das, was Martin Heidegger in seiner reichen Mundart das Kuinzige " nannte . Diese subtile Form der Verschmitztheit ( kuinzig " heit wrtlich im Sdbadischen " kein - ntzig ", man sieht, es ist unbersetzbar ) ist Eichner durchaus nicht fremd . Auch er kennt seine Feldwege und Martinskirchen mit ihren Turmuhren, die ein ganz besonderes Verhltnis zu Zeit und Zeitlichkeit unterhalten, genau so, wie ihm die Holzwege gelufig sind . Es ist nicht zuletzt dieser bergische Urgrund, der ein charakteristisches Kennzeichen seiner kreativen Substanz darstellt . Zur schpferischen Weiterentwicklung der Bildarchitektur in den jngeren Werken Eichner wre insbesondere noch der Komplex der " Dynamitfischer " anzufhren . Im Anschluss an Karl Garbe sei hier ein Bildbeschreibung eingeschoben, die auf Wolf Weipert fut, der in den Dynamitfischern ein inhaltlich und formal hervorstechendes Beispiel fr das neue Oeuvre erblickte : Das 2 mal 2 Meter groe Gemlde zeigt einen weibuchigen Urlauber neben einem griechischen Fischer, der im Begriff steht, eine Dynamitstange zu znden . Die Urlauberfigur - unschwer als Selbstdarstellung des Knstlers zu erkennen - dokumentiert die Beziehungslosigkeit des erwartungsbefrachteten Touristen zur brutalen Realitt : Whren der Fischer - die formale Zentralfigur des Bildes - eine vitale Kommunikationsbereitschaft zeigt, bleibt die Touristenfigur isoliert . Wie in den anderen neuen Bildern versteht es Eichner hier meisterhaft, abstrakte Prozesse allegorisch zu realisieren . Die defekte Kommunikationssruktur der Akteure wird klarer als durch Worte ausgedrckt . Dabei untersttzt die Komposition des Bildes die inhaltliche Aussage frappant . Das Tauwerk des Schiffes bildet den Anfang einer Diagonalen, die durch Blickrichtung und Krperhaltung des Fischers im Bildmittelpunkt fortgefhrt wird, um sich als Schattenstreifen auf dem Krper des Urlaubers in der Beplankung des Schiffes wieder zu finden . Dieses formal verbindende Element wird aufgehoben durch die Konstruktion einer zweiten Realittsebene, in der sich der Tourist befindet . Konkretisiert durch ein scharf akzentuiertes Schattenfeld, trennt den Urlauber eine imaginre Wand von der faktischen Situation . Eine dritte Realittsebene entsteht durch die Weiterfhrung des Tauwerks ber den Bildrahmen hinaus : es bildet sich ein Bild im Bild . " ( MdB 3 / 1982, S. 63 ). Genauso, wie man in den Emanzipation - Bildern ( den Varianten der " Groen Freiheit ", mit allen Hans Albers Assoziationen ) im aufgehobenen Kleinkubus zugleich den herausgerissenen Pflasterstein bei Demonstrationen erblicken darf, enthalten auch andere zahlreiche Werke Eichners Fallen und Mehrsinnigkeiten, in denen sich der Betrachter verfangen kann . Wiederum andere Grenzen strebt der Knstler in den verschiedenen " Neuschnee - Varianten " an . Gerade bei diesen Werken hlt er sich formal in einem faszinierenden Extrembereich auf . Er stellt seinen eigenen Realismus auf den Prfstand, versucht ihn in den Kategorien quasi informeller Eindrcke ( wie man sie auch in den Partien der " Singvgel mit Signalschnren von Fangnetzen " von 1976 wahrnehmen konnte ) zu spiegeln . Man kennt vergleichbar berraschende Parallelen aus der Geschichte der franzsischen Kunst . Ein bestimmter Farbauftrag des spten Fautrier lsst sich quer durch die Zeiten zurckverfolgen bis zu den " hautes croutes " eines Chardin . Gerade in den " Neuschnee " Variationen erteilt uns Eichner eine Lektion, zu welchen berwltigenden, fast haptisch wahrnehmbaren Nuancen die " peinture pure " , die reine Kunst des Malens, fhig ist . Wir schwanken zwischen dem Erkennen eines verschnrten Objekts und der Meditation ber eine reine, sensibel strukturierte Farbflche, der wir keinerlei Bedeutung mehr beimessen mchten . Etwas Geheimnisvolles, ein Rtsel, verbirgt sich in solchen Arbeiten, die vor allem im Bereich der Blaupalette ungeahnte Feinheiten aufleuchten lassen . Informelle, gar " wilde " Partien berraschen bereits in verschiedenen Gemlden aus den 70er Jahren ( " Cat 75 "), Marcel Eichner im Alter von 2 Jahren ", 1979 ) Experimentierfreude, Entdecker - und Vernderungsdrang des Knstlers bescheren uns immer wieder berraschende Lsungen formaler und zugleich inhaltlicher Probleme . Man darf auf die zuknftige Entwicklung gespannt sein. Manche Eigenheiten im Oeuvre des Knstlers gewinnen erst im Laufe der Zeit, gleichsam mit zunehmender Reife des Rezipienten, eine ihnen geme sthetische Qualitt . So ergeht es uns mit vielen eingebauten Objekten, wie Fernsehgerten, Leuchtdioden oder Blinkern . Die Schockwirkung weicht erst allmhlich einer sinnvollen Einordnung in das Ganze der intendierten Gestalt . Das sich in den Themenbereichen wie dem " Zappelphillip " und den verschiedenen Clowns auch immer schon der prekre Staus des " Artisten ", die unbrgerliche, " zigeunerhafte " Existenz des Knstlers widerspiegelt, bedarf keiner nheren Erluterung . Die fr Eichner so typische Neigung zum Dreischritt, die geradezu organisch im Laufe der Zeit durch stndiges berdenken und Verwandeln eines zunchst als einheitlich empfundenen Ansatzes entwickelte Form des Triptychons, soll am Beispiel des Sujets " Arbeit", stellvertretend fr andere Dreiergruppen, im Folgenden skizziert werden . Aus den Erfahrungen der 60er Jahre gespeist, entwarf Eichner von 1981 bis 85 in einem stndigen Prozess der Verwandlung zunchst den I. Teil : " Kleine Kreuzigung, oder : Zwischendurch sind sie Knstler ". Die 4 Quadratmeter groe lmalerei auf Leinwand zeigt uns, wie zwei Anstreicher eine Wand bemalen . Offensichtlich verfgen sie ber hinreichend Mue . Sie malen ein Kreuz auf die Wand, das auf den ersten Blick vllig sinnlos erscheint . Man mchte glauben, dass sie es bald wieder berstreichen mssen . Auf den zweiten Blick knnte man vermuten, hier sei vielleicht das Problem der " Kreativitt am Arbeitsplatz zum Thema aufgestiegen . In diesem Gedanken darf man sich vom Knstler besttigt fhlen, der im " Bildtext " ( sit venia verbo, wir sind ja alle TV geschdigt ) lakonisch vermerkt :" Kunst und Arbeit sind nicht gegenstzlich ", Sicherlich sind dies Fragestellungen und Behauptungen, die noch in der " aurea aetas " ( dem goldenen Zeitalter ) des Arbeitsmarktes eine Rolle spielen mochten . Heute prsentiert sich die Lage der Dinge anders . Nur, wenn Arbeit hinreichend zur Verfgung steht, lsst sich sinnvollerweise ber die Rolle der Kreativitt in ihr nachsinnen . Bei klar durchschaubaren " handwerklichen " Verrichtungen lag immer schon die Verbindung zum Knstlertum nahe, bereits die alten Griechen, deren von Bruno Snell so einfhlsam beschrieben " Geburt des Geistes " wir selbst heute noch beiwohnen drfen, pflegten nicht zwischen Kunst und Handwerk ( geschweige denn Kunsthandwerk ) im Sinne von Arbeit zu unterscheiden . Ihr Begriff der " techne " umschloss alles : die skulpturalen Offenbarungen eines Phidias in gleicher Weise wie die praktisch orientierten Hervorbringungen eines puren " Technikers " . Erst in der jngeren Vergangenheit finden wir eine suberliche Trennung vor : etwa zwischen " art " und " artisanat " ( Kunst und Kunsthandwerk ). Diese scheint zunchst whrend des 19. ten Jahrhunderts im Umkreis der Reflexionen Emile Zolas zu diesem Themenkreis vorgenommen worden zu sein ( etwa in dem Knstlerroman " LOeuvre " ). Unsere Zeit hat von verschiedensten Seiten aus die betreffende Thematik in Angriff genommen . Nicht zuletzt haben auch Soziologie und Literatur wegweisende Anstze vorgelegt . Vielleicht erinnern wir uns noch an Ernst Jngers genialen Essay ber den " Arbeiter " und das diesbezgliche Zwiegesprch mit dem grten Denker seit Plato, Martin Heidegger . Uns muten heute angesichts der bedrohlichen Probleme, insbesondere der Jugendarbeitslosigkeit als eines Massenphnomens, manche dieser Untersuchungen ( selbst bei Freyer und Ortega ) ziemlich akademisch und glasperlenspielmig an . Darber sollten wir allerdings keineswegs vergessen, dass die Situation vor noch nicht so langer Zeit in unserer Republik eine vollkommen andere war . Es ist Eichners Verdienst, auf diesen Sachverhalt noch einmal mit Nachdruck hingewiesen zu haben . Beachten wir indessen eines : zugleich impliziert seine Arbeit auch selbstkritisch die Ttigkeit des bildenden Knstlers, zumal dieser Knstler seine Bildaussagen stets auf mehreren mglichen Reflektionsebenen gleichzeitig ansiedelt . Es schloss sich ein Teil II. an : " Deutscher Gewerkschafter, den Kontakt zur trkischen Basis suchend " . Auch dieses Werk, mit den gleichen Maen, wurde vom Knstler in einem langwierigen Prozess stndig intensiverer Annherung von 1984 bis 1985 gestaltet . Reflektierte Teil I die 60er, so geht es hier um die 70er Jahre . Im Vergleich zum Vorgnger mit seinem Nachsinnen ber Arbeit und Kreativitt hat sich nunmehr die Situation grundlegend gewandelt . Durch die enorme Zuwanderung der Gastarbeiter und die gravierenden Vernderungen auf dem Arbeitsmarkt stehen nunmehr dringendere Fragen zur Diskussion . Der gestandene Gewerkschafter im Vordergrund des Bildes scheint das Auditorium, in das er geradewegs schaut, informieren oder belehren zu wollen . Es ereignet sich so etwas wie " eine Rede zum Fenster hinaus " oder ber die Medien, was geradezu identisch anmuten mag . Folgerichtig - und wohl auch, um sein Agitationspotenzial nicht zu schwchen - lsst er die Arbeit ruhen . Ganz anders verhlt sich sein trkischer Kumpel im Hintergrund . Er mauert eifrig weiter, ohne aufzuschauen oder Reaktionen zu zeigen . Offensichtlich bekmmern ihn weitaus unmittelbarere Kmmnisse und Nte . Seine instinktiv richtigen, von keines Gedankens Blsse angekrnkelten, vielmehr der Macht der Fakten beherzt ins Auge schauenden berlegungen kreisen vermutlich strker um die bloe Frage des Lebensunterhalts fr sich und die Seinen und wie man ihn durch Arbeit sicherstellt . Er leistet etwas und mchte dafr gerecht entlohnt werden. Schlielich muss er leben drfen . Es gehrt zum Wesen der Arbeiten Eichners, dass sie es vermeiden, eindeutige und damit sthetisch fragwrdige Botschaften zu propagieren . Es ergeben sich folglich auch in diesem Gemlde verschiedene Blickrichtungen und damit unterschiedliche Vorschlge fr Lsungsversuche in einer extrem schwierig gewordenen Konstellation . Der Betrachter wird auch hier zur Mitarbeit, zum Nachdenken aufgefordert . Inzwischen wissen wir, zu welchen Konsequenzen die uns alle bedrckende Situation der - vornehmlich trkischen - Gastarbeiter auf Grund der vernderten wirtschaftlichen Bedingungen gefhrt hat . Der Staat bemht sich nach Krften um eine durch finanzielle Anreize beflgelte Rckfhrung der " berflssig " gewordenen, zuvor hochwillkommenen, osmanischen Arbeitskrfte in ihre Heimat . Die dadurch entstehenden Hrten, vor allem fr die Kinder im schulpflichtigen Alter, die sich zumeist in keinem der beiden Lnder heimisch fhlen, werden seit langem diskutiert . Neue, in ihren Folgen heute kaum abzuschtzende Probleme werden mit der Aufnahme des trkischen Partners in die EG und die damit verknpfte Freizgigkeit eintreten . Die Voraussetzungen zum Investieren und damit Schaffen neuer Arbeitskrfte sind zudem immer noch nicht besonders gnstig. Das gesamte Panorama im Vergleich zum Teil I. des Triptychons hat sich gendert . Der Begriff " Arbeit " hat eine neue Bedeutung gewonnen, die Eichner treffsicher und ohne verlogene Eindeutigkeit in den Griff bekommen hat . Der Teil III und letzte Teil des Triptychons betrifft unsere 80er Jahre und nennt sich " Gewerkschaft - Puzzle, oder : Arbeiter - schwebend ". Dieses Gemlde entstand mit gleicher Technik und identischen Abmessungen 1984 - 1985 . Wir erkennen in der Darstellung zwei Arbeiter, einen alten und einen jungen, die - wie in einer Art Auseinandersetzung - mit einer Schlagbaumartigen ( Grenzsymbolik ) Messlatte hantieren . Es wird Ma genommen und gestritten . Augenma ist gefragt . Im Hintergrund deutet sich nicht nur die Ttigkeit des Mauerns und Tapezierens an, sondern auch das Kreuz aus dem I. Teil des Triptychons . Die Situation trgt einen eigentmlich schwebenden Charakter der Unentschiedenheit und nicht mehr zu realisierenden Balance . Inzwischen ist die " Frage nach der Arbeit " zum zentralen Problembereich der gegenwrtigen Gesellschaft herangewachsen . Sie hat nicht mehr primr mit der Gastarbeiterfrage zu tun, betrifft vielmehr Fundamentalprobleme gesellschaftlicher Ordnungsprinzipien . Innerhalb der deutschen Wirtschaft ( Unternehmertum ) und Arbeitnehmerschaft selbst ffnen sich mittlerweile abgrundtiefe Grben . Man redet aneinander vorbei, gerade in den so genannten " Spitzengesprchen ) ". Die bereits aus dem vorhergehenden Teil des Triptychons bekannten Klebestreifen, eines der " Leitfossilien " in der Entwicklungsgeschichte der jngeren Eichner Werke, bei denen oft kaum zu entscheiden ist, ob sie jeweils gemalt oder echt sind, hnlich, wie wir es aus den Tools von Jim Dine kennen, verdichten sich zu den zugleich beunruhigenden und spielerischen Strukturen eines Puzzles, Sinnbild der labyrinthisch verknoteten Fragenkomplexe, mit denen Gewerkschaftsfunktionre und Unternehmer sich heutzutage plagen mssen . Oft wohnen mehrere Seelen in einer Gewerkschafter oder Unternehmerbrust . Die Lsung des gordischen Knotens in der nahezu uferlosen und zugleich vllig offenen, eben schwebenden Diskussion zum Thema Arbeit in unserer modernen Arbeitswelt erinnert an die Quadratur des Kreises ( wie sagte Thomas Mann so klug im Doktor Faustus : " So ist das Ganze wie der Weg um eine Kugel " ) . Die Altersproblematik, von Eichner geschickt ins Bild gerckt, spielt eine wichtige Rolle, etwa im Blick auf ein durch Arbeitsmangel erzwungenes frheres Ausscheiden aus den beruflichen Aktivitten, um fr Jngere Platz zu machen . Diese Zwangslage hat uns den Wortkobold " Vorruhestand " beschert . Von hier aus ist es kein weiter Weg mehr zur " Zwangspensionierung " der Altenverbannung, wie man sie aus primitiven " Kulturen " kennt, wo die nutzlosen, zahnlosen Esser kurz und bndig im Urwald ausgesetzt wurden . Im Symbol des Puzzles, genetisch dem Labyrinth verschwistert, ruht das Trennende und gleichzeitig Verbindende, eine latente Dialektik, ein stndiger Umschlag . hnlich verwirrend verschrnken sich Analyse und Synthese in diesem Bild des Eichner . Durch ein im Laufe der Zeit allmhlich immer strker in den Vordergrund rckendes, lockeres bermalen wurde der ursprnglich ein wenig schroff artikulierte " Bild im Bild " - Charakter des Schlussteils dieses Triptychons in eine hhere Einheit berfhrt und damit ein homogener Charakter erzielt . Sogar bis in die Struktur der Rahmung hinein hat der Knstler einfhlsam und hintersinnig diesen dreifach gestuften Charakter des Themas konsequent im Auge behalten : Teil = Grau, Teil II = Dunkelgrau, Teil III = Anthrazit . berraschend bleibt, wie bereits erwhnt, dass solche Triptychen in Eichners Werken nicht absichtlich geplant sind, vielmehr organisch wachsend in stndiger Steigerung der Reflexion und ihr entsprechender formaler Beziehungen sich entfalten . Dieser Charakter ihrer Entstehung brgt fr Aussagekraft und strukturelle Stringenz .Frequenzanalytisch drfte interessieren, wie es mit der schwankenden Intensitt der Produktion des Eichner seit den 70er Jahren bis heute bestellt war . Die dokumentierten Werke erlauben folgendes Bild . Das Jahr 1970 lsst rund 15 Gemlde erscheinen, die von dem entwicklungsgeschichtlich bedeutsamen Werk " Wir sind deine frhliche Jugend, Europa " ( die Realitt widerspricht dem euphorischen Titel : wir sehen Frustration und Langeweile der " Landjugend " deutlich vor Augen in diesem Bild ) bis zu " Schwarze in Deutschland " reichen ( mit dem hufiger aufgegriffenen Thema der Rassendiskriminierung bzw. Diskriminierung von Angehrigen der Dritten Welt in Westeuropa ). Im folgenden Jahr schrumpft die Produktion auf nur mehr 9 Werke von der " Groknigsdorfimpression " bis zur " Schamgegend ". Die 1968 mit " Ich bin deine neue Freundin " einsetzende Periode der Rundkpfe ist inzwischen vergessen . Die Physiognomien gewinnen bereits um 1970 individuelles Leben und wirken nicht mehr stereotyp . 1972 schnellte die Anzahl der Gemlde auf 14 hoch, von der " Herbstzeitlosen "(mit dem ersten Auftauchen von Eichners erster Frau als Typus im Gang des Oeuvres . Allerdings bahnt die Krise der Beziehung sich bereits damals an ) bis " Frhliche Jugend mit einer Figur " ( Fortfhrung des Themas aus dem Jahre 1970 ). Im folgenden Jahr fllt die Anzahl auf 10 zurck und beginnt mit dem Mann im Prisma, der zu vergleichen wre mit der Frau im Prisma von 1967 oder dem " Selbstportrait in der Glaskugel " von 1967 bzw. " Zwei Akte in Glas geblasen " aus dem gleichen Jahr . Die Gruppe schliet mit dem " Sonnenschein ", das zu konfrontieren wre mit " Sun " bzw. " Little Darling, here comes the Sun " von 1969 . Die Narrenthematik prgt sich gerade in dieser Zeit stark aus . Die Narren auf der Landstrae zeigen interessanterweise einen Kopfputz, der an die Kappen der Gaukler in Picassos " Saltimbanques " - Arbeiten ( etwa " La Danse " von 1905 ) erinnert . Im Narrenschiff " begegnet eine Thematik, die seit dem ausgehenden Mittelalter immer wieder in reichem Gewande durch Literatur und bildende Kunst zieht, mit einer spezifischen Symbolik auch der " Entfremdung ". Seit dem " Alten Gaukler " von Baudelaire wurde bekanntlich auch das Wesen der Knstler von diesem selbst gern im Narren - oder Clownstum gespiegelt . Ein Paradebeispiel bildet " Le pitre chatie " ( Der bestrafte Clown ) von Stefane Mallarme. Eine hnliche Darstellung des " Abschminkens " findet sich auch ( s. u. ) in einem Werk Eichners wieder . Im folgenden Jahr 1974 schrumpfte die Produktion gar auf 5 Gemlde . Auffllig betont erscheint die bereits im Vorjahr einsetzende Clown - Thematik ( Wir mssen uns alle einmal abschminken " und " Liebe zweier Clowns " ) . Eine gewisse Krisenhaftigkeit mag sich hier im kreativen Prozess niederschlagen . 1975 sind dann wieder rund 20 Arbeiten bezeugt, von " Der Morgen verdrngt die Nacht " Problematik im Blick auf Eichners erst und zweite Frau ) bis zum zukunftstrchtigen Sujet " der Bcker " . Dies ist vor allem das Jahr zahlreicher Objekte . Eichner sucht neue Wege und verlsst das Genre des traditionellen Tafelbildes vorbergehend . Es erscheinen verschiedenste Abwandlungen :" Landschaftsobjekte "," Objekt mit Fernseher ", " Straenecken ", " Strandgut " etc . Erstmals taucht in diesem Jahr die " Zappelphillip " - Thematik aus . Wir blicken auf eine experimentierfreudige Zeit mit zahlreichen tastenden Versuchen, erkennen jedoch auch eine sich andeutende Formkrise . Im folgenden Jahr geht der Aussto auf 7 Bilder zurck . Eine Schlsselstellung nehmen sicherlich die " Singvgel mit Signalschnren von Fangnetzen " ein, die im Malduktus in die folgenden Jahre vorausweisen . Im brigen erstreckt sich das Panorama vom " Hotel Continental " vor dem Abriss ( in traditionell realistischer Manier ) bis zu " Erste Liebe, letzte Liebe " ( mit der Verarbeitung biografisch relevanter Problemstellungen ). 1977 verlassen zwei Bilder mehr das Atelier des Knstlers . Die Produktion reicht von " Justitia " ( wobei die ffentlich - objektive Auffassung dieser " Gottheit " ins Privat - Individuelle umgedeutet erscheint ) bis hin zu " Signalschnre mit Schwebe- Balken und Flugente ", ein Werk, das mit dem eng verwandten Sujet aus dem vergangenen Jahr vergleichbar wre . 1978 kauft der Knstler die Schule in Mlldorf an . Der im Werk jener Zeit wiederholt auftauchende " Hermann " mauerte beim Umbau mit . Rund 20 Werke - von Hermann I bis zum " Akt " ( Karin Krmer ) sind berliefert. Wichtig ist dieser Zeitraum vor allem, weil jetzt bei Eichner die Bleistiftzeichnung in Kombination mit der lmalerei einsetzen . Aus dem Rahmen fallen die 120 kleinen Teil - Objekte zu " Nie mehr abtrocknen " ( im Zusammenhang der sich ber Jahre verzweigten Emanzipationthematik ). Kurios erscheint bei den Gemlden aus dieser Periode die Affinitt von " Rembrandt " und " angebrannter Hintern " ( Eichner dachte hierbei nach eigenem Bekunden an die volkstmliche Redewendung : Er hat sich den Arsch verbrannt " ) . Man spricht ja auch vom " Rembrandt Braun " . 1979 liefert rund 15 Arbeiten, von " Tarzan - Karl Marx " ( der auf einen dem Knstler bekannten " ewigen Studenten " aus der Szene zurckgreift ) bis zu dem folgenreichen Sujet " Der Maler H. Schlimm " und dem gewichtigen " Zappelphillip " ( dessen erste Version bereits 1976 vorlag ) . Ebenfalls von zentraler Bedeutung erscheint die Werkgruppe " Groe Freiheit " ( Steinaufheberin, als Schwarze und Weie dargestellt, womit sich eine vielstrahlige Perspektive der Deutungsmglichkeiten ergibt ). Das " Kraftrad " liefert ein treffliches Beispiel fr den " fotorealistischen Versuch a la Richard Estes . Um jene Zeit manifestieren sich sogar deutlich in den so bezeichneten " weien " Bildern ( man redet sogar von einer " weien Periode " ) jene fr die anschlieenden Jahre bis heute so wichtigen Zeichnungen ( Bleistift mit Malerei), die sich damals noch mit relativ einfachen Lavuren begngen . Allerdings beherrscht der " Zappelphillip " eindeutig als Schlsselwerk die Szene, auch im Blick auf die Selbstdeutung des Knstlers, die keineswegs ohne Humor geschieht. 1980 fllt das Quantum weit auf rund ein halbes Dutzend Arbeiten, die zum Teil auf bereits behandelte Sujets zurckgreifen, wie sie zwei Jahre zuvor auftauchten " Der Morgen verdrngt die Nacht " oder " Viola " ( letzteres Thema begegnet und bereits seit den 70ern, das erste schon 1975 ) . 1981 hat sich der Knstler offenbar gefangen . Es erscheinen ein gutes Dutzend Gemlde, darunter solche von bedeutendem Stellenwert : von den Varianten zur " Groen Freiheit " ( das Thema gibt es seit 1979 ) mit " Kornfeld " und " Stein " ber das auerordentlich wichtige Triptychon zum Thema " Dynamitfischer " ( mit Leuchtdioden ) bis hin zu den" Saubermnnern " und " Chauvis letzte Fahrt " . Kein anderes Jahr im Schaffen dieses Knstlers zeigt vergleichbares Zusammentreffen zentraler Werke . Zudem ist 1981 eine Periode intensiven und ertragreichen Experimentierens mit verschiedenen Transparentpapieren . Im anschlieenden Jahr 1982 lassen sich gleich zwei Dutzend Gemlde identifizieren . Sie reichen von" Zur Freude aller Deutschlehrerinnen " ber " Fachwerkhaus mit Luftballons und Zahnbrste " ( mit collagierter Brste und nur einem echten Luftballon, die brigen sind gemalt ) und dem an Freud orientierten " bervater " ( aus dem vorhergehenden Jahr berkommende Thematik ) bis zu " Vater und Sohn mit Ball " ( Eichner - Idylle ). Es ist dies das ertragreiche Jahr der Arbeiten auf Transparentpapier, Zeichnungen, Studien und Entwrfe, aber auch der viel versprechende Perspektiven erffnende " Neuschnee " Thematik ( gleichsam der Gegenbegriff zu den " neiges dntan ", dem Schnee vom vergangenen Jahr ), bei der zum Teil die vom Knstler abgeschriebene Eichner - Biografie von Wolf Weipert als Bildtext erscheint . hnlich hat Picasso die Sonette Gongoras abgeschrieben. Arbeiten wie " Fachwerk mit Singvogel " und "Die Zuflligkeit des Todes " erinnern an voraufliegenden Sujets . 1983 darf ohne jeden Zweifel als das bislang zweitbeste Jahr in der Kreativitts- - und Produktivittskurve des Knstlers angesehen werden, so weit die erreichbare Dokumentation dies erkennen lsst . Rund 35 Bilder entstanden, von " Anfang 40 " ( mit selbst- kritischer Komponente im Rahmen der " fugit tempus " - Thematik, wie wir sie bereits aus frheren Epochen des Knstlers kennen (" Anfang 30 " ) bis zu den Varianten der " Meerkunst " beim Sprachspieler Eichner ), des Knstlers Tribut an die bestimmen weitgehend das Panorama . Die Mischtechniken auf Transparentpapier werden virtuos weiter entfaltet . Besonders herausgestellt werden muss das in diesem Jahr entstandene Portrait der Bonner Verlegerfamilie Grundmann, da sich in dieser groformatigen Arbeit die verschiedenen Komponenten aus der neuen Entwicklung erzeugen . Aber auch Themen wie " Chauvis letzte Fahrt " und " Groe Freiheit " werden wieder aufgegriffen . Insbesondere bei den Akten erobert sich Eichner ab dieser Zeit berraschend neue Mglichkeiten der Umsetzung und Gestaltung . 1984 zeichnet sich im bisherigen Schaffen des Knstlers als der absolute Hhepunkt ab. Rund 60 Bilder sind bezeugt . Die Palette erstreckt sich von verschiedenen feinnervigen und technisch Virtuosen Aktdarstellungen zur anzglich interpretierten "Immenburgstrae " Bedeutung zu " Imme " im Sinne von " Biene " und " Burg " in der Bedeutung eines stabilen Gehuses liefert allein schon hinreichend komischen Background, den Eichner in seine augenzwinkernde Version des Themas mit aufnehmen konnte, bei dem fr Nichtbonner nachzutragen wre, dass sich das bundeshauptstdtische Refugium der " Schnen Nacht " ( und meinetwegen auch des Tages ) pikanterweise in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schlachthof etabliert hat . Auch hier bertrifft die Wirklichkeit die Fantasie ( la relitedepasse la fiction ). Bereits die antike Zauberin vermochte Menschen ( damals allerdings mnnliche Wesen ) in Schweinchen zu verwandeln . Homer kann in seinen Irrfahrten des Odysseus ein Lied davon singen, und Helen Vita hat es in einem Song dem Vater der Abendlndischen Literatur, entsprechend leichtgeschrzt, nachempfunden . Eichner hlt sich aus nahe- liegenden Grnden bei diesem aus dem " Bauch von Bonn " im aus- schlielich weiblichen Genre auf . Das Werk hat Biss . Im " Fleischlichen " mag das " Tertium Comparantionis " fr all diese Phnomene ruhen . Allerdings enthlt sich Eichners Deutung der Dinge jedweder frivoler Fleischeslust und unterluft geschickt, nicht ohne Sarkasmus, den hochgespannten Erwartungshorizont des Voyeurs . Wichtig wurden in diesem fruchtbaren Jahr sodann die Themen aus der Arbeitswelt, Landschaften, Frauenportraits, Hermann Hesse - Hommagen und das bemerkenswerte " Anfang 20 " genannte Bild ( als Pendant zu " Anfang 30 " und " Anfang 40 ), das diesmal zur Abwechslung einen jugendlichen Akt zeigt. Bei den Werken dieses Jahres berrascht insbesondere die stupende Sicherheit des Farbauftrages, der hauchzarter Nuancen fhig scheint ( etwa im mehligen Charakter der " Bcker " ). Ab und zu werden Acrylfarben mit Bleistift und Wasserfarben kombiniert, so im " Winter ", der sich heute im Besitz der Westdeutschen Landesbank befindet . Die unregelmig gerissenen oder geschnittenen Papiere, der Reit des Fragmentarischen, locken das Auge des Betrachters, bescheren ihm bisweilen geradezu kulinarische Ergebnisse . Der in mancherlei Funktion durch des Knstlers Oeuvre wandelnde Kubus, auch als edler Kontrapunkt zum umgebenden Chaos ( Eichner zitiert in einem seiner Werke den bekannten Satz : " Nur Idioten halten Ordnung, das Genie beherrscht das Chaos . " ) ins Blickfeld gerckt, erscheint hier in nochmaliger Verdichtung und Umsetzung als _ Stein aus dem Mehlemschen Haus " ( in Bonn Beuel, direkt an der Brcke ) mit Legende im Bild . Auch hier beeindruckt die nachgerade altmeisterliche Bravur der Maltechnik . Auerdem werden in diesem gleichen Jahr 1984 die " Dynamitfischer " variiert und " Meerkunst fr Bonn " proklamiert . In der neuen Version der Dynamitfischer verblfft die raffinierte Lasurtechnik mit Diamantstaub, wie Eichner sie mitunter auch den Akten angedeihen lsst . Noch strker beeindruckt indessen der Selbstbezug . Nach Eichners Worten sind wir alle Dynamitfischer, helfen krftig mit bei der Zerstrung bewohnbarer Welt, die wir mit Flei ihrer Wirklichkeit berauben . Im gegenwrtigen Jahr 1985 erwecken manche Eindrcke den Anschein, als befinde sich Eichner, der listen und einfallsreiche Odysseus und Don Quichote zugleich des nachkriegsdeutschen Realismus und seiner mannigfaltigen Weiterungen, wieder einmal in einer schpferischen Krise, aus der er zielstrebig und kraftvoll einen Ausbruch sucht . Bis zum augenblicklichen Zeitpunkt waren bereits 20 Gemlde nachweisbar, vor allem Studien, Fachwerkhuser ( insbesondere als verfallende, unbewohnte Variante, wie sie auch schon frher einmal bei diesem Knstler berraschen konnte ), Landschaften " Neuschnee " - Abwandlungen ( bemerkenswert in diesem Zusammenhang die Sprachschpfung " Weltum " aus " Umwelt " ). Mit Bedacht werden Landschaften " Scham- Gegenden " getauft . Eichner empfindet Scham ber das, was der Mensch, dieses noch nicht festgestellte Tier ( Nietsche), von dem Goethe meinte : " Er hat Verstand und brauchts alleine, nur tierischer als jedes Tier zu sein . ", mit der Natur anrichtet . Das " Kreuzwegthema " taucht gleichfalls wieder auf und erinnert formal an die " Straenecken " und vergleichbares aus vorauf- liegenden Jahren . Die Kaffeepausen - Thematik erweitert sich um die Variante " Vater und Sohn mit Ball " ( mit Goldstaub gehht : Der Betrachter assoziiert unwillkrlich bestimmte Slogans der Kaffeebranche . ) Als neues Material werden echte Tesakrepp - Streifen in die Werke eingebaut . Placet experiri . Wie sagt der alte Thomas Mann so schn ( Tochter Erika hat es berliefert ) : " Es scheint, als sei mit dem Menschen ein Experiment angestellt und als hinge es nur von ihm ab, ob es gelingt oder nicht . Wir wissen zwar nicht, ob es so ist ; aber es wre gut, der Mensch verhielte sich so, als ob es so wre " . Die Versuche Eichners konzentrieren sich auf jene geheimnisvolle Dialektik von Form und Inhalt, die ihn seit seinen Anfngen beschftigt hat . Man darf gespannt auf den Ausgang seiner neuen Versuchsreihen und Erprobungen auf dem Prfstand hoffen . Der Eichner wird uns nicht enttuschen oder im Stich lassen . Ein Knstler mit einem solchen Fundus, reich ausgestattet mit kreativer Intelligenz, ist immer fr eine grandiose berraschung gut . Die deutsche Kunstszene kann auf die schpferische Potenz und knstlerische Redlichkeit dieses von Brio und Verve getriebenen Wirklichkeitsfanatikers nicht verzichten . Die Frage nach der Wirklichkeit der Kunst ist zugleich die Frage nach der Wirklichkeit der Natur . Kunst kann Natur nie einholen, sie lebt von ihr . Wir mchten schlieen mit einem leicht vernderten klassischen Dictum : " Auch wenn man die Kunst mit der Mistgabel vertriebe, sie kehrt doch immer wieder zurck . " Dr. Tuchel, Bonn 1985

1985

" Das neue Buch " Buchprofile fr die Kath. Bcherarbeit

Tuchel, Hans G, : Der Eichner oder die Frage nach der Wirklichkeit . Bonn : Bouvier 1985.

81 ( 160 Seiten berwiegend Text , meist farbig. ISBN 3-416-01873-7 fest geb. 78. -

Wie der Autor des Textes zu dem in seiner Ausstattung und Aufteilung schon augenfllig wirkenden Bildband gleich eingangs festgestellt und im Folgenden mit berzeugungskraft belegt, sind das Schaffen und Wirken des erst 40-jhrigen Hellmuth Eichner als Meilenstein in der Entwicklung des " Neuen Deutschen Realismus " zu betrachten und seine Bestrebungen, die Dialektik von Form und Inhalt in den Griff zu bekommen, von besonderer Qualitt . In sicheren und wohlabgewogenem Zusammenspiel von Bild und Wort werden anhand seiner Werke Leben und knstlerische Entwicklung eines Menschen charakterisiert, der unbequem sein mag, weil er aufrttelt, beunruhigt und bisher Verschlossenes vor dem Beschauer aufreit, der, selbst noch auf der Suche und fr berraschungen offen, die Auseinandersetzung verlangt, ohne seine persnliche Eigenart je in Frage zu stellen . - Das Buch ist fr einen entsprechend vorgebildeten Leserkreis gut geeignet, da es nicht zuletzt auf Grund seiner zahlreichen gelungenen Farbreproduktionen, seines Werkverzeichnisses, der Hinweis auf Literatur, Rundfunk und Fernsehsendungen informiert und zu Vergleichen anregt und so als Mastab fr die vielen Erscheinungen gleicher oder hnlicher Richtungen in der modernen Malerei denkbar ist . J. Hoffmann

1985

KLNER STADT ANZEIGER

von Alwin Georg Maibach

" Orientierung in der Kunstszene ? "

Dem Autor Dr. Hans Tuchel ist anzumerken, dass er sich lange sehr intensiv mit den Hhen und Tiefen dieses Knstlers auseinandergesetzt hat, dass er versuchte, ber das Werk des Knstlers auch in dessen Innerstes vorzudringen, ohne jedoch den Knstler voyeuristisch zu entblen . Das der Kunstwissenschaftler dabei tief in seinen Fundus greift, zuweilen dabei Bezge herstellt, die dem Knstler ( noch ) nicht angemessen erscheinen, ist verstndlich . Dennoch ist dieses Buch sehr lesenswert . Denn all diejenigen, die seit Jahren der Kln Bonner Kunstszene verbunden sind, gibt diese umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Werk Eichners viele neue Anregungen zur Beurteilung dessen, was sich hier so alles tummelt . Das besagt keineswegs, dass Der Eichner, der gerne und immer wieder auch bei Ausstellungen im Kreisgebiet vertreten ist, nun die Messlatte der Kunst im Rhein Sieg Kreis darzustellen htte ; er kann aber und darber gibt Tuchels Buch Aufschluss ein Orientierungspunkt sein . Dass dem so ist, beweist nicht zuletzt die gerade im Kreishaus gezeigt Ausstellung um den Kunstpreis des Rhein Sieg Kreises .

Denn hier berwiegen die Neorealisten, deren herausragender Vertreter Eichner nun mal ist und der nicht zuletzt mit seinen jngsten Werken, den zu strenger sthetik neigenden Akten auf Transparentpapier gezeichnet dieser Stilrichtung neue Anste, vielleicht sogar neue Akzente zu geben vermag .

1985 W D R

Bericht ber die Vorstellung des Abendmahls bei Rhrscheid von Bettina Bttinger mit Stellungnahme von Thomas Grundmann .

farbiges Plakat

1985

Katalog der BBK Landesausstellung im van der Heydt Museum in Wuppertal

Abbildung : Chauvis letzte Fahrt 160 x 160 cm

1985

DER SPIEGEL

Hellmuth Eichner, Maler aus Bonn, bekam rger mit rheinischen Saubermnnern .

Die Bonner Buchhandlung Rhrscheid der grten Buchhandlungen Deutschlands, hatte ein Werk des Knstlers in einem ihrer Fenster ausgestellt, um fr einen Eichner Kunstband zu werben . Schon am ersten Tag bewirkte das Werk " Die Saubermnner " massiven Telefon Protest jener, die meinten, dargestellt worden zu sein . Die Anrufer erkannten in dem 28o x 18o cm groen Bild nichts als Schweinerei und Pornografie und drohten mit der Polizei, Ordnungsamt und Boykott der Buchhandlung . Nach einer Woche hatten die real existierenden Saubermnner sich durchgesetzt und das Werk musste dem Eichner Bild " Blaue Kuh in den Rheinauen

weichen . Mit groen Lettern wurde auf der Schaufensterscheibe gefragt:" Besser so ? " .

1985

KLNER STADT ANZEIGER

Schatten

von E. v. S. ber eine Ausstellung in der Klner Galerie La Linea

Eichner konfrontiert in seinen Bildern Wirklichkeit und Fantasie

Bissig sind die meisten dieser Arbeiten, gesellschaftskritisch und pikant. " Die Zuflligkeit des Todes " ist bei Eichner eine mehrdeutige Parabel, die an einem Strand von Sylt spielt . Der unbeeindruckt wirkende Fahrer eines Heiluftballons wird von einer grotesk entstellten bernatrlichen Traumfigur gerade " zufllig im vorbergehen" enthauptet. In das Bild hat Eichner 14o Leuchtdioden eingebaut, die ber einen Computer gesteuert, unablssig blinken und auch nachts wirken knnen .Immer wieder setzt sich der Knstler mit der Realitt auseinander Irritationen sind das Ergebnis wie in dem Bild " Groe Freiheit " schwarz. In einem nicht nher definierten Raum bckt sich eine Farbige und hebt einen Stein . Hinter ihr hngt ein groformatiges Foto, auf dem ein saftiges Kornfeld abgebildet ist - einen schnen Gru aus Europa - steht auf dem Untertitel . Dieses Bild hat Eichner wiederum mit einer Polaroidkamera abfotografiert und das Foto wiederum auf die Leinwand geklebt . Ein Besuch lohnt sich .

1985

Frankfurter Buchmesse

Der Verlag Bouvier prsentiert das Eichner Buch auf der Frankfurter Buchmesse

1985

Katalog

" Das kleine Format "

Abbildung : " Winterlandschaft " 37 x 40 cm

Bonner Knstlergruppe, Haus an der Redoute

1986

BONNER GENERAL ANZEIGER " Eisenflgel fliegen nicht " , vier Knstler im Haus an der Redoute

von Marion Leske

Katalog " 7 Knstler - zwei Termine " Abbildung im Katalog " Die Saubermnner " Text im Katalog von Dr. Hans Tuchel

Dem Realismus am nchsten: Hellmuth Eichner mit seinen technisch effektvollen Transparentpapier und einigen groformatigen lbildern . Gegenber den zarten Mdchenbildern, die er vor einigen Monaten zeigt, setzt sich in seinen " Arbeiterbildern " der frhere, kritische Realismus fort, handwerklich jedoch verfeinert und mit symbolischen Andeutungen spielend, wie etwa in" Kleine Kreuzigung " .

Am aussagekrftigsten und konsequentesten sind die Arbeiten, in denen er seinen Realismus kompromisslos bis zur Satire verfolgt auch wenn Darstellungen wie " Die Saubermnner " gelegentlich Protest hervorrufen .

1986

Katalog 1. Bonner Regionale

im Frauenmuseum Bonn

Abbildung : " Weltum " 200 x 200 cm

1986

RUHR NACHRICHTEN

von Charles Rump ber eine Ausstellung von H . Eichner im Museum Ratingen

groformatiges farbiges Plakat mit ausfhrlichem Text .

Die Kraft des Gegenstndlichen ist noch ungebrochen - weder die abstrakte noch die konzeptuelle Kunst haben daran etwas ndern knnen .Im Museum Ratingen stellte ein realistischer Knstler aus : Hellmuth Eichner, einer der originellsten Realisten die es gibt .Man kann den Eichner in eine Reihe stellen mit so kompromisslosen figurativen Knstlern wie Malte Sartorius, Jan Peter Tripp oder Klaus Vogelsang .Es gibt Dinge, die den Eichner bewegen, die auch bei den genannten Themen und Probleme sind . Es gibst aber Sachen, die sich eben nur beim Eichner finden und das macht sein manchmal erfrischend erschreckend Natur - realistisches Werk so anziehend .Dass bei Hellmuth Eichner der Gegenstand nicht Selbstzweck ist, zeigt sich in seiner malerischen Behandlung . Bei den Figuren liegt der Akzent oft im Gesicht dort ist die malerische Behandlung so dicht, dass man glauben knnte, der Maler wollte dort alles nachholen, was er in anderen Partien ausgelassen hat . In seinen Groformaten formuliert Eichner kritische Kommentare zurzeit .Jenseits einer ideologischen Festlegung sind die Verbindungen von Text und Bild auf der Leinwand, wie sie im Ratinger Hauptbild, dem Triptychon " Kunst und Arbeit, keine Gegenstze " bestimmend sind .Dieses Triptychon ist eine Leihgabe des Bonner Postministeriums .In einer Tafel sind handwerkliche Maler am Werk in einer Pause haben sie eine Wand bekleckst - mit einer zuflligen Kreuzesform . Diese kleine Kreuzigung oder auch " zwischendurch sind sie Knstler" ist einer der vielschichtigsten Kommentare zu den gegenseitigen Beziehungen von Kunst als freier und " Arbeit " als unfreier Ttigkeit. Die zweite Tafel, mit dem bissigen Titel " Deutscher Gewerkschafter, den Kontakt zur trkischen Basis suchend " , deutet die Figur des strahlenden Arbeiterhelden, den wir aus der Malerei kennen, bissig um . Der Eichner baut Symbolketten aus, Gegenstnde und Figuren geraten durch ihren Ort in der sthetischen Ordnung des Bildes in einen ihre Existenz erhhenden symbolischen Bezug zueinander In jngster Zeit malt Der Eichner Bilder auf Transparentpapier durch den das Licht hindurchdringt und von der weien Unterlage her wieder zurckstrahlt

1986

Dem Bedrfnis nach System auf der Spur

W. Z vom 4. 11. 86

Die Visualisierung traditioneller Tonarten ist das Hauptthema einer Bilderserie der Knstlerin Rune Mields . Die etwa 20 Arbeiten unter dem Titel de Musica sind ab Sonntag im Ratinger Stadtmuseum zu sehen,

gleichzeitig wir die Ausstellung des Bonner Realisten Hellmuth Eichner erffnet, Rune Mields zhlt zu den Knstlern, die dem Bedrfnis des menschlichen Geistes nach grundstzlichen Ordnungssystemen nachspren . Seit den 70er Jahren schon befasst sie sich mit mathematischen Systemen, deren Ablufe sie mit ihren Bilderserien fr den Betrachter fixiert .

Die Arbeiten von Hellmuth Eichner stehen unter dem Thema " Kunst und Arbeit - keine Gegenstze " . In einem groformatigen Triptychon hat sich der Knstler mit Wesen und Wandel der Arbeit in den 6oer, den 70er und den 80er Jahren auseinander gesetzt .

War zurzeit der Vollbeschftigung im Bereich der Arbeit noch Zeit zum Protest und kreativer Auseinandersetzung mit dem Beruf, wandelte sich dies in den 70er Jahren zur durchverwalteten Arbeit mit beginnenden Entfremdungserscheinungstendenzen von Arbeiterschaft und Gewerkschaft und seine Bilder enden schlielich mit einer Zustndlichkeitsbeschreibung der Arbeit, wie sie sich durch einbrechende Mrkte und Arbeitslosigkeit der 80er Jahre ergeben hat.

Eichners Auseinandersetzung mit diesem Thema stie mittlerweile auch bei den Behrden auf Interessen, die Deutsche Bundespost erwarb dieses Triptychon, 600 x 200 cm, fr das neue Postministerium in Bonn .

1986

DIE WELT

Lob der Meister mit schnen Bildern

Neue Bildbnde ber Miro, Eichner und Klusemann

Der Eichner oder die Frage nach der Wirklichkeit, Bouvier von

Hans Tuchel: Der Bonner Maler Hellmuth Eichner

Obwohl in der Darstellungsform des Realismus verpflichtet, bevorzugt in der Komposition seiner Bilder die Collage scheinbar unzusammenhngende Personen und Gegenstnde. Die Wirklichkeit, die Detailgenau wiedergegeben wird, verfremdet der Maler durch Rahmungen unvollendeter Teile oder durch Anamophosen . Die Titelfrage nach der Realitt des Realismus . Obwohl Hellmuth Eichner in den Titeln gelegentlich Sozialkritisches anklingen lsst, sind seine Bilder keine gemalten Botschaften . Anderenfalls fehlen ihnen, obgleich sie meist in hellen Farben gemalt sind, alles Freundliche und Gemtvolle, was eine spontane Zuneigung auslst. Sie geben sich rtselhaft und der Betrachter muss entscheiden, ob das nur eine Attitde ist oder ob es Verborgenes zu entdecken gibt .

1987

KLNER STADT ANZEIGER

" Das Abendmahl " von Hellmuth Eichner, halbseitiges Bild

1987

EXPRESS

" Ausstellung zum Papstbesuch "

von Elisabeth Edinger

Jesus, ein bartloser Punk, sitzt am Roulette Tisch und schiebt seinem Gegenspieler Judas einen Haufen Jetons zu . Lenin ist dabei und im Hintergrund ein Teufel mit den Zgen des Eichners . Der Eichner schuf das Abendmahl aus seiner Sicht neu . Noch bevor das 3 teilige groformatige Werk ( 550 x 155 cm ) an die ffentlichkeit gert, war die Katholische Kirche schon im Atelier . Sie lie von mehreren Experten prfen, ob das Bild Papst Johannes Paul II unter die Augen kommen darf . Der Eichner staunte nicht schlecht als man ihm schlielich mitteilte : Es soll whrend des Papst Besuches in Augsburg im Mai gezeigt werden . Die Bundesweit ausgeschriebene Ausstellung trgt den Titel " mein Christusbild Heute " . Vorher knnen es die Bonner noch in der Buchhandlung Bouvier am Hof bestaunen . Auf der Vernissage wird ein originaler Roulette Tisch aufgebaut, an dem dann mit Vertretern der Kultur und der Kirche ber das Bild diskutiert werden soll . Der Eichner erwartet nicht nur zum mittleren Teil Diskussionen, sondern auch zu dem Linken mit dem beziehungsreichen Titel " DIE LINKEN " und auch zum rechten Teil des Bildes " DIE RECHTEN " . Auf dem linken Teil sind vier Schafbcke vor leeren Tellern dargestellt und auf dem rechten Bild eine Eselsschule .

1987

Kunstverein zu Frechen e. V .

1. Rhein - Kunst - Triennale

1 Abb. " Boxer" 160 x 130 cm Kratztechnik

Katalog

1987

BONNER RUNDSCHAU

" Blasphemie oder Neudeutung ? "

ffentliche Diskussion ber Eichners Bild " DAS ABENDMAHL "

von Siegfried Schmidt

Einer der wenigen Knstler der Gegenwart, die sich an eine Darstellung des letzten Abendmahl gewagt haben, ist der Bonner Maler Hellmuth Eichner ( geb . 1946 ) ein Hauptvertreter der neuen deutschen realistischen Kunst . Doch das krzlich nach zweijhriger Herstellungszeit fertig gestellte Bild kmmert sich in keiner Weise um christliche Ikonografie . Da die Reaktionen auf das dreiteilige Bild bisher von nachdenklicher Zustimmung wie zur vlligen Ablehnung reichen, will die Buchhandlung Rhrscheid das Werk in die ffentliche Diskussion stellen. Vom 20. 3. bis zum 1 April ist das Werk bei Rhrscheid zu sehen . Fr Dienstag ist bei Rhrscheidt eine Diskussion mit Vertretern aus Kultur, Kirche, und dem ffentlichen Leben vorgesehen .Der linke Teil des Triptychons zeigt vier Schafbcke vor leeren Tellern, der rechte Teil verhllte Gestalten, die unfhig sind, die vor ihnen ausgebreitete Heilige Schrift zu lesen . Die eigentlich provokativen Elemente liegen in dem Mittelteil : Jesus, der nur am Bildrand auftaucht, ist als junger Punker dargestellt . Er schiebt dem bleichgesichtigen Judas, der vor einem Roulette und vielen Jetons sitzt, einen Haufen Jetons zu . Vor einer dritten Person am Spieltisch, die die Zge Lenins trgt und die eine Kreuz hlt, huft sich das Kapital . Das Spielbankmotiv aufgreifend, hat die Spielbank Bad Neuenahr fr den Diskussionsabend einen Roulette- Tisch samt Croupier zur Verfgung gestellt . Mit Jetons werden Sachpreise ermittelt .Ohne Zweifel hat Eichner sozialkritische Aspekte in sein Bild eingebracht . Ob diese oder andere Bezge mit der glaubensmigen Auffassung vom Abendmahl und seinem spirituellen Gehalt zu vereinen sind, soll insbesondere die Frage der Diskussion vor dem Bild sein . Das Triptychon wird dann auf Reisen gehen : ins Augsburger Mnster, in die Galerie fr christliche Kunst in Mnchen, auf die groe Dsseldorfer Kunstausstellung, nach Hamburg ins Claeromont Haus und nach Kln .

1987

BONNER RUNDSCHAU

" Vom Gegenstand zum Symbol "

von Charles Rump

1987

BONNER RUNDSCHAU

" Eigenes Knstlertum geehrt ? "

von Annette Siemens

Zu einer Prsentation und Diskussion rund um einen Roulettetisch samt einem Croupier der Spielbank Bad Neuenahr hatte die Buchhandlung Rhrscheid eingeladen . Vorgestellt wurde das " ABENDMAHL des Bonner Malers Der Eichner . Lag es nun an dem provozieren Bild oder an dem versprochenen Luxusleben mit Jetons und Champagner, jedenfalls waren beide Etage brechend voll und die Leute standen schlangenweise vor der Tr . Teilnehmer der Diskussion waren Dr. Tuchel, Dr. Anke Krickelberg Ptz, Dr. Brbel Kreifels, Dr. Dieter Piel Chefredakteur der Zeitschrift Capital, der Kunstkritiker Carl Friedrich Schroer und Schwester Isa Vermeeren, Ordensfrau. Kirche, Kunst, und Kapital - laut Einladungskarte der Themenkreis des Triptychons - stellten ihre Positionen zum Bild dar: Dr. Tuchel und Dr. Krickelberg Ptz betonten die Verankerung dieses Werkes in der christlichen Ikonografie und die bewusste Zitierung von Max Ernst, Goya, und des sozialkritischen Realismus der 2oer Jahre. Dr. Brbel Kreifels stellte ihrer Betroffenheit angesichts der Aktualisierung der Bildformel dar. Dr. Piel vom Capital hob die Dominanz des Geldes im Bild als eine zutreffende Analyse der gesellschaftlichen Situation hervor .Hier endeten die wohlwollend positiven uerungen zu der Abendmahlsszene am Spieltisch . Kritisch sah Carl Friedrich Schroer das Produkt :Provokant sei es nicht und Inhalt und Personen entzgen sich der Identifizierbarkeit, die Botschaft sei nicht eindeutig . Er lobte jedoch die Initiative des Buchhndlers, Kunst eine solch attraktive Veranstaltung zu widmen. Noch schrfer in ihrer Kritik war Schwester Isa Vermeeren, die den Zusammenhang von Titel und Gestaltung schlichtweg abstritt : Sie analysierte glnzend den Mittelteil des Bildes, stellte eine ungengende Charakterisierung der Figuren fest. Das Who is Who sei unentschuldbar ; die Handlungsbeziehungen der Personen untereinander sei unklar. Sie bekundete ihr Missfallen darber, das der Knstler sich selbst in diesem Bilde an beherrschender Position verewigte - Hommage an das eigene Knstlertum ?Einleuchtend erschienen ihr die beiden Seitentafeln, die rechte Gruppe von Eseln mit verbundenen Kpfen deutete sie als die Kritiker des Bildes, die linke Gruppe von Widderkpfen vor leeren Tellern hingegen als deren Kufer . Eine pointiert - Sarkastische Position, die viel Beifall, aber auch vehement Widerspruch aus den Reihen des Publikums fand, da nur zu deutlich ihre Stellung als btissin eines Klosters durch ihre Worte drang .

1987

EXPRESS

von Edinger

So groes Gedrnge gabs noch nie in der Buchhandlung Rhrscheid : Vierhundert Gste drngten sich um den Bonner Knstler Der Eichner und um sein riesiges Gemlde " Das Abendmahl " welches vor einem originalen Roulette Tisch aus Bad Neuenahr gezeigt wurde . Und mit diesem Tisch hatte es folgende Bewandtnis :

Der Eichner nmlich hat auf seinem Bild Jesus als Punk am Spieltisch dargestellt, klar, dass an dem Abend ber diese ungewhnliche Abendmahls Sicht diskutiert wurde . Es flogen die Fetzen, klar war auch, dass die bekannte Ordensfrau und ehemalige Kabarettistin Isa Vermeeren + (Wort zum Sonntag ) kein gutes Haar an dem Bild lie, doch das lsst den Knstler kalt.

Spter durfte noch am Spieltisch gesetzt werden . Eichner hatte Grafiken als Gewinne spendiert .

1987

" Selbstbildnis "

Ausstellung des BBK Bonn im Knstlerforum

Katalog

Abbildung der Schafsbcke mit dem Titel : Ich bin der Zweite von links " " Ich bin auch der Zweite von links " " Ich war der Zweite von links " Ich will der Zweite von links werden " 2200 x 1500 cm

1987

BONNER GENERAL ANZEIGER

Foto von Franz Fischer mit Text :

Hellmuth Eichners Triptychon" Das Abendmahl" stand im Mittelpunkt einer Diskussion mit Vertretern aus Kirche, Kultur und ffentlichem Leben in der Buchhandlung Rhrscheid . Der Andrang zu der Veranstaltung war enorm, die vom Thomas Grundmann geleitete Diskussion verlief sehr kontrovers . Der Bonner Maler Eichner hat zweifellos ein Werk geschaffen, das niemand gleichgltig lsst .

1987

STERN

Heft Nr. 20. 7. 5. 87

Ob der Papst bei seinem Besuch im Augsburger Mnster wohl Augen hatte fr das " ABENDMAHL " , jener denkwrdigen Gesellschaft, die Hellmuth Eichner auf seinem Gemlde versammelt hat ? Jesus als Punk, die Jnger als Schafbcke, Judas als Croupier der Jetons ber die biblische Tafel schiebt . Das provozierende Werk wurde ausgerechnet von der internationalen Kolping Bildungssttte fr die Ausstellung " das Christusbild, Heute " ausgewhlt .

1987

Carl Friedrich Schrer schreibt in einem Brief an Thomas Grundmann:

Meiner Meinung nach einer der wichtigsten Abende fr die Kunst berhaupt, denn endlich einmal fand Kunst den Weg aus den Zirkelchen und Vereinen hinaus in die ffentlichkeit . Wie erfrischend das wirkte! Wie engagiert, wie offen und ernst ber das Bild diskutiert wurde. Die meisten verfolgten das Fr und Wider ber mehrere Stunden stehend, auf der Treppe, unten im Laden und, wie ich hrte, sogar noch auf der Strae. Ich erinnere mich dagegen an mache zhen Premierenabende im Theater, wo das Publikum fast ausschlielich aus Insidern zusammengesetzt war, da kam nichts zu Stande. Kunst braucht aber unverflschte ffentlichkeit und uneingeschrnkte Offenheit. Nur in der offenen Auseinandersetzung kann sich etwas entwickeln . Gestern geschah pltzlich etwas : im Gedrnge entstand eine offene Situation. Es flogen sicher ein paar verbale Fetzen, insgesamt aber suchte man die ehrliche Auseinandersetzung mit der Kunst . Der Andrang war erstaunlich Die Schlange vor dem Geschft wuchs mehrere Hundert Meter lang - und das " nur " wegen eines Bildes ! Die Abstimmung mit den Fen machte wieder einmal deutlich, das Kunst, auch zeitgenssische Kunst, tatschlich populr geworden ist und ernst genommen wird . Auch das ist ermutigend .

1987

BONNER RUNDSCHAU

von Siegfried Schmidt zur Ausstellung im Stdtischen Kunstmuseum Bonn " Papierbilder "

Katalog

Aus der Dunkelheit heraus hat Hellmuth Eichner mit Transparentpapier seine bedrohlichen, knallhart realistischen Boxerfiguren herausgekratzt, die sinnigerweise den Titel " Zeit der Zrtlichkeit " tragen .

1987

WELTKUNST

von Horst Richter ber die Ausstellung " Papierbilder "

Monatszeitschrift

1987

HAMBURGER ABENDBLATT

Kunst Fest mit dem Eichner

1988 BERGISCHE LANDESZEITUNG

von Doris Arp

Beuys ist gut, Beuys Schler - nein danke, und das von einem, der sich zurecht Beuys Schler nennen darf . Der in Bonn lebende Maler Eichner ist ein Knstler gegen den Strich ; keiner, der sich an den zeitgenssischen Trends anpasst . " In der Beuys Klasse kam ich mir mit meinem Realismus vor wie ein eingeschriebenes C D U Mitglied unter laufenden R A F Mitgliedern ", erzhlt Eichner . Wohl nur durch die berredungskunst der Galeristin war es mglich, den in Hoffnungstahl gro gewordenen Knstler mit internationalem Renommee’ wieder an den Ort seiner Kindheit zu holen . 20 Jahre ist es her, dass er Hoffnungstahl den Rcken kehrte, womit ihn unliebsame Erinnerungen verbinden . Bei einer seiner ersten Ausstellungen 1965 verdeckte Pfarrer Backhaus Eichner Bilder mit einem Tuch . Vielleicht nicht zuletzt aus diesem Grund finden sich in seinen Bildern immer wieder religise Inhalte . So auch in seinem groformatigen Bild " Das Abendmahl " . In den Ausmaen 5. 50 Meter x 155 cm ist die Abendmahlsszene ( einer wird der Verrter sein in aktualisierter, provokanter Form dargestellt . In der von Eichner selbst entwickelten Kratztechnik arbeitete er ein Jahr lang an diesem Bild . In feinster Detailarbeit kratze er mit einer Rasierklinge die Szene aus einem mit schwarz - violetter Farbe beschichteten Transparentpapier . Vorzeichnen ist nicht mglich, jeder Kratzer muss sitzen. Die dreigeteilte Szenerie mutet fast wie ein Foto an ; nur mit Licht und Schatten arbeitend, holte Eichner mit unglaublicher Przision die Konturen der Personen und Gegenstnde hervor . Und so kommentiert Eichner die Darstellung : Die Rechten in den Roben der Advokaten knnen die Bibel nicht lesen. Sie befinden sich in der " Eselsschule " , haben ihrer Roben mit Sehschlitzen ber die Kpfe gezogen, jedoch immer so, dass sie gerade wieder mal nichts sehen knnen . Sie sitzen vor der aufgeschlagenen Bibel, deren Hieroglyphen sie nicht lesen knnen. Im linken Teil sitzen vier Jnger als Schafbcke vor leeren Tellern . Die ehemaligen Schfchen sind durch die Studentenrevolte von 1968 zu ausgewachsenen Schafbcken geworden . In der Mitte sitzen Jesus als Punk und Judas an einem Roulettetisch . Im absoluten Bildzentrum die goldene Mnze in Judas Hand : Das Kapital, um das sich alles Denken dieser Welt dreht . Ein Bild, das seither fr viele Diskussionen sorgte : Zunchst bei Bouvier in Bonn, dann im Augsburger Mnster zurzeit des Papstbesuches, in der Mnchner Galerie fr christliche Kunst, auf der Groen Dsseldorfer Kunstausstellung und in der Bonner Galerie Netzhammer . Themen seiner Bilder sind immer die Spuren, die der Mensch hinterlsst, seine Lebensrealitt und Geschichte . Dabei versucht er die Realitt so genau wie mglich und handwerklich sauber darzustellen - hierin liegt auch seine Hauptkritik an Beuys Epigonen . Neben den zentralen Bild " Abendmahl " und den Studien dazu, sind auch noch einige hervorragende Zeichnungen zu sehen .

1988

" Hrspiele im W D R " 2 . Halbjahr 1988

Titelbild auf der Vierteljahreszeitschrift in Farbe

1988 9. August

DIE WELT

Die Kunsthalle Hamburg zeigt Zeichnungen von Bildhauern, das Claremont Haus die Werke Hellmuth Eichners

von Anke Maingold

Im Rheinland hat der Maler Hellmuth Eichner lngst einen Namen . Bereits vor ber zwanzig Jahren anno 1966, hatten ihm Kritiker eine erfolgreiche Laufbahn prophezeit und ihm Talent bescheinigt . Ob auch das norddeutsche Publikum in diese Bewunderung einstimmt, soll eine Ausstellung seiner Arbeiten im Claremont Haus zeigen .

Zwischen dem eleganten Ambiente der Villa und den schrillen, bisweilen abstrusen Riesenbildern Eichners herrscht zwar eine seltsame Diskrepanz . Die Ausstellung will aber nicht allein die Gelegenheit bieten, seine Werke kennenzulernen, sie will gleichzeitig demonstrieren, wie und ob man mit dieser Kunst leben kann .

Denn die Kunst des heute 42 jhrigen ist wirklich keine leichte Kost .

Im Zentrum steht der Mensch : Die groformatigen Arbeiten sind Variationen bestimmter Themen wie Liebe, Arbeit oder Umwelt, die der Knstler von verschiedenen Ausgangspunkten angeht . Mit dem Triptychon " Dynamitfischer " beispielsweise wendet sich der Knstler gegen den Raubbau am Meer und gegen den Massentourismus . In den beiden Bildern " die 68er Generation " oder " Chauvies letzte Fahrt " , werden heftige Seitenhiebe ausgeteilt gegen die Menschen der Generation wilden Aufbruchs, die heute " mit Benz und Zweitfrau, ( die erste war gut frs Studium ), durchs Leben hasten und an der Emanzipation der Frauen eigentlich nie ernsthaft interessiert waren . ( original Eichner Ton ) Zu Wort kommen der scharfsichtige Kritiker wie der intellektuelle Satiriker . Hellmuth Eichner, seines Zeichens Neo - Realist, befragt die Zeit und teilt die Antworten unverschlsselt mit boshaft, vergngt, skeptisch, oft mit Grund .

1988

Rede von Freiherr von Sell

anlsslich einer Ausstellung in der Firma Gedo, Kln

farbiges Plakat

Bei der gedanklichen Vorbereitung auf meine heutige Aufgabe ist mir, der ich Leidtragender Zuhrer unzhliger solcher Einfhrungen im Laufe meines Lebens gewesen bin, eigentlich kein Fall in Erinnerung, in dem es nicht der Knstler war, den man durch Erluterung und Interpretation, durch verstndnisvolle Ausdeutung und Einordnung vor vermeintlich falscher Bewertung, vor Missverstndnis und Verdammnis schtzen zu mssen glaubte . Mindestens wurde der Versuch unternommen, dem Betrachter vorsorglich die Zhne zu ziehen, auf dass dem Knstler nur ja kein Leid geschehe . Kritik erfhrt der Knstler ggf . aus der Zeitung - per Distanz . Warum dies ? Warum solche Verteidigungsaufbauten, Schutzmauern und Filteranlagen ? Ihn bedroht doch nicht, wie einst Goya, die Inquisition ? Und doch wohl auch nicht, um ihm den Markt nicht zu verderben. Gewiss, das gibt es, wenn trickreiche Sponsoren am Werke sind, wenn Knstler gemacht werden sollen, wie etwa seinerzeit Buffet, was man heute sagen darf, nachdem er schlielich ein zumindest guter ZEICHNER geworden ist. Aber das alles ist nicht das, was ich meine. Was ich meine und durchgngig seit Langem beobachte ist, mit wie viel nur denkbare Mitteln der Verstndniskommunikation der Knstler und sein Werk - per Gebrauchsanweisung gleichsam - fr den Betrachter zuwenig gemacht, das rechte Verstndnis anbefohlen und er so vor Missdeutung, vor Abwertung und wei ich, vor was sonst noch, bewahrt werden soll . Um was handelt es sich bei diesem merkwrdigen Vorgang der Zhmung und Entwaffnung des Publikums, was ist da am Werke ?

Lge es im Grunde nicht eigentlich nher, den Betrachter, das Publikum, die Gesellschaft vor dem Knstler zu schtzen ? Denn nicht er ist doch durch uns in Gefahr, sondern wir, von denen er so gefhrlich viel mehr wei, als manchem von uns lieb ist, und den er mit seinem scharfen Blick durchschaut, entblt, entlarvt . Mssten nicht also im Grunde wir vor ihm, wenn denn Kunst, was ja die Wahrheit ist, von Kennen und nicht von Knnen kommt, geschtzt werden ? Msste nicht demnach eher beim Knstler fr uns und nicht bei uns fr Ihn um Mild und Verstndnis nachgesucht und geworben werden ?Der Eichner stellt ihnen hier und heute und berhaupt nicht nur seine Bilder aus. Er stellt sich selbst aus. Vorleistung nennt man so etwas in der politischen Terminologie unserer Tage, Angebot, das was uns zur Annahme auffordert, zur Annahme seiner Wirklichkeit . Und hier liegt die Verbindung zwischen ihm und uns in der beschriebenen Konstellation : seine Bilder sind auch unsere Wirklichkeiten. Wir haben zu entscheiden, ob wir sie annehmen oder nicht . Sich auszustellen, sich preiszugeben ist sein Angebot, seine Vorleistung an uns. So kann denn mein Versuch der Klrung fr diesen Vorgang, fr diese Begegnung nur zum Ziel haben, dass ihnen der freie Blick nicht durch Rezepte frs Betrachten, fr Einordnung und Verdaulichkeit, sprich, gegen Wahrheit und Wirklichkeit getrbt, oder gar verstellt wird . Aber wenn Sie diese Bilder bereits angesehen haben, werden Sie mir zustimmen, dass dies wohl kaum gelingen knnte .Nicht nur, weil in der Konkurrenz mit dem Bild - wie wir alle vom Fernsehen wissen - das Wort allemal unterlegen ist . Bei der bildenden Kunst ist das berdies legitim .Beim Eichner hat das Wort ohnehin, wenn berhaupt, nur eine sehr begrenzte Chance. Was bleibt mehr als ebendies zu sagen ? Vielleicht noch, wenn man neudeutsch - hinterfragt, was denn Der Eichner wohl mit seinen Untertiteln " Sehhilfe " meint . Dazu gehrt, denke ich die Frage, ob er sich mit diesem Untertitel berhaupt an uns wendet ? Ob wir es sind, denen hier vielleicht Sehhilfe angeboten werden soll ? Oder ob es vielleicht gar er selbst es ist, der sich fr sich - beim Pinsel und Stift - Sehhilfe geholt hat, um seine, unsere Wirklichkeiten zu erkennen und Gestalt werden zu lassen . Ich denke, dass Vieles fr diese Version der Ausdeutung spricht. Der Eichner ist ein offener und kenntnisreicher Mann . Offen auch, wie ich finde, in der Kennzeichnung und Mitteilung seiner eigenen Arbeitsanstze . An uns, den Betrachtern, ist es, unsere Wirklichkeiten anzunehmen und - To make a long story short - seine Kunst nicht zu sthetischen berschuss des so genannten Eigentlichen zu degradieren, zum Acessoir von Wohnung und Geschft und Reputation. Schnell wrde auch eine Kunst, die sich auf Derartiges einliee, ihre Valuta einben. Denn in diesen Gefilden regiert doch nun einmal das Zweckmige und die Mode, von der B . Shaw vor ber fnfzig Jahren gesagt hat, sie sei etwas so unertrglich Hssliches, dass man sie sptestens alle 6 Monate wechseln msse .Der Eichner ist Versuchungen dieser Art nicht ausgesetzt . Sein Auge durchschaut diese Dramaturgie unserer Zivilisation . Und er gehrt zu denen, die mit klarem Kopf den Ruhepunkt in der Beschleunigung suchen, in der fr mich faszinierenden Mischung aus Engagement und Distanz . Aber ich will es schnell dabei bewenden lassen, bevor ich anfange, gegen die mir selbst gesetzten Regeln zu verstoen . Ich wnsche ihnen einen offenen Blick und die Bereitschaft zum Risiko, die angebotenen Wirklichkeiten zu entdecken und anzunehmen . In diesem Sinne auch allein sehe ich meine Funktion als einfhrende Worthilfe, die durch die Kraft der Bilder dieses Malers Sprachlosigkeit rechtfertigt .

Friedrich Freiherr von Sell .

1988

KLNER STADT ANZEIGER

8. 4. 88

" Keine bequeme Kost "

von Barbara A . Cepielik

Hellmuth Eichner aufgewachsen in Hoffnungstahl und seit gut zwei Jahrzehnten nicht mehr in Hoffnungstahl, macht eine Stippvisite im Ort seiner Kindheit . Der in Bonn lebende Knstler mit internationalem Renommee lie sich von der Galeristin Roswitha Tittel dazu ermuntern, " in der Provinz " auszustellen . Er serviert hier allerdings keine leichte Kost : gezeigt wird hier sein rund fnf Meter langes Bild " Das Abendmahl " und dazu vorbereitende Skizzen . Das Bild hat, wo immer es gesehen war, fr Diskussionen gesorgt . Zunchst bei Bouvier in Bonn, dann im Augsburger Mnster zurzeit des Papstbesuches, in der Galerie fr christliche Kunst in Mnchen, bei der Groen Dsseldorfer Kunstausstellung, in der " kleinsten Galerie " Deutschlands in Siegburg , in der Galerie Netzhammer Bad Godesberg, im Claremont Haus in Hamburg . Eineinhalb Jahre hat Eichner an diesem komplizierten, in schwarz gehaltenem Bild gearbeitet, " aus der Dunkelheit herausgekratzt, das macht sonst keiner " , sagt Eichner . Eichner, der seine Grundschulzeit hier in Hoffnungstahl verbrachte und dann nach Overath zur Schule ging, schlielich an der Klner Werkschule studierte, lebt mittlerweile in Bonn . Im Museum von Gttingen hngen Bilder von ihm, im Postministerium usw . und das, obwohl seine Arbeiten alles andere als kommerziell sind . der Maler bevorzugt auerdem Formate, die nicht an jede Wand passen . Zurck zum Abendmahl : " Der Eichner " beschreibt die kunstvolle Provokation so : " Das Bild besteht aus drei Fraktionen, den linken Schafbcken vor den leeren Tellern den Rechten - der Eselsschule - und in der Mitte dem Zentrum, mit dem goldenen Jeton - dem Kapital . Da sitzen die Rechten vor der Bibel und knnten, wollen jedoch nicht in der Bibel lesen, denn die Sehschlitze in ihren Advokatenroben liegen stets so, das sie gerade nichts lesen knnen . Blickfang des mittleren Teiles ist das Kapital, brigens einziger goldener Farbklecks im Bild . Judas hlt den goldenen Jeton in der Hand ." Money makes the World go around" Der Maler bejaht diese Frage vehement . Eichner spart nicht mit fr manchen streitbaren Motiven und Aussagen . Lenin mit dem Kreuz in der Hand ; Jesus mit am Roulette - Tisch ; der Maler taucht auch im Bild mit auf, ganz vage nur, aber mit Teufelshrnern . Zu den Linken meint Eichner " Das sind die Schfchen, von denen der Pastor so oft sprach . Nur, aus den ehemaligen Schfchen wurden ausgemachte Schafsbcke . Immerhin, alle sitzen am gemeinsamen Tisch " genau wie im richtigen Leben " . Wer mit dem Eichner ber das Bild und seine Entstehungsgeschichte sprechen will, hat in der Galerie Tittel Gelegenheit dazu .

1988

Ausstellung in der Galerie Tittel

Besuch von Ernest Freud, der sich das " Abendmahl " erklren lsst

1988

Einfach gute Bilder

BONNER GENERAL ANZEIGER

von Gisela Kicker

Bonn im Jahr 2000, nachdem durch die berwrmung der Erde die Pole abgeschmolzen sind", bezeichnet der 43 jhrige Knstler eines seine Werke, die zurzeit in der Galerie der Friedrich Naumann Stiftung prsentiert werden . Der ehemalige Beuys Schler zhlt heute zu einem bedeutendem Vertreter des Neuen Deutschen Realismus und hat sein Knnen in zahlreichen Ausstellungen unter Beweis gestellt . Der berwiegende Teil der Exponate besteht aus Arbeiten in Pastelltechnik aus jngster Zeit, die nun zum ersten Mal gezeigt werden . In der Arbeit " Blau " wird durch eine Strickleiter das mhsame Klettern nach oben symbolisiert . Der realistische Charakter des Bildes wird durch ein vom Rahmen herunterhngendes Seilende, welches den Betrachter zum Anfassen verleitet, betont. Originelle Einflle, wie beispielsweise ein funktionierender, im Bild integrierter Mini Fernseher in dem Bild " Kulturmll " , kennzeichnen das Schaffen Eichners, dessen Kunstauffassung auf seiner Aussage beruht, dass gute Bilder immer einfach sind . Dennoch, der Knstler macht es nicht einfach, seine Bilder zu verstehen . Ihre Themen fordern zur kritischen Auseinandersetzung mit Gesellschaft und Umweltproblemen der heutigen Zeit auf . Das groformatige Bild " Die Kirche und das Dorf " lassen mannigfaltige Interpretationen zu: Winzige Huser scheinen sich nur mhsam an monumentalen, dunkel konturierten, in schattierenden Grautnen strukturierten Felsen festzuklammern ; die dem Dorf gegenberliegende Kirche droht jeden Augenblick in den Abgrund zu gleiten . Es ist eine imposante, von Licht durchflutete Felslandschaft, die ihre Aussagekraft durch den umgekehrt dargestellten Topos " die Kirche im Dorf lassen " erhlt. Jugendliche Schnheit und Anmut thematisiert der Maler in zart hellen Zeichnungen graziler Mdchenkrper - ganz im Gegensatz zu den frivolen Transvestiten Bildern oder dem Pastell " Immenburgstrae in Bonn, am Schlachthof " . Kritik ohne erhobenen Zeigefinger, ist das Grundthema im Schaffen Eichners seit 20 Jahren, der mit analytischem Blick dem Zeitgeist immer auf der Spur ist .

1989

EXTRABLATT

Hintergrndige Bildersprache - Ausstellung in der Friedrich Naumann Stiftung

Ittenbach - Neue Bilder stellt der Bonner Maler Hellmuth Eichner

in der Galerie der Friedrich - Naumann - Stiftung im Margarethen Hof aus . " Der Eichner" ist eine Reminiszenz an die Schulzeit . Mittlerweile wurde er zu einem Markenzeichen. Neben Arbeiten in Acryl und l sind zum ersten Mal zahlreiche Pastelle zu sehen .In zarten Farben und klassischen Linien zeichnet er junge Mdchen und Landschaften in klassischen Linien und Formen . Er hat Abschied genommen von den Menschen der frhen Jahre mit den groen Kpfen und alten Gesichtern auf schmchtigen Krpern . ZentraleLichtpunkte lassen bestimmte Formen besonders hervortreten .

Augenfllig wird es in den Portraits von " Agns " . Es wird auch wirksam in dem von silbernen Mondlicht berfluteten " Vollmond auf der Werft Panoukla ". Dominierend in der Ausstellung sind jedoch die gesellschaftskritischen Werke . Eindrucksvoll eine Stadtkarte von Bonn . Beherrscht wird die Stadtlandschaft vom Blau des Wassers, das alle tiefergelegenen Straen und Pltze berflutet . " Bonn im Jahre 2000, wenn die Pole abgeschmolzen sind, nennt Eichner das Bild . Die Altstadt steht unter Wasser und die Hhen sind bervlkert . Mit unter Wasser stehen die Stadtteile Beuel, Vilich und Schwarzrheindorf . Nur die Autobahnen ragen heraus. In Endenich, jenseits der Autobahn, wird Fischzucht betrieben. Betroffen steht man vor den konkretisierten Folgen des Ozonlochs " Eichner gibt bestrzenden Themen eine berzeugende Gestalt " , formulierte Dr. Petra Rapp Neumann die Arbeit des Knstlers in ihrer Einfhrung . Fr Horst Jrgen Lahmann, der fr die Geschftsfhrung der Friedrich - Naumann - Stiftung die Ausstellung am vergangenen Dienstag erffnete, ist " Der Eichner " kein bequemer Maler, sondern jemand, der unbeirrt, konsequent und eigenwillig seinen Weg geht .

Er sieht eine prophetische Kraft in den Werken . " Die berflutete Stadt ", ist ein aufrttelndes Bild " , stellt er fest . Eine ganze Wand nimmt das 200 x 200 cm groe Acrylgemlde " Die Kirche und das Dorf" ein. Man muss beide in einer riesigen Steinwste suchen . Noch umgibt sie ein bisschen Grn, aber zwischen beiden tut sich ein fast unberwindlicher Graben auf . Vom selben Format ist die in l gemalte " Groe Freiheit " . Eine Frau pflastert eine Strae, einen riesigen Pflasterstein neben sich, eine nicht zu schaffende Arbeit, die sie sich aufgeladen hat .Mit jovialem Lcheln, dessen Falschheit aus den Augenwinkeln blickt, zeigt Eichner einen Mann, an dessen Kopfbedeckung ein winziges Hakenkreuz steckt. Noch ist sie kaum auszumachen, die Gefahr des wiederauflebenden Nationalsozialismus . " Wir kommen wieder " nennt der Maler dieses Bild . In weiteren Werken zeigt er den Zusammenhang zwischen Sex und Kommerz auf, so in " Der Transvestit ", oder " Immenburgstrae", um nur zwei herauszugreifen .Des Deutschen liebstes Kind, das Fernsehen, funktioniert nach Eichners Prognosen auch noch, wenn ringsum alles in einer Wste von Kulturmll versinkt . In Diagre luft ein Mini Apparat mitten im Bild und zeigt das aktuelle Programm Kritik bt Hellmuth Eichner auch an der Vergabe des Bonner Kunstpreises . Unglubiges Staunen drckt " Willi beim Betrachten des Bonner Kunstpreises " aus. Zivilcourage hat Lehmann ihm bescheinigt . Insgesamt besttigt die Ausstellung das, was Dr. Rapp Neumann in ihrer Einfhrung sagte, bestechend gemalte Denkanste, Bilder die allesamt Signale setzen, in denen die Komposition und die Farbe die Aussage untersttzen

1989

Katalog zur Ausstellung " Lebensformen 2000 " BBK

Knstlerforum Bonn Abbildung " Bonn im Jahr 2000 nachdem die Pole abgeschmolzen sind, die Altstadt steht unter Wasser, die Hhenlagen sind bervlkert " .

1989

" Prisma "

aus der Arbeit der Goethe Institute

Abbildung des Mephistos ( Mann im Prisma ) mit Kopfhrern .

( Das Bild war auch Titelbild des Hrspielkataloges im WDR )

Katalog

1989

" Postkarten "

Bonner Knstlergruppe

Postkarte von " Dr. Fels " Collage 41,5 x 29,0 cm 1988

Postkarte " Ernst Moritz Arndt " Zeichnung 41,5 x 29,0 cm 1988

1989

GENERAL ANZEIGER / Marion Lhndorf

So weit die Fe tragen - Eindrcke von der zweiten Bonner Kunstwoche

Da sich die zahlreichen Besucher in der Enge sowieso auf die Fe traten, lagen die Knstler Dierk Engelken und Der Eichner mit ihrer Frottage Aktion genau richtig :

Das Kunstwerk am Boden wurde zum Kunstwerk, indem man darberlief. Unter der Frottage waren 1000 Zigarettenkippen, welche die Knstler nach Sitzungen im Bonner Stadthaus gesammelt hatten . Nach dem durchreiben konnte man Bonn 2000 lesen . . . .

1989

Sturz der Gtter ? Vaterbilder im 20 . Jahrhundert

Suhrkamp Verlag